DIE FRÖSCHE Ein Frosch sprang auf einen Brunnenrand und bemerkte einen anderen Frosch, der im Brunnen auf einem Brett saß und nach Mücken schnappte. "He, warum kommst du nicht heraus aus dem Brunnen und schaust dir die schöne Welt an!" rief er hinunter. "Ich kenne die Welt!" - antwortete ihm der Frosch von unten, "sie ist etwas rund und etwas dunkel und man muß sich anstrengen, wenn man darin satt werden will." Der andere Frosch antwortete ihm: "Das ist doch nur ein Brunnen, wo du sitzt. Die Welt ist viel größer. Sie ist wunderbar! Komm, ich werde sie dir zeigen, wie wunderbar die Schöpfung Gottes ist." - "Wer ist das - Gott?" fragte jener Frosch. "Ich kenne meine Welt und die Mücken. Gott aber habe ich nie gesehen!" - "Du mußt herauskommen aus deinem engen Loch, dann wirst du die Größe Gottes erkennen!", ermunterte ihn der Frosch, der schon viel von der Welt gesehen hatte. Aber der Frosch im Brunnen wollte nicht. Er meinte, er kenne schon alles. Und so blieb seine Welt nur so klein wie sein Brunnenschacht groß war. Heinz Gerlach: Salz zum Würzen 1983