KIRCHENWAHL DER TIERE Es war einmal eine Gemeinde der Tiere, die wollte einen Kirchenvorstand wählen. In Scharen drängten sich dle Tiere, um dieses Amt zu erhalten. Der Elefant trompetete fröhlich: "Ich trample alles nieder, wählt mich!" Das Kamel empfahl sich, es könne alle verschaukeln und sei äußerst genügsam. Die Brieftauben bemerkten, sie seien die geborenen Gemeindebriefausträger. Der Hamster wollte gerne Finanz- und der Biber Kirchbaumeister werden, während sich das Eichhörnchen als Rechnungsprüfer anbot. Der Pinguin meinte, er würde eine gute Figur als Predigthelfer und Lektor abgeben. Die Krähe bewarb sich wegen ihrer langjährigen Verdienste um die Förderung der Kirchenmusik. Der Rabe spekulierte auf den Diakonieausschuß und verwies auf seine sprichwörtliche Kinderliebe. Der Eichelhäher, als Waldpolizist bewährt, wollte sich um die Jugend kümmern, und das dicke Schwein beanspruchte einen Platz zur Verbreitung der Gemütlichkeit. Der Pfau glaubte, nur er käme für den Vorsitz in Frage - wegen seiner schönen Federn. Ähnlich warben viele Tiere für sich. Alle waren so entzückt von sich selber, daß sie die Wahl gar nicht abwarteten. Der Biber nagte sofort die Kirche an, den Rest besorgte der Elefant. Die Brieftauben kamen vor lauter Schnäbeln nicht aus ihrem Schlag, und die Krähe versuchte als erste, dem Eichelhäher ein Auge auszuhacken. Das Eichhörnchen prüfte die Bilanzen so intensiv, daß für andere nichts mehr übrig blieb. Das Schwein legte sich in unflätigen Reden mit dem Pfau an, der sich sowieso schon durch den Raben bedrängt sah. Mit Grauen sahen die anderen Tiere, wie die Gemeinde zugrunde ging. In höchster Not läutete der Pinguin die Glocke zur Gemeindeversammlung. Alle waren sich einig, so könne es nicht weitergehen. Der Papagei rief in die betroffene Stille hinein: "Es gibt Länder, wo man sich nicht selbst wählt, sondern gewählt wird." Als letzten Ausweg wollte man daraufhin dieses Experiment wagen. Bei der Auszählung erhielten die meisten Stimmen: Der Hahn wegen seiner Wachsamkeit; der Hund wegen seiner Treue; der Esel wegen seiner Geduld und Belastbarkeit, die Giraffe wegen ihrer Übersicht; der Maulwurf, weil er immer wieder unerwartet neue Wege markiert; die Biene und die Ameise, weil ihnen kein Weg zuviel ist; die Amsel, weil sie auch bei schlechtem Wetter singt; der Karpfen, weil er in jeder Situation Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, und der Hamster wegen seiner Sammelleidenschaft. Der Pinguin wurde als geborenes Mitglied betrachtet, weil er seine Dienstkleidung immer dabei hat. Am selben Abend einigte man sich schnell auf den Karpfen als Vorsitzenden. Er war ein vorzüglicher Diskussionsleiter, da er selbst wenig sagte. Stellvertreterin wurde die Amsel wegen ihrer unerschütterlichen Frohnatur. In die Ausschüsse wurden delegiert: Für Bausachen die Biene, für Jugend der Maulwurf, für Finanzen der Esel, für Spendenwesen der Hamster, für Rechnungsprüfung die Giraffe, für Gottesdienst und Kirchenmusik der Hahn und für Weltmission und Ökumene der Hund. Mit Gebet und Segen begannen sie ihre gemeinsame Arbeit, sie gingen miteinander um in Liebe und Sanftmut, suchten Auseinandersetzungen da, wo sie nötig waren, und so breitete sich der Himmel auf Erden aus. Und die Gemeinde wuchs und wuchs und wuchs...