SPRACHEN Eine Familie zog weit weg in eine andere Stadt. Die Kinder gingen gleich am ersten Tag einkaufen. Sie sollten Wurst und Brötchen für die Möbelmänner holen und der Vater brauchte Nägel. Als die Kinder zurückkamen, riefen sie: »Hier gibt es keine Wurst und Brötchen! Hier gibt's nur Worscht und Weck. Und Nägel gibt es hier auch nicht, nur 'Neschel'«. Sie lachten und lachten. Am nächsten Tag lernten sie die Nachbarskinder kennen. Sie fragten: »Ist hier viel Verkehr auf der Straße? Darf man hier Rollschuh laufen und Seilspringen?« Die Nachbarskinder sagten: »Bei uns uf de Gaß derf mer laafe und hippe, wie mer will. Nor misst er ufbasse, des er eich eiern Schwelles net an enem spitze Stein stumbe duht.« Und die Nachbarskinder lachten und lachen. »Was meint ihr?« fragten die anderen. »Was heißt 'Schwelles' und 'stumbe'?« »Ihr liebe Leit!« riefen die Nachbarskinder. »Versteht mer dann bei eich kein Deitsch? Schwelles, des maant Kopf, un stumbe haaßt stoßen!« »Ach so«, sagten die anderen und dann lachten sie mit. Es dauerte gar nicht lange, bis sie genauso redeten wie die Kinder in dieser Stadt. In den Ferien reisten die Kinder mit ihren Eltern in ein anderes Land. Sie wohnten dort im Zelt auf dem Campingplatz und den ganzen Tag spielten sie mit den Kindern aus den anderen Zelten und Wohnwagen. Das waren Kinder aus Frankreich, England und Italien. Am Anfang konnte keiner den anderen verstehen. Ursula Wölfel, aus: ."16 Warum- Geschichten", Hoch Verlag, Stuttgart