NACH DER KIRCHENVORSTANDS-WAHL Nach der Kirchenvorstands-Wahl Als die Stimmen ausgezählt, pfiff ich einen Dankchoral, denn man hatte mich gewählt. Sonntags wurd' ich eingeführt, selbst die Predigt sprach mich an. Ich war innerlich gerührt, denn mein Amt fing geistlich an. Geistlich sollte darum auch meine erste Sitzung sein. Weil ich dachte, es sei Brauch, steckte ich 'ne Bibel ein. Überpünktlich, aber schüchtern, nahm ich dann im Pfarrhaus Platz. Es begann noch etwas nüchtern mit dem Steuerhebesatz. Würden wir danach wohl beten? fragte ich voll Neugier ganz, doch dann ging's um Jugend-Feten, Bier und Cola, Sex und Tanz. Anschließend um Müllbehälter und um Geld für'n Kindergarten. Unser Abend wurde älter, meine Bibel musste warten. Dann kam man im „höh'ren Sinne" auf die Kirche schon zu sprechen: die defekte Regenrinne und auf ähnliche Gebrechen. Endlich, kurz nach Mitternacht, nach Programmpunkt ,Rasenmäher', war der Tagesplan vollbracht und die Schlussandacht rückt' näher. Wirklich bat der Pastor mich, meine Bibel herzugeben (Ihre Größe eigne sich, den Projektor anzuheben.) Und dann sah'n wir Baumodelle für Gemeindehaus-Toiletten. Schluss gemacht wurd' auf die Schnelle, denn man wollte in die Betten. Und so hatten wir dann doch vier, fünf Stunden abgesessen. (Außerdem hab ich auch noch meine Bibel dort vergessen.) Als ich langsam abwärts schritt, müd' mich haltend an Geländern, nahm ich doch den Vorsatz mit: Hier musst du noch vieles ändern! Hinrich C. G. Westphal