Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis - 4.8.2013

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Textlesung: Jh. 4, 19 - 26

Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.

Liebe Gemeinde!

Vielleicht hätten wir uns in dieser Sommerzeit ja einen etwas weniger gewichtigen Predigttext gewünscht? In diesem Zwiegespräch Jesu mit einer Frau aus Samaria hören wir aber einige Worte, die sehr groß und sehr bedeutend sind: "Das Heil kommt von den Juden!" - "Gott ist Geist." - "Die Gott anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." Schließlich gipfelt Jesu Rede darin, dass er sich den Messias, den Christus nennt: "Ich bin's, der mit dir redet."

Wie werden wir diesen bedeutenden Worten gerecht? Und können sie uns Christinnen und Christen heute etwas geben, was wir aus diesem Gottesdienst mit in unseren Alltag nehmen wollen? Gehen wir den gewichtigen Worten doch einmal entlang:

"Das Heil kommt von den Juden!" - Die samaritanische Frau hat das sicher nicht so gern gehört. Immerhin sagt Jesus ihr damit, dass die Samaritaner, eine religiöse Minderheit in Israel mit dem Berg Garizim als ihrem Heiligtum, nicht für sich beanspruchen können, die "richtige" Religion zu vertreten. Für uns Christen heute ist das wohl kein Problem...oder doch? Liegt das Problem damit vielleicht darin, dass uns das heute oft gar nicht mehr so bewusst ist, dass Jesus Jude war und dass unser christlicher Glaube sozusagen auf dem Stamm der jüdischen Religion gewachsen ist? Aber, die Frage darf man schon stellen: Wäre das so schlimm, wenn wir unsere jüdischen Wurzeln irgendwann ganz vergessen hätten?

Es wäre so, wie wenn ein Mensch das, was er mit seinen Eltern und Großeltern erlebt hat, aus seinem Gedächtnis streichen wollte. Wir würden einen Teil von uns selbst verlieren, Erfahrungen und Erlebnisse, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.
Viele Geschichten der Bibel, besonders die, die Jesus erzählt hat, würden wir dann nicht mehr verstehen können. Denn immer wieder, wenn wir sein: "Ich aber sage euch" hören, bezieht er sich auf jüdische Vorstellungen, jüdische Bräuche oder die Gesetze Gottes, wie sie die Juden ausgelegt haben, um dem Überkommenen eine neue Sicht hinzuzufügen, es anders zu deuten und oft zu radikalisieren.

Das wichtigste aber, dessen wir verlustig gehen würden, wäre der Kern unseres Christenglaubens, denn der wird nur deutlich, wenn wir ihn vor dem Hintergrund des Glaubens der Juden sehen. Und hier ist der entscheidende Unterschied der, dass wir Jesus den Messias, den Christus nennen, während die Juden bis heute auf diesen Gesandten Gottes warten.

"Das Heil kommt von den Juden!" Wenn wir diesen gewichtigen Satz einmal als Frage verstehen, werden wir sagen müssen: Ja, das Heil kommt von den Juden! Als Christen aber dürfen wir hinzufügen: Der Jude Jesus von Nazareth, den wir als den Gesalbten Gottes, den Christus bekennen, hat uns und allen Menschen, die an ihn glauben, das Heil gebracht.

"Gott ist Geist." So heißt es weiter in diesem Gespräch Jesu mit der samaritanischen Frau. Nur drei kleine Wörter, aber es liegt doch sehr viel darin, was den Gott der Juden, der auch unser Gott ist, näher beschreibt: Da ist zunächst einmal das hebräische Wort, das in unserer Sprache mit Geist übersetzt wird: Es bedeutet ursprünglich "Wind / Hauch" und es sagt schon einmal, dass Gottes Geist nichts Starres, Unbewegliches ist, sondern immer in Bewegung, schöpferisch und so, dass es auch bei uns Menschen Veränderung und Wandel anstoßen will. Aber genauso wie der Geist heute schafft und treibt hat er schon bei der Erschaffung der Welt allen Dingen und Kreaturen den immer wieder neuen lebendigen Wandel als Lebensprinzip eingegeben. Wirkt der Geist Gottes in der Schöpfung eher allgemein, zu allen Zeiten und an allen Orten, so kann er aber auch sehr persönlich sein, einen einzelnen Menschen ansprechen, ihn berufen oder ihm besondere Kräfte verleihen. So war es bei den Propheten und ganz besonders bei unserem Heiland Jesus Christus.

Aber wenn wir sagen "Gott ist Geist", dann macht das auch deutlich, was Gott nicht ist und darum geht es im Gespräch Jesu mit der Samaritanerin besonders: Er ist kein Gott, der an einer bestimmten Kultstätte wohnt, also etwa auf dem heiligen Berg der Samaritaner, dem Garizim. Er hat keine materiellen Eigenschaften, die ihn ausmachen, keine Bindungen an Dinge oder Orte. Darum kann Gott überall angebetet werden. Er braucht kein Zelt der Begegnung, keine Tempel, keine Kirchen... Gott ist Geist, überall zugegen, überall mächtig, ansprechbar und unseren Gebeten zugänglich. Wie gut ist das doch zu wissen! - Aber trotzdem bleibt es schön und gut und erhebt unsere Seele, Gott gemeinsam im Gottesdienst zu feiern und uns von ihm Weisung für unser Leben geben zu lassen, ihn zu loben und zu preisen, wie wir das heute und an jedem Sonntag hier in der Kirche tun!

Und da sind wir beim dritten dieser bedeutenden Worte, die Jesus der samaritanischen Frau damals gesagt hat und die auch wir uns zu Herzen nehmen wollen: "Die Gott anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten." Weil Gott selbst Geist ist und keine feste Wohnung hat und sich nicht in der Welt, nicht sichtbar, materiell offenbart, deshalb haben auch die Welt, die sichtbaren Dinge, alles Materielle nichts in unserer Gottesbeziehung verloren. Gott ist nicht durch irgendetwas zu beeindrucken, was in die dingliche Welt gehört: Dass wir etwa versuchen uns durch Werke, Taten, die wir tun, vor ihm Verdienste zu sammeln, nimmt ihn nicht für uns ein. Dass wir auch nur denken, irgendetwas Gutes, das wir tun, könnte uns seine Liebe gewinnen, zeigt unser falsches Bild von Gott. Gott ist Geist und unser Gebet ist ein Gespräch mit ihm auf geistiger Ebene. Da kann es nicht darum gehen, auf unser Mühen oder unsere Leistung zu verweisen. Dort haben wir Gott nichts anzubieten, was wir für ihn oder unsere Nächsten getan haben. Dort kommt er uns mit seinem Zuspruch immer entgegen: Du bist mein geliebtes Kind. Du bist um meines Sohnes Jesu Christi willen Erbe und Bürger in meinem ewigen Reich. - Was Gott uns schenkt und zuspricht, dafür können wir ihm nur danken.

"Die Gott anbeten, müssen ihn im Geist und...in der Wahrheit anbeten." Was meint diese "Wahrheit"? Wir Christinnen und Christen kennen nur eine Wahrheit, nur einen, der die Wahrheit ist: Jesus Christus. Wenn wir uns im Geist, im Gebet an Gott wenden, dann ist diese Wahrheit immer im Hintergrund: Jesus Christus ist das Maß unseres Glaubens. Unser Gebet, unsere ganze Beziehung zu Gott ruht auf unserem Wissen, dass Jesus Christus in die Welt gekommen ist, um uns mit Gott zu versöhnen, dass er in dieser Welt gelebt und gewirkt hat, um uns ein Vorbild dafür zu geben, wie Menschen, die seinen Namen tragen, leben sollen, denken, reden und handeln und dass er in dieser Welt gestorben ist, für uns, um ein für alle Mal Sünde und Schuld wegzunehmen, die uns von Gott trennen. Daneben gibt es für uns keine andere Wahrheit.

Wie um die anderen drei gewichtigen Worte zu krönen, bestätigt Jesus am Ende des Gesprächs mit der Samaritanerin noch, was sie sich inzwischen wohl auch gedacht hat. So hatte sie gesprochen: "Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen." Und wie später in der Nacht des Verrats, als der Hohepriester ihn fragt: "Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten?" (Mk.14,61), antwortet Jesus eben nicht mit: Ich bin der Christus", sondern sagt nur: "Ich bin's, der mit dir redet." Ich denke, das müssen wir beachten! Denn es ist immer eine Aussage, die der Glaube macht, wenn wir ihn "Christus" nennen. Für die Menschen, die ihn nicht als ihren Herrn bekennen, ist er nur "Jesus von Nazareth". Sie sprechen von ihm, wenn sie es überhaupt tun, als von einem Menschen, der irgendwann einmal in der Geschichte der Menschheit ein paar kurze Jahre gelebt hat, auf den das System unserer Zeitrechnung (vor oder nach Christi Geburt) zurückgeht, zu dessen Anhängern über zwei Milliarden Menschen gehören, der ansonsten aber für ihr persönliches Leben ohne Bedeutung ist. Wir aber glauben an ihn, wir vertrauen ihm, er ist für uns der Sohn Gottes, des Herrn des Himmels und der Erde, der Heiland, an dessen Sterben für uns sich unser Heil in dieser und dem ewigen Welt entscheidet.

Wahrhaftig: Es sind vier sehr gewichtige, bedeutende Worte Jesu, die wir im Gespräch mit der Samaritanerin hören. Ich wünsche uns, dass sie uns zu dem Bekenntnis führen, dass wir es bei Jesus mit dem Messias, dem Christus, dem Sohn des Hochgelobten zu tun haben. AMEN