Predigt zum Buß- und Bettag - 16.11.2011

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Textlesung: Mt. 12, 33 - 37

Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein. Denn an der Frucht erkennt man den Baum. Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.

Liebe Gemeinde!

Gerade war Reformationstag. Wir haben der Wiederentdeckung des Evangeliums in der Heiligen Schrift durch Martin Luther gedacht. Und jetzt, nur Tage später, hören wir solche Worte: Ist ein Baum faul, dann ist auch sein Frucht faul! Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Ja, was soll man denn dazu sagen? „Frohe Botschaft" ist das nicht! Oder - salopp gefragt - war Jesus vielleicht nicht evangelisch?

Aber ganz ernsthaft, das passt wirklich nicht zu unserem Glauben: Ein guter Mensch bringt Gutes hervor; ein böser Mensch bringt Böses hervor... Ist denn alles festgelegt? Gibt es keine Veränderung? Kann, ja, soll ein schlechter Mensch nicht gut werden durch den Glauben an Jesus Christus, durch Vergebung und Umkehr zu einem neuen Leben in der Spur unseres Herrn?

Liebe Gemeinde, doch das soll er und das kann er, der schlechte Mensch! - Es ist hier einfach zu wenig, die Worte zu lesen und zu hören, die uns für heute zu bedenken verordnet sind. Wir müssen auch schauen, worauf sie sich beziehen und - wir spüren es doch, dass Jesus hier im Zorn spricht - warum Jesus zornig ist. Die Antwort finden wir nur wenige Verse vorher (sie waren der Predigttext für den Drittl.So.i.Kj.). Da haben die Pharisäer Jesus, der gerade einen Besessenen, der blind und stumm war, geheilt hat, provoziert, indem sie das nicht nur bei sich denken, sondern aussprechen: „Er treibt die bösen Geister nicht anders aus als durch Beelzebul, ihren Obersten." (Mt. 12,24)

Dass wir das recht verstehen, diese Bemerkung ist schon ungeheuerlich, denn sie heißt nichts anderes als das: „Du, Jesus, bist mit dem Teufel im Bund!" Und wir verstehen jetzt, warum Jesus außer sich ist über solch ein unglaubliches verleumderisches Gerede. Und noch etwas begreifen wir jetzt, nämlich diese scheinbar unevangelischen Worte: Ist ein Baum faul, dann ist auch sein Frucht faul! Wer solches Gerede wie die Pharisäer unter die Leute bringt, der ist wie ein fauler Baum und der kann nur schlecht Früchte hervorbringen. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Wer solche Verleumdungen wie die Pharisäer ausspricht, der kann nicht auf Gottes Barmherzigkeit hoffen.

Liebe Gemeinde, vielleicht ist uns jetzt auch klar geworden, warum diese Worte Jesu zu diesem Tag heute gehören. Es ist eine wirklich sehr ernste Sache, um die es in ihnen geht und heute ist ja auch ein eher ernster Tag, der uns an die Buße und ans Beten erinnert. Aber, sagen Sie, ist Ihnen schon einmal der Gedanke gekommen, dass es Dinge gibt, die wir tun können, ja, sogar nur Worte, die wir sagen, die so böse sind, dass sie nicht wieder gut zu machen sind, uns vielmehr um das ewige Heil bringen?

Gewiss, wir haben auch schon andere Bibelverse gehört, die in die selbe Richtung weisen, z.B. diese: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden." (Mk. 16,16) - „Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben." (Mt. 25,46) - „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm." (Jh. 3,36) Aber so deutlich und so hart wie hier wird das nirgendwo gesagt: Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid? Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Bleibt es sonst offen, wofür wir uns entscheiden und was wir tun, so gibt es hier keine Chance mehr: Ihr seid böse, darum redet ihr böse, darum wartet die Verdammung auf euch!

Irgendwie möchten wir das jetzt nicht so stehen lassen. Wir suchen nach Möglichkeiten, aus den Worten, die Jesus heute sagt, noch einen Ausweg zu finden, ein Schlupfloch zum Heil sozusagen, auch für die, deren finstere Zukunft hier so gnadenlos angekündigt wird. Vielleicht sagen wir: Jesus war zornig, sicher hat er das gar nicht so gemeint. Als er sich wieder ein wenig beruhigt hat, sah alles gewiss ganz anders aus. Oder wir versuchen es so: Jesus war ja noch nicht ans Kreuz gegangen damals! Sein Blut hat er dann doch aber zur Vergebung aller Schuld der Welt und aller Menschen vergossen! Seitdem gilt das harte Urteil über diese schlechten Menschen nicht mehr.

Es ehrt uns, wenn wir so „evangelisch" denken. Wir wollen das einfach nicht wahrhaben und nicht akzeptieren, dass es Menschen geben soll, die von Grund auf böse sind und denen keine Barmherzigkeit und keine Vergebung zuteil werden wird. Wir möchten, dass kein Mensch in seiner Bosheit und Gottferne bleibt und dass unter dem weiten Mantel der Liebe Gottes alle Menschen einen Platz bekommen und keiner am Ende in die ewige Finsternis hinausgestoßen wird. Wie gesagt, es ehrt uns, wenn wir so denken.

Aber ich habe hier einmal noch ein wenig weiter gedacht: Was ist z.B. mit den großen Schlächtern und Massenmördern der Weltgeschichte: Lenin, Stalin, Mao Tse Tung, Pol Pot, Sadam Hussein, um nur einige wenige zu nennen. Und ein Deutscher war auch dabei - sie haben ihn gewiss in meiner Aufzählung eben vermisst. Und ich stelle mir vor - und tun Sie das jetzt doch auch einmal - mir würde in Gottes Ewigkeit ein Platz neben Adolf Hitler angewiesen... Nicht wahr, das ist doch ein recht unangenehmer Gedanke - und er bestürzt uns gleich doppelt, dieser Gedanke: Einmal darum, weil wir den, der so viel Unheil, so viel Leid und Tod verursacht hat, wohl kaum in Gottes Herrlichkeit zu sehen erwarten. Dann aber auch deshalb, weil wir gewiss nicht neben einem solchen Ausbund an Bosheit sitzen wollten. - Wir sehen, dass unsere Forderung nach Gottes Liebe für alle Menschen durchaus eine Grenze hat. Es sind vielleicht wenige, aber diesen gestehen wir diese Liebe nicht zu. Ihre Schlechtigkeit ist zu groß. Ihre Schuld wiegt zu schwer.

Aber was ist diese Grenze, die diese wenigen Menschen überschritten haben? Was macht ihre Schlechtigkeit im tiefsten Grunde aus?

Nachdem die Pharisäer Jesus verdächtigt haben, er stünde mit Beelzebul im Bund, sagt er über sie: „Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben." (Mt.12,31) Wer sich dieser „Sünde wider den Heiligen Geist", wie sie auch an anderer Stelle des Neuen Testaments heißt, schuldig macht, von denen sagt der Evangelist Markus in seinem Evangelium: „...der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig" (Mk. 3,29). - Aber was ist diese Sünde genau und - können wir uns ihrer auch schuldig machen?

Einmal ist es - und wir schauen noch einmal auf das, was die Pharisäer über Jesu gesagt haben - ganz gewiss die Gemeinheit und Ungeheuerlichkeit einer Sünde, die sie unvergebbar macht. Das sprengt schon jedes Maß, von Jesus zu behaupten, er treibe die Geister mithilfe Beelzebuls, ihres Obersten aus. Aber ich glaube, da muss noch etwas hinzukommen. Ich nenne es einmal das „Festhalten an der Sünde- gegen das eigene Gewissen"! Im Fall der Pharisäer damals heißt das: Sie halten ihre Behauptung aufrecht, obwohl sie genau wissen, dass sie erlogen und eine unglaubliche Gemeinheit ist. Sie fühlen es in ihrem Gewissen, dass ihre Rede infam und boshaft ist, aber sie bleiben trotzdem dabei - das ist die Sünde wider den Heiligen Geist.

Sicher fragen Sie sich jetzt, hat denn jeder Mensch ein Gewissen, das ihn davor warnt, diese oder jene Bosheit zu begehen, schlecht und gemein zu reden? Ich glaube, ja: jeder Mensch hat ein Gewissen. Und wenn wir von einem „gewissenlosen" Menschen reden, dann meint das vielleicht, das ist einer mit der Neigung zu bösen Taten und Worten, aber es meint nicht, dass er wirklich ohne Gewissen geboren worden wäre.

Was wollen uns also heute die Worte Jesu sagen? Vielleicht dies: Stimmt nicht ein in faules Geschwätz, das anderen Menschen nachsagt, was doch weder wahr noch überprüft ist und ihnen nur Kummer bereitet und die Ehre abschneidet. Und hütet euch davor, gar selbst solches Geschwätz aufzubringen! Hört auf euer Gewissen! Es ist nicht gut, gegen die Stimme seines Gewissens zu reden und zu handeln. Denn „die Menschen müssen Rechenschaft geben am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. AMEN