Die Macht des Geldes und der Zahl (Wie man der Kirche die Qualität austreibt) Wir schauen heute ganz nach innen, um dort Erkenntnis zu gewinnen, was unsre Kirche in der Welt in ihrem Kern zusammenhält. Ein erster Blick gilt den Finanzen, sie sind das Zentrum ja des Ganzen und ohne sie, da geht es nicht (ein Fakt, dem niemand widerspricht?) und doch, schon kommen uns auch Fragen: Kann denn ein Christ ganz ernsthaft sagen, die Kirche litte Todesnot, wenn sie der Steuerschwund bedroht? Mit andern Worten, hängt ihr Leben an dem, was ihre Glieder geben und tun sie’s nicht, dann ist es aus? Ist Geld der Grundstein ihres Baus und nicht der Herr, der sie gegründet? Was schreckt uns denn, mit ihm verbündet, auf seinem Weg, in seiner Spur? Wär’ unser Halt die Steuer nur und Geld die einzige der Gaben, die Jesu Leute reichlich haben, sie setzten besser sich zur Ruh’ und schlössen ihre Kirchen zu. Denn Jesu Sache wird stagnieren, wenn wir uns selbst nicht investieren, wie er’s für uns zuerst getan. Wär’ unsrer Kirche Haushaltsplan in naher Zukunft auch am Ende, so hätten Christen Füße, Hände, der Herzen Glut, des Geistes Kraft und ihres Glaubens Leidenschaft und lange wär’ noch nichts verloren! - Wir schau’n nach anderen Faktoren, wie sie der Kirche Basis sind: Da gibt’s ein zweites Hätschelkind, das wie das Geld in aller Munde (ganz eng verwandt mit ihm im Grunde!), der Krämerseele erste Wahl: Gemeint - man ahnt es - ist die Zahl! Da wird gemessen nach der Länge, der Breite, Tiefe und der Menge ... Zum Beispiel, wann’s ein Kirchenglied ins Innere der Kirche zieht und ist’s schon alt, noch eins der jungen? Kommt’s regelmäßig, kommt’s gezwungen durch Brauch und Tradition im Ort? Könnt’ ein Event nicht da und dort die Zahl der Christen noch vermehren, die unterm Kirchendach verkehren? Denn immerhin ein rechter Christ, weiß, wo des Christseins Mitte ist und wird den Kirchgang stets verwenden, um oft und viel zu spenden, spenden ... Doch jetzt zurück zum Zahlen-Spiel: Schon lange wird gefragt, wie viel, das heißt: wie wenig Amtspersonen man braucht, dass sich Gemeinden lohnen, was also Pfarrer, Pfarrerin an Christenseelen mit Gewinn noch grade fähig zu versorgen. (Wie meist bleibt hier der Sinn verborgen!) Man hört, es geht insonderheit hier um die „Dienstgerechtigkeit“! Man könne einem nicht gewähren und einem andern dann erklären, dass einer in der selben Stadt ein Mehr von Hundert Seelen hat. Da würde nämlich mit den Jahren der eine sich viel Arbeit sparen bei Taufe und Beerdigung! So also heißt die Forderung: Pro Pfarrer Achtzehnhundert Seelen! (Na gut, mal eine darf wohl fehlen!) Das - meint man - wäre dann gerecht! Doch die Gerechtigkeit ist schlecht!, sie fragt nur nach den Quantitäten, ist Fehlgeburt der aufgeblähten Verwaltung, die nur Zahlen sieht. Sie fragt nicht, ob im Kirchgebiet vielleicht Gemeinden sich befinden, die mehr als andere sich schinden in Sachen innerer Mission und ob vielleicht die Amtsperson dort sehr viel gute Arbeit leistet. Im Gegenteil, wer sich erdreistet und auch mal nach der Güte fragt, der kriegt als Auskunft das gesagt: An eines Pfarrers „Steckenpferden“ kann „Arbeit“ nicht gemessen werden! Vergleichbar, messbar ist und bleibt, was als die „Pflicht“ ein Pfarrer treibt, die „Kür“ ist sein „Privatvergnügen“! Es gilt nur „dienstlich“ zu genügen der Vorschrift und der Quantität. - Da fragt man sich, ist’s schon zu spät, für angemess’nes, neues Denken? Wann fragen die, die Kirche lenken, auch endlich anders und vermehrt und nach der Richtung umgekehrt: Was gilt’s beim sparsamen Verwalten auf alle Fälle zu erhalten?! Wo leistet eine Frau, ein Mann im Pfarramt, was kein andrer kann. Wo sind Gemeinden, die sich regen, wo schaffen sie besond’ren Segen und freilich auch: wo tun sie’s nicht! Wer prägt das freundliche Gesicht der Kirche, fördert ihre Sache? Wer macht sich stark für alles Schwache und handelt so in Christi Sinn? Wer schafft durch Qualität Gewinn, auch wenn die Seelenzahl nicht „richtig“? - Das Geld, die Zahlen sind nicht wichtig, sie treiben nur aus Gottes Haus Profil und Qualität hinaus! Manfred Günther Meiner Kirche ins Stammbuch 4