DER HAHN AUF DEM KIRCHTURM ERZÄHLT "Kikeriki" so krähe ich, der Hahn. Meine Artgenossen sind auf dem Hühnerhof zu Hause. Da geht es oft zu wie bei euch zu Hause. Ein Hahn muss sein Image pflegen. Es ist ja nicht leicht, Hahn - Im - Korb zu sein und zu bleiben. Lauter Hennen sind um mich. Einem Hahn macht es Spaß zu kämpfen. Immerhin war der Hahn früher der Begleiter des Kriegsgottes Mars. Ein Hahn kann sehr zornig werden, streitsüchtig und angriffslustig sein. Die Bauern wissen, was sie an ihrem Hahn haben. Beim ersten Tageslicht wacht er auf und verkündet mit seinem Hahnenschrei den neuen Tag. Er weckt alle und erspare ihnen auf diese Weise einen Wecker. Zusammen mit Petrus wurden wir Hähne deshalb zum Schutzpatron der Uhrmacher gekürt. Ein Hahn weckt nicht nur andere auf. Er ist selbst aufgeweckt, wachsam und aufmerksam. So wurde der Hahn zum Symbol für die Pfarrer und ihre Predigt. Sie. die Pfarrer. sollten ja eigentlich aufgeweckt sein und andere aufwecken, erwecklich im guten Sinn des Wortes. So hat uns Hähnen einer der Kirchenväter die Ehre gegeben, indem er sagte: "Die Nacht ist die Welt. Der helle Tag ist das Reich Gottes. Der Pfarrer hat die gleiche Aufgabe wie der Hahn: Die Schlafenden. die dem Werk der Finsternis preisgegeben sind, zu wecken und dazu zu bringen, dass sie im Lichte Gottes leben." Seit 1000 Jahren schon schmücken wir die Kirchtürme, zuerst in Italien, dann in England und schließlich auch in Deutschland. Wie aufgespießt wirken wir. Eine alte Legende erzählt, Petrus habe uns, obwohl ihm doch schon längst verziehen war, wegen des Krähens in jener Nacht nie mehr leiden können. Deshalb habe er alle Hähne, deren er habhaft werden konnte, gepackt, aufgespießt und hoch zur Schau gestellt. So aufbrausend, wie der Mann zweifellos war - das traue ich ihm doch nicht zu. Hoch droben zeige ich an, woher der Wind weht. Obwohl ich mich sozusagen berufsmäßig nach dem Wind drehen muss, lasse ich den Vorwurf nicht auf mir sitzen, dass ich wetterwendisch sei. Wachsam, wie ich bin. möchte ich vor allem zeigen, woher der Wind Gottes weht, der alles neu und anders macht. Mein Platz auf dem Turm ist gleichsam zwischen Himmel und Erde. Ich bleibe der Erde treu. Aber ich weise auch nach oben, mahnend, immer wieder Zeit und Gedanken der Ewigkeit zu widmen. Als der Apostel Petrus seine schwächste Stunde hatte. hatte ich meinen stärksten Auftritt. Damit habe ich Geschichte gemacht. Ich habe Petrus, den Felsen, zum Weinen gebracht. Das war für ihn bitter. Aber wie manche Tränen, so waren auch diese heilsam. Lk 22,54-62: Die Verleugnung des Petrus Sie ergriffen Jesus aber und führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie. Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm. Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht. Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht. Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist ein Galiläer. Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn. Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. Wo ich, der Hahn zu sehen und zu hören bin, möchte ich krähen: Denkt an den Petrus, macht's nicht so wie er. Seid vielmehr wachsam wie ich, der Hahn. Aus der Hühnersprache für Sie ins Deutsche übersetzt von ihrem Pfarrer