++Perikopenrevision+++ Perikopenrevision+++ Perikopenrevision+++ Perikopenrevision+++

Liebe Nutzer und Freunde meiner Predigten!

Nun hat man die neue Perikopenordnung der Predigttexte und Lesungen begonnen. Leider nicht mit der fünften Predigtreihe, sondern mit der ersten.

Ich sage es klar und deutlich: Ich kann dieser Neuordnung aus zahlreichen Gründen nichts abgewinnen, da sie viele neue, selten gepredigte Texte in den Mittelpunkt stellt und alte, der Gemeinde vertraute Perikopen vernachlässigt.

Falls Sie noch gar nichts oder wenig über die Reform wissen, verweise ich auf diesen Link:

https://www.evangelisch.de/inhalte/146988/14.../perikopenrevision-ekd-synode-2017

Ich werde auf meiner Internetseite die alte Ordnung der Perikopen beibehalten.

Die wichtigsten Gründe (durchaus nicht alle!!!) dafür sind:

1. Die Texte aus den alten Perikopen sind hunderte Male gepredigt und die Predigten dazu in Büchern und im Internet veröffentlicht. Das ist gerade für junge Pfarrer in den Anfangsjahren ihres Dienstes, für Prädikanten und Lektoren ein  reicher Schatz von Anregungen und Hilfen.

Ich glaube, dass auch ältere Pfarrer vor ihrem oder im Ruhestand überfordert sind, sollten sie die neue Ordnung benutzen.

2. In einer Zeit schlecht besuchter Gottesdienste scheint es mir nicht angebracht, neue Predigttexte zu predigen. Ich finde es wichtiger, dass die alten, bewährten Texte vor die Ohren der Hörerinnen und Hörer kommen, die möglicherweise bei diesen Erinnerungen wecken und Anknüpfungspunkte an frühere Lebensphasen, Gottesdienste oder Kasualien bieten.

3. Durch die Neuordnung der Perikopen wird mit Sicherheit einer schlechten Angewohnheit bei Predigerinnen und Predigern Vorschub geleistet, die ich bei zahlreichen Besuchen in verschiedenen Kirchen (in Frankfurt und im Vogelsberg) beobachtet habe: Man hält sich ohnedies nicht an die - wie ich finde - sinnvolle (alte) Perikopenordnung, sondern predigt über sein homiletisches Steckenpferd oder einen Text, der einem besser liegt als der verordnete.

4. Ein bisher zu wenig beachtetes Problem ist noch, dass durch Gemeindezusammenlegungen in vielen Gegenden der Landeskirche nicht mehr jeden Sonntag Gottesdienst gehalten wird, was eine kontinuierliche Predigtarbeit der Perikopenordnung nach sehr erschwert.

An Pfarrstellen, an denen mehrere Prediger Dienst tun, die vielleicht nur alle zwei, drei Wochen zu predigen haben, dürfte eine Absprache - auch noch über neue und daher oft schwierige Texte - kaum klappen.

Noch einmal: Besonders fragwürdig finde ich, dass die neue Perikopenordnung am 1. Advent 2018 nicht mit der 5. Reihe beginnt, die dann dran wäre, sondern mit der neuen 1. Reihe.

Ein Lektor hat mir geschrieben: Er müsse doch jetzt die Texte der neuen Perikopenordnung wählen. So hätte es seine Landeskirche verordnet. Ich glaube nicht, dass die Kirche ihren Predigern etwas verordnen kann, was diese nicht wollen. Und gerade denen, die keine eigenen Predigten schreiben (dürfen), würde mit der Verordnung der neuen Texte die Fülle der für die alten Texte vorhandenen Predigtvorschläge genommen.

Ich fürchte, wir werden mit der Neuordnung der Perikopen so etwas Ähnliches erleben wie 1995 mit der Rechtschreibreform.

Wenn Sie mir etwas zu diesen Zeilen sagen wollen schicken Sie mir eine E-Mail:

pfr.guenther@t-online.de

Gern - wenn Sie das wünschen - nehme ich ihre - Zustimmung oder Kritik - in den Text dieser Seite auf.

Manfred Günther

Dezember 2018