Predigt zum Epiphaniassonntag    -   6.1.2013

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Textlesung: Jes. 60, 1+2 (3-6)

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.

Liebe Gemeinde!

Ja, ich habe nur die ersten beiden Verse des Jesajatextes, den wir heute bedenken sollen, über diese Predigt geschrieben. Die vier weiteren Verse, die noch dazugehören, sprechen uns weniger an. Sie waren ursprünglich als Trostworte für die Menschen bestimmt, die in Jerusalem auf die Rückkehr der letzten in Babylon gefangenen Volksgenossen warteten und sie sind nur für diese Menschen so ganz verständlich.

Aber dieses Wort: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!, dieses Wort spricht uns an! Und es ist wunderschön, es passt in unsere Zeit und es kann auch uns aufbauen, wenn wir auf die Ereignisse und Zustände in der weiten Welt schauen, in der Ferne und Nähe und wenn wir an unser persönliches Leben denken, was uns Sorgen macht, Kummer bereitet und uns im Blick auf die Zukunft ängstet und den Mut nehmen will.

Gewiss, wir werden - wie wir das immer tun - diese Verse in unsere Tage und unsere Welt übertragen müssen, um sie ganz zu begreifen und den Trost, den sie uns geben, empfinden zu können. Aber das ist bei diesen Worten ja gar nicht schwer. Das könnte sich so anhören:

Gott kommt zu dir und macht deine Zukunft hell, darum kannst du fröhlich sein und auch selbst Freude unter den Menschen verbreiten. An vielen Orten der Welt und auch in deinem persönlichen Leben ist es dunkel, aber bei dir ist Gott und sein Segen ist mit dir. Auch Menschen, die Gott noch nicht kennen und selbst die Einflussreichen und Mächtigen in der Welt werden von dem Licht angezogen, das du ausstrahlst.

Aber stimmt das denn: Gott kommt zu dir und macht deine Zukunft hell? Vielleicht wundert Sie das jetzt, aber ich glaube, es stimmt noch viel mehr als zur Zeit des Jesaja und seiner Botschaft an die Menschen von Jerusalem. Wir wissen - anders als die Menschen damals - von Jesus Christus und von dem, was er für uns uns alle Welt auf sich genommen und getan hat: Er ist ans Kreuz gegangen, um unsere Schuld vor Gott gut zu machen. Er ist für uns gestorben, damit wir das Leben hätten - und nicht nur das Leben in dieser Welt, sondern das Leben in Gottes Ewigkeit! Mit dieser Aussicht vor Augen, können wir wirklich getrost und voller Mut in die Zukunft gehen, selbst in eine irdische Zukunft, die uns nicht gefällt. Am Ende wird ein herrliches Leben stehen, eine Zeit ohne Ende, in der nur noch Freude herrscht, Lachen und Jubeln. Eine Ewigkeit, in der wir uns an den Kummer, das Leid und die Sorge, die uns hier gequält haben, nicht einmal mehr erinnern werden.

Dass es heute noch "an vielen Orten der Welt und auch in unserem persönlichen Leben dunkel" ist, das glauben wir gern, ja, das wissen wir. Wir denken dabei an den Bürgerkrieg in Syrien, der kein Ende nehmen will. Wir denken aber auch an die vielen anderen Kriegs- und Krisengebiete der Erde, in denen Menschen vertrieben, geschunden und getötet werden. Aber wir wollen uns nicht beirren lassen in der Hoffnung, dass sich irgendwann Gottes guter Plan für die Menschen in diesen Gebieten durchsetzt. Und wir wollen auch sehen, wo das schon geschehen ist, gegen alle menschliche Erwartung, wie zum Beispiel in Myanmar, wo sich gerade eine Militärdiktatur mit erstaunlich großen Schritten zu einer Demokratie wandelt.

Auch in unserem Lebenslauf bis heute und gegenwärtig gibt es manche dunkle Stelle, manchen Tag, Monate oder gar Jahre, die uns belasten und schmerzliche und böse Erinnerungen wecken und uns vielleicht auch heute weh tun und uns die Freude am Leben vergällen. Aber auch hier wollen wir nicht aufhören zu hoffen, dass geschieht, was Gott verspricht: Dass unsere Zukunft hell sein wird und dass diese Zukunft sich umso mehr auch schon hier und heute durchsetzt, je mehr wir Gott vertrauen.

Vergiss es nie: Gott ist bei dir und sein Segen ist mit dir! Das ist ja nicht nur so dahin gesagt. Das hat seinen guten Grund in unserer Taufe. Damals hat Gott selbst zu uns gesprochen: Ich will dich nicht verlassen, solange du lebst. Ich bin immer in deiner Nähe, nur ein Gebet weit entfernt. Ich halte meine rechte Hand über dir und mit meiner Linken will ich dich führen und leiten. Und wenn du in deinem Leben durch schwere Zeiten gehen musst, wenn der Weg steil und steinig wird, dann will ich dich heben und tragen. Du wirst durch alles Dunkel, alles Schwere, alle Krankheit und selbst durch den Tod hindurchkommen - zum Leben. Verlass dich darauf!

Was die Wahrheit dieser Worte angeht, haben wir sicher die meisten Zweifel: Auch Menschen, die Gott noch nicht kennen und selbst die Einflussreichen und Mächtigen in der Welt werden von dem Licht angezogen, das du ausstrahlst. Schnell haben wir Beispiele von prominenten Menschen parat, die das bestätigen. Mutter Teresa fällt uns ein. Den Älteren unter uns kommt vielleicht noch Albert Schweitzer in den Sinn und Mahatma Gandhi. Aber wir selbst???

Meiner Erfahrung nach, fällt es vielen Menschen - vielleicht auch uns? - sehr schwer, Anerkennung oder gar Bewunderung für andere auszudrücken und noch mehr: auszusprechen.

Ein junger Redakteur bei einer Zeitung hat einmal zu seinem Chef gesagt: "Meine Artikel scheinen den Leuten nicht zu gefallen, ganz selten nur kommt einmal etwas zurück, vor allem gibt es weder Lob noch einmal ein aufbauendes Wort." Der Chef des Redakteurs hat zurückgegeben: "Daran müssen Sie sich gewöhnen. Aber Schweigen ist Zustimmung!"

Wenn wir das auf das Wort anwenden, dass Menschen von unserem Licht angezogen werden, dann können wir sagen: Wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir von ihnen nichts hören, wie wichtig oder vorbildlich wir für sie sind. Aber auch ihr Schweigen spricht eigentlich zu uns und es sagt uns: "Es ist gut, was du tust und ich bin dir dankbar dafür!" Und wenn wir in ihren Augen lesen, dann sehen wir auch einen Widerschein des Glanzes, der von uns ausgeht.

Besonders fragwürdig ist uns gewiss, dass es heißt, die Einflussreichen und Mächtigen in der Welt werden auf das Licht aufmerksam, das wir ausstrahlen. Wie soll denn das gehen? Aufmerksam werden die Großen, die etwas gelten, doch nur, wenn andere Menschen, die Einfluss und eine gewisse Bedeutung haben, ihren Argwohn, ihre Konkurrenzgedanken und eifersüchtigen Blicke auf sich ziehen. Aber wer sieht schon nach uns!

Und doch gibt es Beispiele, in denen ganz einfache Menschen viel bewegen und auch die in Erstaunen versetzen, die in der Gesellschaft "oben" sind:

Mir fällt dazu die Frau ein, die seit langem im Dorf, in dem sie lebt, bei den Nachbarn ohne Entgelt bei der Pflege erkrankter oder alter Familienangehörigen hilft. Sie springt ein, wenn die Frau, die ihren kranken Mann betreut, einmal einen halben Tag frei haben muss. Sie ist da, wenn es darum geht, ein paar Stunden am Morgen am Bett der bettlägerigen Mutter zu sitzen, weil der Sohn an der Arbeit ist und die Schwiegertochter einen Arzttermin hat. Neulich hat diese Frau den Ehrenbecher ihrer Gemeinde bekommen. Für langjähriges soziales und gesellschaftliches Engagement. Sie selbst hätte nie damit gerechnet. Aber dem Bürgermeister ist zu Ohren gekommen, wie treu und zuverlässig sie sich seit vielen Jahren für ihre Mitmenschen einsetzt.

Zugegeben, so etwas ist selten. Aber solches Tun wird durchaus beachtet. Nur gilt auch hier: Die Anerkennung äußert sich meist schweigend. Trotzdem: Es wird gesehen und es erinnert auch die Menschen, die in der Gesellschaft oder Politik das Sagen haben, daran, dass es letztlich nicht auf Sonntagsreden und große Sprüche ankommt, sondern auf die Taten der Hilfe und der Liebe von Menschen, die nicht fragen, ob ein Mikrofon oder eine Kamera auf sie gerichtet ist und ob auch die Leute von allen Zeitungen der Region anwesend sind.

Liebe Gemeinde, selbst wenn es uns in unserem Leben nie passieren wird, dass jemand von weiter oben nach uns und unserer Arbeit an und für die Mitmenschen schaut, selbst wenn uns nie ein Ehrenbecher verliehen oder eine andere Ehrung zuteil wird, schon die Arbeit selbst "lohnt sich" auch für uns: Es schenkt eine tiefe Zufriedenheit und ein großes Glück dem nachzukommen, was Jesaja uns mit diesem wunderschönen Vers nahebringen will oder wie ich seine Worte für uns heute übertragen habe: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! - Gott kommt zu dir und macht deine Zukunft hell, darum kannst du fröhlich sein und auch selbst Freude unter den Menschen verbreiten. AMEN