Predigt zum 1. Sonntag nach Epiphanias - 13.1.2013

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Liebe Gemeinde!

Woran denken wir, wenn wir "Johannes" hören? Zunächst gewiss an den einen oder anderen Jungen oder Mann, den wir kennen, der diesen Namen trägt - und es ist ein ziemlich häufiger Name! Dann denken wir vielleicht noch an den Schreiber des 4. Evangeliums in der Bibel, "Matthäus...Markus...Lukas...Johannes", vielleicht auch an den Schreiber der drei Johannesbriefe, in denen so viel von der Liebe die Rede ist, wie z.B. hier: "Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden." (1.Jh.4,10)

Ganz sicher aber kommt uns als Christinnen und Christen auch der Vorläufer Jesu in den Sinn, der sogenannte Täufer. Und gewiss fällt uns noch ein, dass er als Eremit in der Wüste gelebt, einen Mantel aus Kamelhaaren getragen und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt hat. Und bei den "Heuschrecken" hat uns wohl immer ein wenig geschaudert - auch wenn sie sicher geröstet waren. Auf jeden Fall dürfte mit "Täufer" für uns sozusagen sein Beruf beschrieben sein und die Taufe zur Buße an seinen jüdischen Zeitgenossen und sogar die Taufe Jesu wird uns auch als seine Hauptaufgabe in den Sinn kommen. - Aber war da nicht noch etwas für das dieser asketische Mann in der abgerissenen Kleidung gestanden hat?

Wir wollen einmal auf den Predigttext für diesen 1. Sonntag nach Epiphanias hören. Da erfahren wir mehr:

Textlesung: Jh. 1, 29 - 34

Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser. Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.

Liebe Gemeinde, hier kommt noch ein anderer Auftrag des Johannes in den Blick, einer, vor dem die Bußtaufe und sogar die Taufe Jesu verblassen. Gleich im ersten dieser Verse wird er deutlich: "Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!" Und die unter uns, die das berühmte Bild von der Kreuzigung Jesu vom Isenheimer Altar kennen, denen wird noch der Text in den Sinn kommen, den der Maler hinter die Figur des Johannes geschrieben hat, der dort mit ausgerecktem Finger auf den Gekreuzigten zeigt: "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen." (Jh.3,30)

Dieser ausgereckte Finger macht es nun ganz klar, was die Hauptaufgabe des Johannes war: Auf Jesus Christus hinzuweisen! Zeugnis abzulegen für ihn, dass er der Christus ist, der Erlöser der Welt und aller Menschen und er selbst, Johannes, nur ein Werkzeug Gottes - nicht mehr aber auch nicht weniger als das.

Hier steht er nun nicht nur da und zeigt mit dem Finger auf den Heiland. Er legt auch Zeugnis für ihn ab und lässt nichts aus, was wichtig ist: "Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich!" Und er spricht auch von der Taufe Jesu, mit der er ihn taufen durfte, aber er prahlt nicht damit, sondern tritt zurück hinter dem, den er taufen sollte: "Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft." Schließlich fasst er alles, was er über diesen Jesus weiß, in den Worten zusammen: "Dieser ist Gottes Sohn."

Es ist sehr traurig und gehört zu den Ereignissen, die uns uns immer wieder nach Gottes Gerechtigkeit fragen lassen, aber wir wissen auch, wie dieser Johannes gestorben ist: Er wurde nicht lange nach seinem Zeugnis für Jesus, den Christus, nach einer geschickt eingefädelten Intrige der Frau des Herodes enthauptet. Und doch zeigt uns auch sein schrecklicher Tod, dass ihm bestimmt war, hinter Jesus, den Heiland der Welt, zurückzutreten und nur Hinweis und Zeuge für ihn zu sein.

Was will uns das nun sagen, wohin will es uns am Anfang dieses noch jungen Jahres führen?

Ich denke, klarer als in den Versen, die wir heute bedenken, kann es nicht werden: Unsere Aufgabe, der Auftrag jeder Christin und jedes Christen in dieser Zeit ist das, was Johannes in Demut und Leidensbereitschaft vorgelebt hat: Zeugin und Zeuge für den zu sein, der allein die Welt und alle Menschen - und eben auch uns selbst - erlöst hat von Sünde, Tod und Teufel. Wie Johannes stehen wir unter dem Kreuz, das zum Zeichen geworden ist, dass Jesus Christus als Lamm Gottes alle Schuld, die wir auf uns geladen haben, auf sich genommen und abgetragen hat. Und wie Johannes leitet uns das Wort: "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen." Und wie Johannes können wir unser Zeugnis für unseren Herrn in dem einen Satz zusammenfassen: "Dieser ist Gottes Sohn."

Liebe Gemeinde, das alles sind nun aber nicht nur schöne Bibelverse und fromme Worte, dahinter steht eine Haltung des Glaubens und eine bestimmte Weise zu leben. Und wir sind es, die so glauben und leben sollen, dass wir es dem Johannes nachtun - nicht zur eigenen Ehre, sondern zur Ehre unseres Herrn!

Zu einem solchen Glauben und solcher Lebensweise fällt mir zuerst dieses überholte, schrecklich altmodische Wort ein, das ich eben schon einmal gebraucht habe: Demut. Aber wer versteht das noch? Darum möchte ich dieses Wort lieber in unsere Zeit und unsere Lebenswelt übersetzen. Da hilft mir noch einmal dieser Vers: "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen." Das ist unsere Aufgabe als Christen: Abnehmen...uns klein machen...bescheiden hinter unserem Herrn zurücktreten... Ja, ich denke, das ist gemeint. Wenn wir das tun, sind wir auf dem richtigen Weg, dem Weg hinter Christus her - aber eben nicht vor, nicht einmal neben, sondern hinter ihm! Und darin liegt dann unser Zeugnis für den Herrn, nach dem wir heißen: "Dieser ist Gottes Sohn."

Wir müssen dafür nicht im Kamelhaarmantel herumlaufen und uns von Heuschrecken und wildem Honig ernähren. Dieses Zeugnis wird im Leben mit Taten und Worten abgelegt - ganz konkret und praktisch und an jedem Tag, bei der Arbeit, in unserer freien Zeit, bei Kolleginnen und Kollegen, in der Familie, in der Nachbarschaft, im Verein, vor bekannten Menschen und gegenüber Fremden:

Wenn einer in der Betriebskantine vor dem Essen den Kopf senkt um seine Tischgebet zu sprechen, wenn eine den Gottesdienst ihrer Gemeinde besucht und auch darüber redet und dazu einlädt, wenn einer nicht in die allgemeine Verurteilung eines Menschen einstimmt, sondern um Verständnis wirbt, wenn eine den Mut findet, ihre Freundin darauf hinzuweisen, dass sie nie ein gutes Haar an ihrem Mann lässt, wenn einer auch der Migrantenfamilie, die neu in der Straße ist, genauso freundlich begegnet wie denen, die schon immer neben ihm wohnen...

Jeder und jedem von uns werden nicht nur einige weitere Beispiele einfallen, sie werden uns auch noch heute - vielleicht noch in der Kirche, vielleicht auf dem Weg nach Hause, heute Nachmittag oder am Abend oder morgen - zahlreich begegnen. Aber wir brauchen dafür keine große oder langwierige Vorbereitung, um dann die Situation zu bestehen. Es ist wirklich schon alles, dass wir die Aufgabe des Johannes als unsere eigene von hier mitnehmen und dazu noch seine Haltung dem Herrn gegenüber, der sein und unser Herr ist: In allem, was wir tun, hinweisen auf Christus. Uns selbst klein machen, zurücknehmen und dabei IHN groß machen und damit ehren. Ganz in diesem Sinn: "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen!"

Dabei würde immer wieder durch unser Verhalten, durch unsere Taten und das, was wir sagen, eines deutlich: Dieser Jesus ist für uns nicht nur ein bedeutender Mensch, an den wir uns zu bestimmten Zeiten des Jahres, vielleicht an Weihnachten, dem Jahreswechsel oder Ostern, gern erinnern, sondern dass wir seinen Namen zurecht tragen und dass wir glauben, was wir heute gelesen, gehört und bedacht haben: "Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt [...] der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft. [...] Dieser ist Gottes Sohn." Und dem alten Wort "Demut", das heute kaum noch einer benutzt, hätten wir auch neues Leben eingehaucht - vielleicht nicht mit unserem Sprachgebrauch, aber in unserem Herzen. AMEN