Predigt zum 1. Adventssonntag - 2.12.2012

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Liebe Gemeinde!

Advent ist da und ein neues Kirchenjahr beginnt. Für viele von uns die schönste Zeit des Jahres. Eine Zeit, in der uns Erinnerungen an die Kindheit einfallen. Wochen der Vorbereitung auf das große Fest, Wochen der Vorfreude und der Gefühle. Eine Zeit auch, in der wir mit manchem lieben Brauch zeigen, dass wir etwas Großes, Wunderbares erwarten. Davon zeugen die Kerzen am Adventskranz, die "immer eine mehr" an den vier Adventssonntagen brennen. Davon hören wir im Evangelium: "Es begab sich aber, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging..." Und davon singen wir: "Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, Gottes Kind, das verbind't sich mit unserm Blute" (EG 36,2).

Noch aber ist es nicht soweit! Wir stehen erst an der Schwelle des Advents. Gestern noch waren wir im alten Jahr der Kirche. Heute fängt das neue erst an... Und da wollen wir hören, was uns die Kirche schon vor vielen Jahren verordnet hat, dass wir es heute im Gottesdienst lesen und bedenken. So steht es im Evangelium des Lukas im ersten Kapitel:

Textlesung: Lk. 1, 67 - 79

Und sein Vater Zacharias wurde vom heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David - wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten -, dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Er wird zwar nicht einmal genannt, aber wir haben gemerkt, von wem hier die Rede ist: Von Johannes dem Täufer: Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Und der hier weissagt, ist sein Vater, Zacharias. Gerade erst hat er die Sprache wiedergefunden, da lobt und preist er Gott darüber, dass er Israel diesen Propheten geschenkt hat, des Priesters Zacharias Sohn. Die langen Monate, die seine Frau Elisabeth mit dem Kind schwanger ging, war er stumm gewesen. Er hatte dem Engel Gottes nicht geglaubt, als der ihm die Geburt dieses Kindes verheißen hat. Denn seine Frau und er waren nach menschlichem Ermessen viel zu alt dafür, Kinder zu bekommen. Wegen seines Unglaubens hatte der Engel Zacharias die Sprache genommen. Bis zu diesem Tag. Nun aber tut er, was für die Menschen aller Zeiten bis zum heutigen Tag das Vornehmste und Beste ist: Er lobt Gott und rühmt ihn über seinen Taten an seinem Volk und seinen Menschen.

Liebe Gemeinde, sicher ist das schon viel, was wir aus diesen Worten des Evangeliums entnehmen können: Dass Gott zu loben, ihn mit Worten und Taten zu preisen wichtig ist und allen Menschen und gerade uns Christen wohl ansteht. Wobei wir gewiss alle bekennen müssen, dass Gottes Lob auch in den glücklichen Zeiten unseres Lebens viel zu wenig über unsere Lippen kommt... Aber es liegt noch viel mehr in dieser Geschichte und das hat mit den Wochen des Advents zu tun, die heute beginnen:

Das Kindlein, das hier geboren wurde, ist der Vorläufer des Herrn, der Wegbereiter, der Mann, der von dem zeugt, der da kommen soll und der viel größer ist als er selbst. Und wir erfahren so manches über sein Aufgabe: "Prophet des Höchsten" wird dieses Kind sein. Er soll den Menschen ansagen, wer bald in dieser Welt erscheint. Er soll dem Herrn "vorangehen", so wie ein Herold dem König vorangeht, dass der König dann alles für seine Ankunft gerüstet findet, die Herberge gastlich gerichtet, die Küche und den Weinkeller gut ausgestattet. Er soll aber auch die Menschen auf den König "vorbereiten", ihnen sagen, was der Herr von ihnen verlangt, weshalb er zu ihnen kommt und was er mit ihnen vorhat. Und da es hier um den König aller Könige geht, den Herrn aller Herren, der auch die Herzen der Menschen sieht und prüft, soll dieser Bote auch einen großen Erlass aller Schulden ankündigen: die "Vergebung der Sünden" aus der "Barmherzigkeit Gottes".

Wir wissen es: Das alles ist Johannes, als er zum Mann herangewachsen war, dann auch wirklich geworden: Ein Rufer, der einen viel Größeren ankündigt, ein Prophet des Herrn, der Vorläufer und Prediger der Buße zur Vergebung der Sünden. Mit dem Schurz aus Kamelhaaren, der Kleidung des Propheten Elia aus alter Zeit, hat er gezeigt, wie er seine Aufgabe verstand. Mit der Taufe seiner jüdischen Glaubensbrüder im Jordan hat er verdeutlicht, dass etwas Neues beginnt. Und nie hat er seine Rolle vergessen, nur der Vorbereiter seines Herrn zu sein. Als der selbst am Jordan erscheint, spricht er es aus: "Du kommst zu mir, Herr? Zu mir, der ich nicht wert bin, dir auch nur die Schuhriemen zu lösen!" Und von sich selbst sagt er: "Ich bin nur eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn!"

Und schließlich weissagt der Vater dieses Rufers aus der Wüste auch noch, wozu die Aufgabe seines Sohnes die Menschen führen soll: ...uns wird besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Wahrhaftig: Eine große, eine wichtige Aufgabe, die dem Kindlein Johannes sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Aber noch größer das, was er mit seinem Wirken damals vorbereitet hat!

Liebe Gemeinde, was könnten nun wir aus dem Gotteslob und der Weissagung des Zacharias für uns und unseren Weg in und durch die Adventswochen entnehmen?

Zuerst möchten uns diese Worte Mut machen: Gelobt sei der Herr... Denn er hat besucht und erlöst sein Volk... Das will allen Menschen sagen, die vielleicht schon lange alle Hoffnung aufgegeben haben, dass in ihrem Leben noch einmal etwas anders, besser werden kann: Gott hat euch nicht vergessen! Euch, den Armen, den Elenden, den Bedrückten und Beladenen gilt vielmehr Gottes besondere Liebe! Gerade euch besucht er in diesem Jesus von Nazareth, seinem eigenen Sohn. Euch vergibt er. Für euch wird dieser Christus ans Kreuz gehen. Für euch verdient er damit das Leben - ein Leben, das in Ewigkeit nicht zu Ende ist.

Dann aber könnte uns die Rolle des Johannes auch daran erinnern, dass uns diese Tage des Advents dazu geschenkt sind, den Weg unseres Herrn zu unserem Herzen eben und einladend zu machen! "Tut Buße!", hat der Täufer damals gesagt. Uns heute würde er vielleicht zurufen: Kehrt um von euren Irrwegen zu falschen Zielen. Seht mein Kleid aus Kamelhaaren - werdet einfach und schlicht. Erkennt, worauf es wirklich ankommt. Wenn Gott bei dir ist, kannst du sogar in der Wüste leben! Nicht dein Gut und dein Geld, nicht was du bist und hast, sichert dein Auskommen - Gottes Hand allein hält dich, ernährt dich, stützt und begleitet dich - oder kann dich fallen lassen. Öffne dein Herz für den Herrn Jesus Christus, der dich bald besuchen will! Tu ihm auf und lass ihn ein, dann kommt er zu dir und will bei dir wohnen, dein Leben hell und froh machen. Mit ihm an deiner Seite kannst du dein Leben bestehen, durch frohe und schwere Zeiten gehen, musst dich vor Krankheit und dem Alter nicht fürchten, ja, nicht einmal vor dem Tod! Wo dieser Herr einkehrt, da bleibt er mit seiner Hilfe, seiner Kraft und seinem Segen - bis in alle Ewigkeit!

Und ein Drittes spricht uns aus den Worten des Zacharias an; er weiß das genau: Mein Sohn Johannes ist nur der Vorläufer. Er zeigt nur den Weg zum Licht - das Licht selbst ist ein anderer: Jesus Christus. Vielleicht hilft uns dieser Gedanke, dass wir es nicht vergessen: Die Adventszeit ist nur die Zeit "davor", nur der Weg, nicht das Ziel. Lassen wir uns also immer wieder in den Tagen auf Weihnachten hin erinnern: Wir sind noch unterwegs! Wir haben noch eine Strecke zu gehen bis zum Fest. Das könnte uns mahnen, dass wir diese adventlichen Tage nicht überfrachten mit Hektik und Betriebsamkeit, mit der Jagd nach den Gefühlen und dem Glanz schöner Stunden, mit Lichterfülle in unserer Stube und vor unserem Haus... Advent ist Vorbereitung. Wir sollen diese Zeit nicht mit dem Eigentlichen verwechseln! Johannes weist uns nur hin auf Weihnachten, auf den Größeren ...der ist die Fülle, das Ganze, das Ziel, das Licht!

Ein letztes will ich nun auch noch sagen - es liegt mehr im Hintergrund der Verse der Weissagung des Zacharias: ... dass du seinen Weg bereitest und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes...

Liebe Gemeinde, "Schatten des Todes"... Auch der Tod ist überwunden durch den, der uns von Johannes angekündigt wird! Im Sinne seiner Aufgabe in der Heilsgeschichte Gottes, können wir es so sagen: Auch unser Leben hier in dieser Welt ist Vorbereitung, nur Vorbereitung! Wie der Advent, dessen ersten Tag wir heute feiern, der Weg zum Licht der Weihnacht ist, so ist unsere Zeit in dieser Welt sozusagen der Advent des wahren Lebens im vollen Glanz des ewigen Lichtes! AMEN