Predigt zum 6. Sonntag nach Trinitatis - 7.7.2013

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Textlesung: Jes. 43, 1 - 7

Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der Herr, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben, Kusch und Seba an deiner Statt, weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe. Ich gebe Menschen an deiner Statt und Völker für dein Leben. So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln, ich will sagen zum Norden: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde, alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe.

Liebe Gemeinde!

Von der Heimkehr Israels nach der Babylonischen Verbannung ist hier die Rede. Sie steht unmittelbar bevor. Die Strafe ist verbüßt. Gott hat seinem Volk verziehen. Er wird die Heimkehrer auf dem Weg nach Hause begleiten. Sie müssen nichts befürchten, was auch immer geschieht: Wenn sie durch Bäche und Flüsse schreiten, werden sie behütet sein. Wenn Feuer sie aufhalten will, dann werden sie nicht brennen. Nichts und niemand kann verhindern, dass sie die Heimat, den Zion wiedersehen. Gottes Liebe zu seinem Volk ist ungebrochen. Seine Zusage gilt: So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir.

Ich kann nun zwar nicht Gedanken lesen, aber heute fällt es mir nicht schwer zu deuten, was in Ihren Gesichtern geschrieben steht: Was wir da heute hören ist ja sicher ganz wunderbar für Israel gewesen. Gott hat den Menschen, die so lange in der Gefangenschaft waren, vergeben. Sie dürfen nach Hause zurückkehren. Er schenkt ihnen einen neuen Anfang miteinander und mit ihm, ihrem Gott. Wirklich schön, was den Israeliten da wiederfährt... Aber was hat das mit uns zu tun, über 2.500 Jahre später, in einem völlig anderen Land, einer völlig anderen Zeit und eben nicht für die Juden aus dem Volk Israel, sondern für uns Christinnen und Christen in Deutschland, in dieser Kirchengemeinde? Sind wir denn überhaupt gemeint?

Ich will das ganz offen bekennen: Ich habe mich das auch gefragt. Und es hat einiges Nachdenken gekostet, bis ich die Antwort auf die Frage gefunden habe. Aber ich denke, ich habe sie gefunden und sie mir nicht nur aus den Fingern gesogen, weil man doch als Prediger des Evangeliums nicht ohne Antwort dastehen will. Wir wollen uns der Antwort auf die Frage, was die alte Geschichte mit uns zu tun hat, in einigen Schritten nacheinander nähern:

Zuerst einmal gilt, der Gott Israels ist auch unser Gott, denn er ist der Vater Jesu Christi und der ist unser Bruder. Also erfahren wir hier etwas über das Wesen unseres Gottes. Eine babylonische Gefangenschaft meinen wir allerdings nicht erlebt zu haben - oder vielleicht doch? Wenn wir dafür einmal eine längere oder gar lange Zeit unseres Lebens einsetzen, in der wir Gott nicht so nah waren, in der es uns schwer gefallen ist, an ihn zu glauben und die Hoffnung auf ihn nicht aufzugeben: In den Wochen schwerer Krankheit, in den Monaten nach dem Abschied von einem lieben oder gar dem liebsten Menschen, den wir hatten, in den dunklen Tagen, nachdem sich unsere Lebenspläne und -träume endgültig zerschlagen haben... Kennen wir das nicht auch? Waren wir in solchen Zeiten unseres Lebens nicht auch wie gefangen in Babylon, dort wo wir fremd waren und wo wir fast verzweifelt wären. Irgendwann aber, vielleicht nach Monaten oder gar Jahren hat uns auf irgendeine Weise das Wort Gottes wieder erreicht. Und es war voller Trost. Es hat davon gesprochen, dass unsere Gefangenschaft zu Ende sein soll und wir wieder in die Heimat zurückkehren dürfen, dorthin, wo die Menschen sind, die den gleichen Glauben haben, die demselben Gott vertrauen und sich mit Jesus Christus zu demselben Herrn bekennen.

Gewiss haben wir diesen Neuanfang als ganz wunderbar empfunden. Vielleicht sind wir auch endlich das Gefühl losgeworden, dass es unsere Schuld war, wenn wir so lange gefangen in "Babylon" gewesen sind. Gott hatte uns vergeben. Das allein war wichtig. Und er hat uns wieder die Hand gereicht und uns in die neue Zeit begleitet. Was uns auch begegnet ist, Feuer oder Wasser, Zweifel, Versuchungen, Angst und Schwierigkeiten konnten uns nichts anhaben. Mit Gottes Hilfe konnten wir alles bestehen. Und wir sind in die Heimat zurückgekehrt, zu unserem Glauben, in unsere Gemeinde, unsere Kirche.

Und heute fällt es uns sicher gar nicht schwer, die Botschaft an Israel damals mit unseren Ohren auch als Worte an uns zu hören: Und nun spricht der Herr, der dich geschaffen hat, und dich gemacht hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! - Wie von selbst gehen unsere Gedanken jetzt zu unserer Taufe, bei der uns Gott den Namen gegeben hat, mit dem er uns zu einem Leben an seiner Hand und unter seinem Segen ruft und uns sein Kind und Eigentum nennt. Und auch diese Worte können wir leicht verstehen und wir werden nicht zweifeln, dass sie wie schon an die Menschen des Volkes Israel auch an uns gerichtet sind und sie wie uns meinen und uns mit allen, die zu diesem Gott gehören, in den Stand der Kinder und Erben versetzen. So spricht Gott zu jeder und jedem von uns: Ich bin der Herr, dein Gott, dein Heiland. Aber damals wie heute, nicht um unserer Verdienste willen, sondern weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe. Weil Gott uns liebhat. Das ist alles, möchte man sagen. Das ist das ganze Evangelium, die ganze frohe Botschaft, damals wie heute. Diese Liebe Gottes ist sein freiwilliges Geschenk. Wir können sie nicht hervorrufen oder gar herbeizwingen. Es gibt nichts, was wir tun können, dass wir sie empfangen. Keine noch so genaue Erfüllung der göttlichen Gesetze und Gebote, wird mir die Liebe Gottes sichern. Keine religiösen oder sonstigen Verdienste. Gottes Liebe ist immer zuerst da. Wir können sie nur staunend annehmen - und hoffentlich dankbar.

Es tut jetzt vielleicht ein wenig weh, wenn ich Sie bitte, sich zu erinnern, wie das denn gewesen ist, als Sie in den Zeiten Ihres Lebens waren, die ich vorhin Ihre "babylonische Gefangenschaft" genannt habe, die Zeiten, in denen sie Gott nicht so nah waren oder ihn gar ganz verloren hatten:

Die Wochen schwerer Krankheit, die Monate nach dem Abschied von einem lieben Menschen, die dunklen Tage, nachdem die Lebensträume zerplatzt waren... Haben Sie nicht gefragt, warum muss ich so krank sein, warum jetzt und warum gerade ich - was habe ich denn Böses getan? Und als der liebe Mensch gestorben war, gingen Ihnen da nicht ähnliche Gedanken durch den Kopf: Warum so früh? Warum nimmt mir Gott diesen Menschen, den ich doch noch so gebraucht hätte? Womit habe ich das verdient? Welche Schuld habe ich denn auf mich geladen, dass Gott mich so straft? Und auch bei den zerplatzten Lebensträumen war es so: Wäre ich nicht einmal dran gewesen? Ein bisschen Lebensglück und dass sich ein paar Wünsche erfüllen. Warum habe ich denn immer nur Pech? Sieht Gott denn nicht, dass ich mich um ein Leben in seinem Sinn bemühe?

Hören wir es noch einmal: Ich bin der Herr, dein Gott, dein Heiland. Aber damals wie heute, nicht um deiner Verdienste willen, sondern weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe. Dass Gott uns liebt, hat nichts zu tun damit, ob wir uns bemühen, ob wir Gutes tun oder auch einmal Böses und schon gar nichts damit, dass wir es verdient hätten oder es uns doch schließlich auch zusteht, wie wir es gern ausdrücken. Gott hat uns lieb. Das ist das erste und es bleibt immer das erste und es ist damit etwas, worauf wir uns verlassen können. Und das ganz gleich, wie wir uns verhalten, was wir an Schuld auf uns laden oder was wir an vermeintlich verdienstlichen Taten vollbringen. Auch was uns in unserem Leben widerfährt, Schönes oder Schweres, Glück oder Leid, Erfolg oder Versagen hat nichts damit zu tun, dass Gott uns vielleicht nicht liebt. Gott liebt uns, das ist sicher. Darum können wir auch mit seiner Kraft alles bestehen, was uns geschieht. Durch dieselbe Kraft wird es uns auch gelingen, in den dunklen, schweren und leidvollen Zeiten unseres Lebens an seiner Hand zu bleiben. - - -

Liebe Gemeinde, ich denke, die Frage, was die Worte Gottes, die er vor 2500 Jahren zu Israel gesprochen hat, mit uns zu tun haben, ist beantwortet. Schenke uns Gott, dass wir sie uns zu Eigen machen und dass es uns gelingt, immer mehr zu dem zu werden, was am Schluss der Jesajaverse steht, die wir heute betrachtet haben: Töchter und Söhne Gottes, von ihm ...zu seiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht. Amen