NIE GENUG Einst hatte Jennie alles. Sie schlief auf einem runden Kissen im oberen und auf einem viereckigen Kissen im unteren Stockwerk. Sie hatte einen eigenen Kamm, eine Bürste, zwei verschiedene Pillenfläschchen, Augentropfen, Ohrentropfen, ein Thermometer und einen roten Wollpullover für kaltes Wetter. Sie hatte zwei Fenster zum Hinausschauen und. Zwei Schüsseln für ihr Futter, Und sie hatte einen Herrn, der sie liebte. Doch das kümmerte Jennie wenig. Um Mitternacht packte sie alles, was sie besaß, in eine schwarze Ledertasche mit einer goldenen Schnalle und blickte zum letzten Mal zu ihrem Lieblingsfenster hinaus. "Du hast alles", sagte die Topfpflanze, die zum selben Fenster hinaussah. Jennie knabberte an einem Blatt. "du hast zwei Fenster", sagte die Pflanze, "ich habe nur eines." Jennie seufzte und biss ein weiteres Blatt ab. Die Pflanze fuhr fort : "Zwei Kissen, zwei Schüsseln, einen roten Wollpullover, Augentropfen, Ohrentropfen, zwei verschiedene Fläschchen mit Pillen und ein Thermometer. Vor allem aber liebt er dich." "Das ist wahr", sagte Jennie und kaute noch mehr Blätter. "du hast alles", wiederholte die Pflanze. Jennie nickte nur, die Schnauze voller Blätter. "Warum gehst du dann fort?" "Weil ich unzufrieden bin", sagte Jennie und biss den Stängel mit der Blüte ab. "Ich wünsche mir etwas, was ich nicht habe. Es muss im Leben mehr als alles geben!" Die Pflanze sagte nichts mehr. Es war ihr kein Blatt geblieben, mit dem sie etwas hätte sagen können. Muurice Sendak