Verehrte Zuschauer, es gibt Leute, die werfen der Kirche nach, sie sprache nicht mehr die Spreche der Menschen. Man sagt uns vor, die Regilion habe das Mißtrauen ihrer Gläubiger verbraucht. Wir Theologen beispiels- mal gebärdeten uns in Lehrung und Forsche als ewige Wesserbisser, die sich unverständliches Zeug aus den Haaren saugen und immer noch meinen, sie müßten von den sieben Tödsünden reden, damit die Menschen Gewissensgebisse bekommen und bei der Schlange bleiben. Als mein Freund, ein Dominikaterpater, mir neulich zum ersten Mal von diesen Vorwürfen erzählte, da haben mir vor heiligem Zorn die Zie geknittert. Da standen mir die Berge zu Haare. Da hab ich mir die Hände gerauft. Die Spreche der Kirche sei unverständlich, phrasenhaft und verwidere sich in Wickelsprüche? Das muß man sich mal auf dem Mund zergehen lassen. Das treibt einem doch die Schamröte in die Augen. Versehrte Zuschauer! Ich will hier kein Brett vor den Mund nehmen: Bedenken Sie bitte, wer hier Morder und Zetio schreit, dann verlieren die Anwürfe schon etwas weniger an Gewicht. Im Grunde sind es doch bedauernswerte Menschen, die von Taten und Blusen keine Ahnung haben und in einem Abfall geistiger Anwesenheit einfach den springenden Grund übersehen. Aber ich will hier auch nicht den Teufel mit dem Brezelbub austreiben. Lassen Sie mich selbstkritisch fragen: Haben wir uns als Kirche immer genügend bemüht, das gemeinste Kleinsame zu finden? Ist es nicht auch ein Wink mit dem Faulzahn, wenn ein Mensch, dem vielleicht durch die Begegnung mit einem unfreundlichen Pfarrer eine Wurst über die Leber gelaufen ist, nun seinerseits meint, der Kirche ein Schnippchen spielen zu müssen? Müssen wir uns da nicht fragen lassen, wie wir in der Kirche miteinander untergehen? Wie hormonisch ist unser Miteinander wirklich? Läßt sich da nicht auch manch Negateiliges anführen? Haben wir alles gehalten, was wir verbrochen haben? Wir wollen dem Enttäuschten keinen Honig in die Augen schmieren, aber er soll wissen: Uns hängt viel an ihm, und er kann jederzeit wieder bei der Kirche umkommen, wenn er nur will. Den anderen längst weggetretenen Kritikern aber rufen wir zu: Bevor ihr redet, vergeßt nicht Reden ist Schweigen, und Silber ist Gold! Und wenn ihr das nicht beherzigen wollt oder könnt, so laßt doch bitte die Tatsachen im Dorf! Tatsache ist, daß der Mönsch zum Bösen neigt. Und es ist lebensnotwichtig, daß die Kirche klar und unständvermißlich davon redet. Ohne schames Falschgefühl! Munitiös vorbereitet werden wir weiter an die Zecken und Zäune, von Pontius zu Pilatius gehen und es verkündigen: Regilion ist mehr als ein Konzertbesuch der H-Meß-Molle von Johann Sebaldrian Bach. Gottes We- ge sind geschlungen. Und man kann nicht zwei Fliegen auf einmal dienen. Das ist unsere Botschaft. Und sie leuchtet auch heute noch jedermann heim. Guten Abend! © Martin Buchholz