Predigt zum Letzt. Sonntag nach Epiphanias - 20.1.2013

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Textlesung: Jh. 12, 34 - 41

Da antwortete ihm das Volk: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschensohn muss erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn? Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet. Das redete Jesus und ging weg und verbarg sich vor ihnen. Und obwohl er solche Zeichen vor ihren Augen tat, glaubten sie doch nicht an ihn, damit erfüllt werde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte (Jesaja 53,1): "Herr, wer glaubt unserm Predigen? Und wem ist der Arm des Herrn offenbart?" Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesagt (Jes. 6,9- 10): "Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe." Das hat Jesaja gesagt, weil er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm.

Liebe Gemeinde!

Wir haben es leichter, das zu begreifen, was den Juden damals Rätsel aufgibt: Warum muss der Menschensohn, also der Christus, erhöht werden ans Kreuz? Warum bleibt er nicht in Ewigkeit bei ihnen? Ja, warum muss er gar sterben für sein Volk? Wir haben das erfahren. Wir erleben es sozusagen jedes Jahr wieder mit, dass Jesus den Leidensweg geht und schließlich am Kreuz für uns sein irdisches Leben hingibt. Für die Juden damals war es unvorstellbar, dass der Messias, der Christus leiden muss! Für sie lag auch einfach kein Sinn darin. Sie erwarteten einen Friedensherrscher, einen König, der sich mächtig - und wenn es sein musste mit Gewalt - gegen alle Machthaber der Welt durchsetzt und in Israel sein ewiges Reich errichtet. Dass der Christus den unteren Weg der Ohnmacht und des Leidens gehen würde, war ihnen dagegen völlig unverständlich.

Wie gesagt: Für uns ist das leichter zu begreifen, weil wir von Jesu Tod und Auferstehung wissen, weil wir davon sozusagen schon herkommen. Und weil wir den Sinn des Todes Jesu für uns verstanden haben oder sagen wir: weil wir im Glauben den Sinn dieses Todes wenigstens erahnen. Ganz begreifen werden wir das wohl nie, dass der Sohn Gottes für die Menschen ans Kreuz geht, dass einer, der ohne Sünde war, sich für die Schuld und die Sünde anderer in den Tod gibt, für sie leidet und stirbt. Wären wir damals unter denen gewesen, die Jesus fragen: "Warum muss der Menschensohn, also der Christus, erhöht werden ans Kreuz?", wir hätten wie sie den Kopf geschüttelt und nicht verstanden, warum das sein musste.

Liebe Gemeinde, mag es uns auch von den Juden damals unterscheiden, wie wir den Tod des Christus verstehen, vor der Antwort Jesu auf die Frage der Juden sind wir ihnen gleich: "Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch." Damals stand unmittelbar bevor, dass Jesus den Weg hinauf nach Golgatha gehen würde. Ja, das Ende der "kleinen Zeit", in der sein Licht noch für die Menschen seiner Umgebung leuchtete, war schon absehbar, denn bei den Pharisäern und Hohenpriestern hatte sich Jesus schon unbeliebt gemacht und sie trachteten ihm nach dem Leben.

Aber auch wir sind - wie eigentlich alle Menschen seitdem - in ganz ähnlicher Lage: An die Stelle der persönlichen Begegnung, wie sie die damaligen Frager mit Jesus hatten, ist bei uns der Glaube an ihn getreten. In diesem Glauben ist sein Licht in und bei uns. Aber auch für unser Glaubenslicht gilt: Es ist vielleicht nur für eine gewisse Zeit bei uns. Es ist immer gefährdet durch das, was wir erleben. Es brennt vielleicht für eine Zeit ruhig und hell, aber es flackert auch manchmal und ist dem Verlöschen nah. Es gibt in unserem Leben Tage, Wochen, ja, vielleicht Monate und Jahre, in denen wir uns am Licht eines gewissen, zuversichtlichen Glaubens erfreuen dürfen. In diesen Zeiten fällt es uns leicht zu beten. Unser Leben wird getragen vom Vertrauen und von der Hoffnung: Da ist ein Vater im Himmel, der mich kennt, mich hört und mir hilft. Es kann mir nichts geschehen, was mich von ihm trennt und am Ende des Weges in dieser Welt werde ich meinem Herrn folgen durch den Tod - ins Leben! Und dieses Leben wird ewig sein, so hat er es versprochen.

Aber es können auch ganz unvermittelt andere Zeiten anbrechen. Oft ist es ein Schicksalsschlag, der das auslöst: Ein geliebter Mensch verlässt uns und wir bleiben einsam und allein zurück. Ein Unglück trifft uns und wir fragen, warum es gerade uns getroffen hat. Unsere Lebenspläne zerschlagen sich und wir wissen auf einmal, dass wir dieses oder jenes nicht mehr erreichen werden. Da kommen dann die Tage, die Wochen oder vielleicht Jahre, in denen wir Gottes Antlitz und seine Güte nicht mehr erkennen. Unsere Gebete, wenn wir überhaupt noch beten können, werden spärlich und wir sprechen sie so abwesend, als folgten wir damit nur noch einem alten Brauch aus Kindertagen. Wir verlieren unser Vertrauen und die Hoffnung geht uns aus. Der Gedanke, dass wir einen himmlischen "Vater" haben, wird uns fremd und wir spüren seine Hilfe nicht mehr. Die Gedanken an das Ende des Lebensweges schrecken uns. Der Schatten des Todes fällt auf unser Herz und vergällt uns das Leben.

Liebe Gemeinde, ich weiß ja nun nicht, wo jede und jeder von uns gerade mit seinem Glauben steht. Wie still und stetig das Licht Jesu Christi bei der einen oder dem anderen brennt und wessen Glaubensflamme es gerade schwer hat, vielleicht flackert und sich gegen Angst, Zweifel und gar Verzweiflung wehren muss. Was ich aber weiß, ist dies: Keine und keiner von uns ist heute hier, bei der, bei dem das Glaubenslicht schon ganz erloschen ist. Denn solche Menschen kommen nicht zum Gottesdienst. Und ich weiß und wir haben es gehört, was Jesus uns heute sagt: "Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet."

Vielleicht verstehen wir das so: Werden wir uns in den Zeiten, in denen wir das Licht des Glaubens haben, immer wieder dessen bewusst: Das ist ein großes Geschenk! Es ist nicht selbstverständlich, glauben zu können. Wir haben den Glauben niemals wie einen Besitz. Pflegen wir ihn. Wie das geht, wissen wir: Halten wir am Gebet fest. Widmen wir unserem Gott jeden Tag eine Zeit, in der wir ganz ihm gehören. (Ein Losungsbuch oder eine tägliche Bibellesung kann uns dabei helfen.) Bedenken wir unser Leben mit seinen großen Weichenstellungen, aber auch bei allen alltäglichen Entscheidungen an der Arbeit und in der Freizeit, in der Familie, in unserer Stadt (unserem Dorf) und unserer Nachbarschaft vor unserem Glauben und ob alles, was wir denken, reden und tun mit ihm vereinbar ist. Freuen wir uns an unserem Glauben! Nehmen wir immer wieder wahr, wie er uns beglückt, dass er nicht unser Verdienst ist und dass er uns auch leicht verloren gehen kann. Und vor allem: Sprechen wir von unserem Glauben auch zu anderen Menschen. Vornehmlich zu unseren Angehörigen, unserer Frau, unserem Mann, unseren Kindern und Enkeln, aber auch zu denen, die sonst in unserer Nähe leben. Und lassen wir uns auch immer wieder von den Angeboten unserer Kirche helfen, dass unser Glaube gestärkt wird und seine Flamme ernährt wird. Der Gottesdienst ist so eine Hilfe. Aber auch das Gespräch mit den Mitchristen in den Kreisen und Gruppen unserer Gemeinde und bei allen Gelegenheiten, bei denen wir uns in der Kirche oder z.B. auf dem Friedhof treffen.

Ein Glaubenslicht, das wir so bewahren und ernähren, wird sich als widerstandsfähig erweisen, wenn die Zeiten kommen, die uns nicht gefallen, in denen der Glaube angefochten ist und uns das Vertrauen ausgehen will. Solche Zeiten wünsche ich keiner und keinem von uns. Und es mag auch sein, dass der eine oder die andere ihr ganzes Leben lang davon verschont bleibt. Meine Erfahrung und die von vielen anderen hier ist aber anders: Fast in jedem Leben gibt es die Tage mit schweren Sorgen, die Wochen, die wir in Angst verbringen, die Monate, in denen uns alles dunkel erscheint und die Jahre, in denen wir uns einsam und verlassen fühlen.

Es ist gut, wenn wir uns darauf vorbereiten, indem wir unser Glaubenslicht hegen und pflegen. Es ist gut, wenn wir Jesu Wort beherzigen: "Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet." AMEN