Predigt zum Sonntag "Kantate" - 28.4.2013

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Textlesung: Jes. 12, 1 - 6

Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen. Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!

Liebe Gemeinde!

Beim Namen dieses Sonntags fühlt man sich als Prediger(in) ja schon fast verpflichtet, etwas über das Singen zu sagen, denn "Kantate" heißt ja "Singet"! Und dann sucht man in diesen Jesajaversen, wo etwas über das Singen gesagt ist und man wird auch fündig - und das mindestens dreimal!

Einmal ist der ganze Text im Stil der Psalmen geschrieben - und die wurden ja meist gesungen, wie wir von den Psalmen Davids wissen, über denen ja oft geschrieben steht: "...vorzusingen beim Saitenspiel" (Ps.4), "...zum Flötenspiel" (Ps.5) oder "...zum Reigentanz" (Ps.53). Und dann heißt es am Ende dieses Psalms ausdrücklich: "Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen." Schließlich lesen wir im allerletzten Satz noch die Worte: "Jauchze und rühme, du Tochter Zion...!" und sowohl Jauchzen als auch Rühmen haben die Menschen damals wie heute immer gern mit Gesang getan!

Also: Das ist schon einmal gegeben in diesen Jesajaversen: Sie haben mit dem Singen zu tun und passen darum zu diesem Sonntag "Kantate". Umso merkwürdiger ist, wie diese Verse beginnen - nämlich weder fröhlich noch jauchzend, sodass man mitsingen möchte: "Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest." Was hat denn Gottes Zorn in einem Loblied verloren? Und kann man wirklich dafür danken, dass Gott zornig gewesen ist?

Mir fielen dazu einige biblische Geschichten ein, zum Beispiel die vom Sündenfall. Adam und Eva im Paradies tun ja ausgerechnet das, was sie als einziges nicht tun sollten: Sie essen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Und Gott, als er am Abend durch den Paradiesgarten geht, ist wirklich zornig über die Menschen und bestraft sie hart:"Und Gott trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert..." (Gen.3,24)

Und die Geschichte aus dem Neuen Testament "Vom großen Abendmahl" fällt mir ein, in der von Gott als einem Hausherrn erzählt wird, der schon seit längerer Zeit einige gut betuchte, vornehme Leute zu einem Festessen eingeladen hat. Am Tag des Mahls aber sagen sie alle mit fadenscheinigen Gründen ab. Es heißt dann in der Geschichte: "Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein." (Lk.14,21)

Einmal ist sogar Jesus, der sanftmütige Heiland zornig geworden. Sie wissen sicher, was ich meine! So hört es sich an, wenn ihn der Zorn übermannt: "Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler." (Mt.21,12)

Liebe Gemeinde, alle drei Geschichten zeigen, dass Gott und sein Sohn Jesus Christus durchaus auch zornig sein können. Haben wir nun aber auch Grund, dafür dankbar zu sein, wie es bei Jesaja heißt? Und hat sich der Zorn auch wirklich gewendet, sodass etwas Dankenswertes und Tröstliches herauskam? - Ich glaube schon! Stellen Sie sich doch nur vor, Gott wäre im Paradies bei seinem Zorn geblieben, hätte er die Menschen denn am Leben gelassen? Sicher nicht. Und ist nicht auch gut und tröstlich, was nach dem Sündenfall passiert? Die Menschen müssen zwar hinaus aus dem Garten Eden, aber der Segen Gottes liegt weiter auf ihnen und er reicht bis zu uns heute. Und selbst das Ewige Leben, das den Menschen damals verloren war, hat uns Jesus Christus wieder verdient.

Wäre der Hausherr im Großen Abendmahl nur zornig und verärgert gewesen und geblieben und hätte er sich nicht den Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen zugewandt, wir hätten nicht von Gottes großer Liebe zu den einfachen Leuten, den Schwachen und denen am Rande der Gesellschaft erfahren - und das ist immerhin ein Kernstück der Botschaft, die unser Herr uns gebracht hat und ein Stück aus der Mitte unseres Glaubens. Und ich vermute, die Geschichte wäre nie erzählt worden. So aber hören wir in dieser Geschichte, wie Gott es wirklich mit uns meint: Wir müssen nicht mehr denken, wir wären für Gott nicht wichtig, wir wären nicht gemeint, wenn er die Menschen zu sich ruft und müssten hinter den Reichen, den Mächtigen und Vornehmen zurückstehen. Nein, wir, die Menschen, die nichts besonderes geleistet haben, die nicht im Rampenlicht stehen, die weder Macht noch Ansehen haben, wir sind Gott besonders lieb. Uns ruft er zu seinem Fest. Mit uns will er das Leben feiern - und das ewig! Wenn das nicht tröstlich ist!

Und der Zorn Jesu bei der Tempelreinigung, der sich gegen eine Verehrung Gottes durch Geld- und Tieropfer wendet, zeigt uns, dass unser himmlischer Vater ein für alle Mal keine Opfer von uns haben will und wir keine Verdienste vor ihm sammeln können. Der hier zornig wird über das Geschachere im Tempel, der sich hier erregt über die bloß noch materielle Einstellung der Menschen, die in einem "Bethaus" für Gottes Erbarmen und seine Gerechtigkeit mit Geld und Opfern bezahlen wollen, der wird bald sich selbst als einziges gültiges Opfer hingeben - für die Welt und für alle Menschen. Dass er das tun wird, ist unser einziger Trost im Leben und im Sterben. So gesehen können wir vielleicht doch mitsingen, wenn bei Jesaja dieses Lied angestimmt wird: "Ich danke dir, HERR, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest."

Aber ich bin ganz sicher, dass wir auch in unserem Leben schon Erfahrungen mit dem Zorn Gottes gemacht haben. Und Gott sei Dank auch damit, dass sich Gottes Zorn gewendet hat und er uns wieder getröstet hat. Das sind meist sehr persönliche Erfahrungen, die unsere Mitmenschen vielleicht gar nicht so sehen und deuten würden wir wir. Darum ist es auch ein wenig heikel, davon zu sprechen und ich will jetzt nicht so sehr in die Tiefe gehen und diese sensiblen Dinge nicht mit zu groben Händen berühren:

Aber es gibt sicher Menschen unter uns, die schon einmal ein Ereignis in ihrem Leben als Strafe Gottes verstanden haben. Sie haben gedacht, wegen diesem oder jenem, was bei mir nicht so war, wie es sein soll, ist Gott zornig und hat mir jetzt darum die Krankheit oder das Unglück, den Kummer, die sorgenvollen Tage, die Not oder die Enttäuschung geschickt. Vielleicht haben wir sogar einem Mitmenschen, vielleicht unserem Ehepartner oder einem anderen Familienangehörigen davon gesprochen. Kann sein, man hat uns gesagt, dass Gott nicht so wäre: Er straft uns doch nicht. Er erreicht seine Ziele mit uns auf ganz andere Weise - und immer mit seiner Liebe! Trotzdem. Das konnte uns nicht überzeugen, denn wie gesagt, das sind sehr persönliche Erfahrungen und es sind eben auch unsere ganz eigenen Deutungen, die wir allem geben, was wir erleben müssen und was uns geschickt wird. - Aber es ist eben nicht bei dem geblieben, was für uns aus dem Zorn Gottes über uns gekommen war. Es kam der Tag, an dem sich unser Schicksal gewendet hat und - wie wir meinten - auch Gottes Zorn. Und - da bin ich jetzt ganz sicher - das war auch so! Deshalb haben wir uns dann auch wieder getröstet gefühlt und wussten, dass Gott uns lieb hat!

Mit solchen Erfahrungen, die wir gemacht haben, war uns dann sicher oft auch danach, Gott zu loben, ihn zu preisen und ihm zu singen. Vielleicht nicht mit solchen Worten, aber ich finde, sie drücken auch unserer Gefühle gut aus: "Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil."

Und noch etwas kommt von solchen Erfahrungen her und das hat hier auch wunderbare Worte gefunden: "Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündiget, wie sein Name so hoch ist! Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen!"

Liebe Gemeinde, vielleicht haben Sie jetzt auch Lust bekommen, jetzt, am Sonntag Kantate, in den Lobgesang für Gott einzustimmen und es morgen auch im täglichen Leben anderen kund zu machen, wie freundlich er ist und dass seine Liebe immer wieder über seinen Zorn siegt und er sich uns um Jesu Christi willen, trotz aller Schuld, die wir auf uns laden, immer wieder gnädig zuwendet und uns einen neuen Anfang schenkt.

Wir wollen als diesen Lobgesang jetzt das Lied "Nun lob mein Seel den Herren" anstimmen (EG 289, 1-3, 5). AMEN