Predigt zum Sonntag "Reminiszere" - 24.2.2013

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Textlesung: Jh. 8, 21 - 30

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: "Ich werde fortgehen, dann werdet ihr vergeblich nach mir suchen und in eurem Unglauben zugrunde gehen. Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen."
Die Leute meinten: "Wenn er sagt: 'Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen' - heißt das, dass er Selbstmord begehen will?"

Jesus antwortete: "Ihr seid von hier unten, aber ich komme von oben. Ihr gehört zu dieser Welt, aber ich bin nicht von dieser Welt.

Ich habe es euch ja gesagt, dass ihr in eurem Unglauben zugrunde gehen werdet. Ich bin der, an dem sich alles entscheidet. Wenn ihr das nicht glauben wollt, werdet ihr in eurem Unglauben zugrunde gehen."
"Du? Wer bist du denn?", fragten sie ihn.

Jesus antwortete: "Was rede ich überhaupt noch zu euch? Ich hätte zwar vieles über euch zu sagen und allen Grund, euch zu verurteilen; aber der, der mich gesandt hat, steht zu seinen Zusagen; und ich sage der Welt nur das, was ich bei ihm gehört habe."

Sie verstanden nicht, dass Jesus vom Vater sprach.

Deshalb sagte er zu ihnen: "Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr es begreifen: Ich bin der, an dem sich alles entscheidet. Dann werdet ihr auch erkennen, dass ich nichts von mir aus tue, sondern nur das sage, was der Vater mich gelehrt hat. Er, der mich gesandt hat, steht mir zur Seite und lässt mich nicht allein; denn ich tue stets, was ihm gefällt."

Liebe Gemeinde!

Manches an diesem Zwiegespräch zwischen einigen Juden - hier einfach "Leute" genannt - und Jesus ist nicht leicht zu verstehen und bleibt dunkel. Darum habe ich heute einmal die Übersetzung der "Guten Nachricht" gewählt. Deren Sprache ist verständlicher als die der Lutherbibel, die ich sonst meist benutze.

Aber es ist nicht nur die Sprache, die Schwierigkeiten macht. Auch was Jesus hier sagt, spricht nicht so wie sonst mit uns und gibt nicht nur den Juden damals Rätsel auf.

Aber wir wollen nicht über die Rätsel nachdenken, sondern uns an das halten, was klar ist, was wir verstehen und was uns etwas sagen kann. Drei Sätze Jesu aus diesem Gespräch finde ich für uns Christinnen und Christen heute besonders wichtig. Das ist der erste dieser Sätze:

"Ich werde fortgehen, dann werdet ihr vergeblich nach mir suchen und in eurem Unglauben zugrunde gehen." Die Juden haben das als Ankündigung des Selbsmords Jesu verstanden. Ein Gedanken, der uns wahrscheinlich nie gekommen wäre. Aber wir wollten fragen, was uns das sagt und da gibt es keinen Zweifel: Jesus meint mit "Fortgehen" seinen Weg ans Kreuz. Er weiß also ganz offenbar, dass er sterben wird. Und wenn er gestorben ist, wird es für die Juden, die nicht an ihn glaubten, also ihn nicht gefunden haben, als er unter ihnen war, schon gar nicht möglich sein, ihn zu finden. Und noch etwas spricht er ganz deutlich aus: Dieser Unglaube lässt zugrunde gehen und führt nicht ins Leben.

Was das uns Christen heute sagt, ist aber noch mehr: Das "Fortgehen", das Jesus hier ankündigt, ist unendlich wichtig. Es muss sein, um die Welt und die Menschen zu retten. Es ist wie die Mitte der Botschaft, die Gott uns mit Jesus Christus ausrichtet, der Dreh- und Angelpunkt seines kurzen Lebens in dieser Welt. Für dieses "Fortgehen" in das Leiden und Sterben am Kreuz ist er in die Welt gekommen! An diesem Leiden und Sterben und ob wir es im Glauben als für uns persönlich geschehen erkennen, ist alles gelegen. Deshalb auch sagt Jesus es gleich zweimal:

"Ich bin der, an dem sich alles entscheidet." Und das eben ist der zweite Satz, den ich an diesem Gespräch mit den Juden besonders wichtig finde. Da fallen uns jetzt ganz gewiss einige Verse aus den Evangelien und aus anderen neutestamentlichen Büchern ein, die Jesus als Gottes Sohn bestätigen, an dem sich für uns alles, Leben oder Tod, entscheidet, zum Beispiel dieser: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Jh.14,6) Oder dieser aus der Geschichte von der Himmelfahrt unseres Herrn: "Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: 'Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!'" (Mt.17,5b) Und noch dieser: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit." (Hebr.13,8) *

Es ist eine klare Sache, ohne wenn und aber: Jesus Christus ist uns von Gott gesandt als der Retter und Heiland. Und nicht nur, weil er sein kurzes Leben in dieser Welt so gelebt hat, wie es Gott gefiel. Nicht nur, weil er Menschen damals gesund gemacht hat an ihrem Leib und heil an ihrer Seele. Nicht nur, weil sie durch seine Predigt froh geworden sind und weil er ihnen durch die Vergebung der Sünden eine neues Leben in Gerechtigkeit vor Gott geschenkt hat. Nein, durch sein Leiden und Sterben für sie, für uns und alle Menschen am Kreuz von Golgatha! Damit hat er uns mit Gott versöhnt, uns ihm recht und lieb gemacht und uns das ewige Leben verdient - wenn wir an ihn glauben. Ja, ein für alle Mal: Alles ist an diesem Glauben gelegen! Mit diesem Glauben geben wir Jesus Christus Recht, wenn er sagt: "Ich bin der, an dem sich alles entscheidet."

Hier ist der dritte Satz aus dem Gespräch Jesu mit den Juden, der mir besonders wichtig scheint: "Ihr gehört zu dieser Welt, aber ich bin nicht von dieser Welt." - Wie von selbst fragen wir uns da doch, in welche dieser beiden Welten wir gehören? Wohlgemerkt: Es heißt nicht: Ihr seid in dieser Welt. Denn so viel ist ja klar: Wir leben in dieser Welt zwischen Geburt und Tod, zwischen Liebe und Hass, zwischen guten und bösen Menschen, zwischen guten und schlechten Taten, zwischen Gewalt und Frieden, Sünde und Gerechtigkeit, Glauben und Versuchung... Wozu aber gehören wir?, das ist die alles entscheidende Frage! An der Tatsache, dass wir in den Gegensätzen und Zusammenhängen dieser Welt sind und leben, können wir nichts ändern. Wohl aber daran, wozu wir gehören, woran wir uns halten, womit wir uns in unserer Lebenszeit beschäftigen und worum wir uns nicht scheren und nicht kümmern.

Es klingt seltsam und paradox, wenn ich sage: Wir können in dieser Welt sein und doch in eine andere Welt gehören, die Welt, von der Jesus spricht. Vielleicht wird es am besten deutlich, wie das gemeint ist, wenn ich sage: Es kommt darauf an, woran unser Herz hängt. Aber die Frage, die uns damit gestellt ist, ist sehr persönlich, jeder kann sie nur für sich selbst beantworten. Ein paar Zeichen dafür, dass wir vielleicht zu sehr an dieser Welt hängen, will ich nennen:

Wenn für uns das Sterben nur Schrecken hat und wir gar nicht mehr zu dem Gedanken vordringen, dass danach doch das Leben kommt, das eigentliche, das herrliche Leben in der Ewigkeit Gottes.

Wenn wir voller Angst sind, wir könnten in dieser Welt etwas versäumen, unsere Karriere könnte einen Knick bekommen und unsere Pläne sich als nicht durchführbar erweisen. Menschen, die nach drüben schauen, dorthin, wo uns die Antwort auf alle Fragen und die Erfüllung all unserer Sehnsucht versprochen ist, haben keine solche Angst.

Wenn wir Dinge und Aufgaben nicht auch liegen lassen können, wenn wir sie nicht zu Ende zu bringen vermögen, wenn uns alles Unvollkommene und Fehlerhafte in dieser Welt beunruhigt und Sorgen macht und wir es kaum ertragen können, unfertige Arbeit auch einmal aus der Hand zu legen. Dann ist in uns die Hoffnung gestorben, dass alles einmal in Gottes neuer Welt vollendet werden und an sein Ziel kommen soll.

Aber es gibt auch Zeichen, die darauf hindeuten, dass wir in unseren Gedanken und Träumen, aber auch in unserem Denken, Reden und Tun schon aus dem Glauben an die Welt leben, aus der Jesus Christus kam und in die er nach seiner Auferstehung zurückgekehrt ist. Das sind solche Zeichen:

Wenn uns die Liebe zu unseren Nächsten beseelt, auch wenn sie das nach weltlichem und menschlichem Ermessen gar nicht verdient haben.

Wenn wir uns trotz aller Sehnsucht nach Gottes neuer Welt doch auch hier geborgen fühlen, weil wir wissen, dass auch hier nur geschieht, was er zulässt und was uns in einem letzten Sinn dient.

Wenn wir gelassen sein können bei allem, was wir hier erleben und erleiden müssen, weil es doch früher oder später ein Ende haben muss.

All diese Zeichen, die einen, dass wir an dieser Welt hängen oder die anderen, dass wir aus der zukünftigen Welt leben und unsere Hoffnung beziehen, haben mit unserem Maß an Glauben zu tun. Entweder mit dem Mangel oder mit seinem Reichtum. Dieses Glaubensmaß können wir nicht machen, nicht beeinflussen. Aber wir können Gott darum bitten und das will ich jetzt noch tun: Wir bitten Gott, dass er uns den Glauben schenkt, der nicht an dieser Welt hängt, sondern voller Hoffnung hinüberschaut in die Welt, aus der Jesus Christus zu uns kam, um uns durch seinen Tod am Kreuz aus der Verstrickung in die Sünde, die Güter und Versuchungen dieser Welt zu erlösen. Gott, gib uns die Kraft, aus diesem Glauben zu leben. AMEN

* (Hier passt noch hin:) Es gibt auch noch einen uralten Hymnus im Philipperbrief, der auf wunderbare Weise zusammenfasst, was der Auftrag Jesu war, wie er ihn erfüllt hat und warum es entscheidend ist, an ihn zu glauben: "Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters." (Phil.2,5-11)