Predigt zum Palmsonntag - 1.4.2012

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Textlesung: Jes. 50, 4 - 9

Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum habe ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.

Liebe Gemeinde!

Ein paar Dinge muss man einfach wissen, um diese Verse zu verstehen: Der Prophet Jesaja spricht hier von sich selbst. Er ist der "Jünger", der mit den "Müden" redet. Die "Müden", das sind die Israeliten, die seit vielen Jahren in der Verbannung in Babylon leben und sich nach ihrer Heimat sehnen. Gott selbst hat dem Propheten das Ohr gegeben, dass er sein Wort hört. Täglich neu weckt Gott ihm das Ohr, dass er seine Weisungen vernehmen und weitersagen und seinen Trost weitergeben kann. Und der Prophet tröstet die Verbannten mit der Zunge, die Gott ihm gegeben hat. Er tut das auf rechte Weise, zur rechten Zeit. Jesaja ist dabei gehorsam und lässt sich von nichts und niemand von seinem Prophetendienst abbringen.

Dann aber heißt es: "Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel." Wer sind die Leute, die dem Propheten Böses wollen, ihn angreifen, bespucken und gar schlagen? Wir wissen es nicht genau. Vielleicht die eigenen Volksgenossen, die ihn zum Sündenbock machen wollen? Das kennt man ja, dass denen, die Unheil angekündigt, die gemahnt und gewarnt haben, dann die Schuld daran gegeben wird, wenn das Unheil eintritt. Vielleicht aber haben die Babylonier auch davon Wind bekommen, dass Jesaja inzwischen öffentlich den Untergang Babylons prophezeiht und stellen ihm deshalb nach? Wie gesagt, sicher wissen wir es nicht. Was wir wissen und was uns jetzt beschäftigen soll, ist die Art und Weise, wie Jesaja mit den Angriffen auf seine Person umgeht. Hören wir es noch einmal: "Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel."

Liebe Gemeinde, Sie fragen jetzt zurecht: Soll das etwa für uns vorbildlich sein? Sollen wir Angriffe einfach nur hinnehmen, ohne uns zu verteidigen? Haben wir da nicht schon in unserer Kindheit anderes gehört: "Du musst dich wehren! Lass dir nicht alles gefallen! Schlag' zurück, wenn dich jemand schlägt!" Vielleicht muss man ja eine Mutter verstehen, die so zu ihrem Kind redet. Vor allem, wenn sie sieht, dass es leidet, dass ihm weh getan wird von anderen Kindern, größeren, stärkeren... Und ihr Kind kann doch nichts anderes tun, als mit körperlichen Mitteln abwehren und zurückgeben, was ihm zuleide getan wird. Aber wir sind keine Kinder mehr. Wir haben andere Möglichkeiten. Neben dem Einsatz körperlicher Kraft auch noch Flucht und Rückzug. Neben dem Wort auch noch die Duldung.

Aber sehen wir das doch einmal ganz realistisch: Wann in unserem Leben als erwachsene Menschen haben wir denn erlebt, dass uns einer geschlagen, gerauft oder bespuckt hat? Wann hätten wir solche oder ähnliche Angriffe parieren oder ertragen müssen? Darum ist etwas anderes am Verhalten Jesajas vorbildlich für uns und daran können wir uns fast täglich ein Beispiel nehmen. Davon spricht Jesaja hier: "Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum habe ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten?"

Es ist der unbezwingbare Glaube an Gott, den wir hier lernen sollen. Es ist das felsenfeste Vertrauen, dass wir in keiner Lebenslage, schon gar nicht, wenn wir verfolgt, angefeindet und in die Enge getrieben werden, allein sind, ohne den Beistand Gottes! Es wird uns nichts geschehen, an dem wir "zuschanden werden", also zerbrechen. Es kann uns keiner überwinden, weil wir mit Gott im Bund sind!

Einige denken jetzt sicher: Das ist keine leichte Aufgabe, wenn es ganz schlimm kommt! Andere zweifeln daran, dass ihnen ein solcher Glaube gelingt, wenn sie Dinge erleben, die sie wirklich ganz zu Boden drücken und wenn sie Erfahrungen mit Menschen machen, die sie ohne Erbarmen, unter Einsatz von Lügen, von Verleumdung und Betrug fertigmachen wollen. - Aber es hat auch keiner gesagt, dass diese Aufgabe und dieser Glaube leicht wären!

Vielleicht hilft uns da ein wenig, wenn wir hören, dass ein solches Vertrauen zur Zeit des Jesaja noch viel schwerer aufzubringen war! Nach damaligem Denken hat einer, der Angriffe wehrlos geduldet und hingenommen hat, sein Unrecht eingestanden! Das wenigstens gilt heute nicht mehr.

Vielleicht helfen uns auch die anderen biblischen Beispiele und Verheißungen des Beistands Gottes in schwieriger Lage, in Anfeindungen oder Verfolgung. Wenn wir der Heiligen Schrift entlang gehen, begegnen uns solche Beispiele in den Mosebüchern zuerst:

Jakob, der später Israel genannt wird, der Stammvater der Israeliten wird von seinem Bruder verfolgt (1.Mos.25ff), ja, Esau trachtet ihm nach dem Leben. Gott aber hält jahrelang seine schützende Hand über ihn, sodass der Bruder ihm nichts Böses tun kann.

Mose selbst, den Gott ausersehen hat, die Kinder Israels aus Ägypten heraus und in das gelobte Land zu führen, wird von der ägyptischen Staatsgewalt gesucht, weil er im Zorn einen gewalttätigen ägyptischen Aufseher erschlagen hatte. Gott zeigt ihm bei einem Priester in Midian ein Versteck und bewahrt ihn so vor der Verhaftung und Verurteilung. (2.Mos.2,11ff)

David, der später König von Israel wird, kann mit Gottes Hilfe den Goliath besiegen und entgeht den Nachstellungen seines eifersüchtigen Vorgängers, König Saul, immer wieder auf wunderbare Weise. (1.Sam.18,5ff)

In den Evangelien des Neuen Testaments begegnet uns der Beistand Gottes in Gefahr und Verfolgung auch immer aufs Neue und gleich am Anfang: "Als die drei Weisen aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen." (Mt.2,13)

Aber auch in der Person Jesu selbst bewahrt Gott die Menschen durch Vergebung der Sünden und Heilung ihrer Krankheit vor Ausgrenzung, Leiden und Behinderung, denken wir nur an den Zöllner Zachäus, den Jesus in die menschliche Gemeinschaft zurückholt (Lk.19,1ff) oder an die Gelähmten, Besessenen und Blinden, die er gesund gemacht hat, weil sie an ihn glaubten.

Petrus und Johannes werden nach der Auferstehung unsres Herrn gefangen genommen und vor den Hohen Rat gebracht. Ohne Angst spricht Petrus freimütig und voll Gottvertrauen aus, was den jüdischen Oberen nicht gefallen haben kann: "Ihr Oberen des Volkes und ihr Ältesten! Wenn wir heute verhört werden ... so sei euch und dem ganzen Volk Israel kundgetan im Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt: Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden." (Apg.4,9-12) Das war schon mutig, denn es eine war Gotteslästerung und darauf stand die Todesstrafe! Aber die beiden Apostel nehmen die Zusage in Anspruch, die sie nach dem Evangelium des Markus seinerzeit am Ölberg aus Jesu Mund gehört haben: "Und wenn sie euch hinführen und überantworten werden, so sorgt euch nicht vorher, was ihr reden sollt; sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet. Denn ihr seid's nicht, die da reden, sondern der Heilige Geist." - Liebe Gemeinde, noch einmal: Der unbezwingbare Glaube, den wir in diesen Jesajaversen lernen sollen, ist ein Wagnis und verlangt nicht wenig von uns. Das felsenfeste Vertrauen zu Gott, dass er uns in jeder Lebenslage nicht verlässt, schon gar nicht in den schweren Stunden, ist nicht leicht zu fassen. Es gibt aber viele Vorbilder von Menschen, nicht nur in der Bibel, die uns bestätigen können, dass Gott unseren Glauben nicht enttäuscht und uns, wenn wir ihm vertrauen, nicht im Stich lässt. Ganz gewiss können wir nur werden, wenn wir es ausprobieren und wie Jesaja sprechen: Wer will mein Recht anfechten? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der HERR hilft mir; wer will mich verdammen? AMEN