Predigt zum Pfingstsonntag - 27.5.2012

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Textlesung: 1. Kor. 2, 12 - 16

Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. Denn "wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen"? Wir aber haben Christi Sinn.

Liebe Gemeinde!

Heute könnten wir es eigentlich kurz machen mit der Predigt, denn das scheint eine klare Sache zu sein mit der Erkenntnis Gottes: Entweder wir haben den "Geist aus Gott", dann wissen wir, was uns von Gott geschenkt ist und können geistliche Dinge deuten und verstehen. Oder wir haben diesen Geist Gottes nicht, sind also "natürliche Menschen", dann ist uns Gott und alles, was er uns schenkt, verschlossen wie ein Buch mit sieben Siegeln. - Jetzt könnte ich noch Amen sagen, dann wäre die Predigt zu Ende.

Aber ich glaube, Sie wären dann nicht zufrieden...und ich wäre es auch nicht! Da tut sich die Frage auf: Können wir, wenn wir keine geistlichen Menschen sind, daran etwas ändern? Oder wenn wir Menschen sind, die Gottes Geist haben, dürfen wir dann hoffen, dass diesen Geist auch die empfangen können, die noch natürliche Menschen sind? - Anders gefragt: Ist das ein Verhängnis, ein natürlicher Mensch zu sein und ein unerreichbares Geschenk, Gottes Geist zu bekommen?

Vorneweg: Wenn es so wäre, wollte ich mich damit nicht abfinden! Das kann nicht sein und das darf nicht sein. So ist er nicht, der Vater Jesu Christi, von dem sein Sohn gesagt hat: "Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben." (Jh.16,23)

Wie machen wir das also? Wie bitten wir "in Jesu Namen" um Gottes Geist, der Gott und die geistlichen Dinge erkennt? Der die Menschen dann auch zum Glauben führt, sodass sie Christi Kreuz nicht als Torheit, sondern als unser Heil erkennen, aus dem unser Leben hier und in der Ewigkeit erwächst?

Wir haben vorhin einen Satz gelesen, der ist wie der Schlüssel, der uns die Tür aufschließt, durch die wir sozusagen in die Erkenntnis Gottes eintreten und in geistlichen Dingen weiterkommen: " ...davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen." Der Geist Gottes "lehrt" auch! Es geht also darum, dem Geist aufgeschlossen gegenüberzutreten und das, was er lehrt zu hören und aufzunehmen.

Nun sagen wir ja - gerade als evangelische Christinnen und Christen - gerne: Wir müssen und können uns doch gar nicht um geistliche Dinge, also zum Beispiel den Glauben, bemühen. Der bleibt doch immer etwas, was uns nicht verfügbar ist, was wir nicht durch eigene Anstrengung erlangen können, was wir immer nur geschenkt bekommen. Das ist sicher gut evangelisch und richtig.

Aber müssen wir nicht auch Geschenke annehmen? Also ganz praktisch: Müssen wir nicht die Hände aufhalten und vielleicht dem Geber hinstrecken, wenn wir etwas empfangen wollen? Doch, ich glaube fest, das mindestens müssen wir tun. Das wäre anders ja unhöflich und dumm! Wie soll denn einer uns etwas in die Hand legen, wenn wir sie zurückziehen? Wie soll denn Gott uns seinen Geist schenken, wenn wir ihn abweisen, als wollte er uns etwas Böses tun?

Dieses Zurückweisen Gottes kann ganz praktisch auch noch ganz anders aussehen: Da stellt uns Gottes Geist in unserem Leben immer wieder vor Fragen, die uns an die Grenze unseres Verständnis' als "natürliche" Menschen führen. Der Abschied von einem lieben Menschen ist so eine Frage, die sich nicht damit beantworten lässe, dass wir sagen: Dieser Mensch ist jetzt ins Nichts gefallen und dem Vergessen anheim gegeben, unserem Vergessen und dem Vergessen Gottes. Jeder Abschied soll uns vielmehr dorthin führen, dass wir begreifen: Wir sind nicht nur für diese kurze Spanne Leben auf dieser Erde gemacht, sondern für die Ewigkeit - und in der will Gott uns nach dem Tod eine ewige Heimat geben!

Auch das Wissen um unsere Schuld und unser Versagen ist eine solche Frage, die wir nicht zum Schweigen bringen, indem wir unsere Schuld leugnen und überspielen, als gäbe es sie gar nicht. Die Erkenntnis unserer Schuld will uns vor das Kreuz Jesu Christi stellen und an ihn weisen, der für unsere Schuld gestorben ist und sie uns ein für allemal abgenommen hat.

Schließlich ist unsere Suche nach einem Sinn im Leben immer auch eine solche Frage, die am Ende zu der einzigen Antwort führt, die es für den Menschen gibt, der wissen will, warum und wozu er in der Welt ist und für was und für wen er lebt: Nämlich für den Dienst am Nächsten und damit für Gott in der Aufgabe, die ER für jede und jeden von uns hat.

Alle diese Fragen lassen sich allerdings auch übergehen. Wir müssen sie nicht beantworten, so frei hat uns Gott geschaffen. Nur ist das dann so, als hätten wir Gottes Geschenk ausgeschlagen, die Hand zurückgezogen und den freundlichen Geber zurückgewiesen. Aber, sagen Sie mir, warum sollte das ein Mensch tun?

Wir sollten also achtsam sein mit diesen Fragen, achtsam sein bei allen Situationen, die uns im Leben begegnen und gewärtig, dass unser Gott in diesen Fragen und Situationen mit uns sprechen will. Darum sollten wir aufmerksam sein, dass wir diese Stunden nicht verfehlen, in denen er uns seinen Geist schenken will und vielleicht den Glauben!

Heute ist Pfingsten, der Tag, der nach der Bibel und unserer christlichen Tradition eine besondere Nähe zum Wirken des Heiligen Geistes hat. Denken wir nur an die Geschichte des ersten Pfingstages, an dem der Geist Gottes sich wie Feuerflammen auf den Häuptern der Jünger niedergelassen hat. Oder denken wir an so viele Geschichten aus dem Alten Testament - eine davon haben wir vorhin als Schriftlesung gehört (4.Mos. 11,11-12.14-17.24-25) - und aus dem Neuen Testamen, in denen erzählt wird, wie Gottes heiliger Geist die Menschen ergreift und sie in Verzückung geraten oder zum Glauben an ihn kommen. Vielleicht geschieht das bei uns weniger spektakulär, aber ist es nicht doch wunderbar und beglückend, wenn ein Mensch heute in dieser oft so kalten und geschäftigen Welt zur Nächstenliebe findet und zum Glauben, dass doch alles einen Sinn hat und das Leben auf ein herrliches Ziel zuläuft? Und ist es nicht auch ganz erstaunlich, wenn wir immer wieder einmal von anderen Menschen - auch von Prominenten - hören können, wie sie früher einmal gelebt haben und wie Gottes Geist sie verändert und was er aus ihnen gemacht hat? Wer weiß, vielleicht hätten ja auch wir selbst eine solche Geschichte zu erzählen!

Jedenfalls will ich noch einmal fragen: Warum sollten wir unsere Hand zurückziehen und unser Herz verschließen, wenn Gott uns das Geschenk seines Heiligen Geistes hinhält? Es kann nichts Schöneres, Besseres und vor allem Wichtigeres geschehen als dass ein Mensch zum Glauben an den wahren Gott und zur Hoffnung auf Vergebung und ein ewiges Leben geführt wird!

Dass wir es nicht vergessen: Es gibt noch eine zweite Tür, durch die wir in die Erkenntnis Gottes eintreten und geistliche Menschen werden können. Vielleicht - um im Bild zu bleiben - sagen wir es treffender so: Das Zweite, das uns die Gabe des Geistes Gottes schenken kann, ist sozusagen die Türklinke, die wir herunterdrücken müssen: Ich meine das Gebet.

Es ist ja gerade erst zwei Wochen her, da haben wir den Sonntag "Rogate" gefeiert, den Sonntag, der uns in seinem Namen zuruft: Betet! Und ich will hier einmal mit einem Vorurteil aufräumen, das sicher einige von uns haben: Die Meinung nämlich, als könne ein Mensch nur beten, wenn er an Gott glaubt und wenn er - mit den Worten des Paulus gesprochen - "den Geist aus Gott empfangen hat". Aber so ist es nicht. Wir können sehr wohl beten, auch wenn wir noch keinen Glauben haben. Ein solches kurzes Gebet steht sogar in der Bibel und Sie kennen es gewiss auch: "Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!" (Mk.9,24b) Es ist der Vater eines taubstummen Kindes, der so bittet und uns daher ein für allemal auch zu solchem Beten ermutigt.

Liebe Gemeinde, wenn bei uns die Fragen, die uns zur Erkenntnis des Geistes Gottes führen wollen und unser Gebet zusammenkommen, dann - da bin ich ganz sicher! - wird uns Gott nicht verwehren, dass wir seinen Heiligen Geist empfangen. An Pfingsten, aber auch an allen anderen Tagen unseres Lebens.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes, geistvolles Pfngstfest! AMEN