Predigt zum 14. Sonntag nach Trinitatis - 25.9.2011

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Textlesung: Mk. 1, 40 - 45

Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will's tun; sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekanntzumachen, so dass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.

Liebe Gemeinde!

Wenn wir jetzt einmal ganz ehrlich sind, dann müssen wir sagen: Wenn Jesus hier dem Aussätzigen verbietet, davon zu erzählen, wer ihn geheilt hat, kommt uns der Verdacht, Jesus hätte gerade das Gegenteil gewollt: Dass der Geheilte nämlich schnell und laut verbreitet, wem er es verdankt, dass er jetzt rein ist!

Wir kennen das doch schließlich aus unserer Umgebung auch: Sag' einem Menschen, er soll nur ja von dem schweigen, was du gerade mit ihm besprochen oder ihm anvertraut hast, er wird es umso sicherer weitersagen. Ja, vielleicht haben wir sogar schon einmal einem ganz bestimmten Menschen etwas erzählt in der Hoffnung, dass er es an andere weitergibt, weil er dafür bekannt ist, dass er nichts für sich behalten kann. - War das bei Jesus hier vielleicht auch so?

Nun, denkbar wäre das schon, aber ich glaube es nicht. Viel zu groß war nämlich das Interesse unseres Herrn, dass wirklich niemand davon erfuhr, wenn er einen Menschen gesund gemacht oder ein Wunder vollbracht hatte. Was uns zunächst gewiss erstaunt, war gut verständlich, wenn man Jesus kannte: Gottes Auftrag an ihn war nicht, Wunder zu tun, zu heilen und damit die Augen der Menschen zu binden. Er sollte die Herzen gewinnen und den Glauben stärken - und das nicht mit großen Taten und Zeichen, sondern mit dem Wort, dem Wort das Gott ihm eingab. Aber es war halt schwierig, wenn er den Menschen von Gottes Liebe und Güte predigte, nicht auch die Kranken gesund und die Behinderten heil zu machen. Wir können uns das vorstellen, dass ihn sicher oft das Erbarmen, also das Mitleid mit den Menschen dazu gebracht hat, auch ihre Krankheiten und ihre Gebrechen von ihnen zu nehmen (z.B. Mt.14,14). Und einmal hören wir im Evangelium des Johannes davon, dass Jesus nicht rechtzeitig zu seinem Freund Lazarus kam, bevor der gestorben war (Jh.11,1-45). Hier konnte er sozusagen nicht anders, als den Toten wieder lebendig zu machen. Jedenfalls ist eines ganz sicher, dass Jesus es nicht darauf angelegt hat, als der große Wundertäter und Heiler angesehen und gar angebetet zu werden. Und dafür gibt es noch einen anderen, tieferen Grund: Einmal, wie gesagt, wollte er nicht das Staunen der Menschen wecken, sondern ihren Glauben. Dann aber ging es ihm auch nicht um den Glauben an ihn selbst, sondern an seinen himmlischen Vater - und der hatte ihn als den Erlöser und das Opfer für die Sünden der Menschen in die Welt geschickt. Als Heiland der Welt aber wird er nicht an Zeichen und Wundern erkannt, sondern allein durch seinen Tod am Kreuz.

Wenn Jesus also hier dem Aussätzigen verbietet, über seine Heilung zu sprechen, dann will er ihm eigentlich sagen: Gott hat mich nicht in die Welt gesandt, deinen Leib gesund zu machen, sondern dass ich am Kreuz dein ewiges Heil gewinne, für dich sterbe, um deine und die Schuld aller Menschen wieder gut zu machen. Erst am Kreuz erkennst du, wer ich wirklich bin: Der Messias, der Heiland, der deine Sache mit Gott in Ewigkeit ins Reine bringt!

Nach der Heilung bedroht Jesus den Geheilten auch noch, dass er niemandem etwas davon sagt, außer den Hohenpriestern, wenn er Gott für seine Gesundung ein Opfer darbringt. Aber Jesus hat keinen Erfolg damit: „Er aber (der Geheilte) ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekanntzumachen..." Und es kommt, wie es kommen muss, wenn einer solche Zeichen tut, wie Jesus sie tat: „Jesus konnte hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden."

Was nehmen wir also mit von dieser Geschichte?

Ersteinmal dies: Es wäre keinen Deut anders, wenn unser Herr sich heute bei uns auch aus Erbarmen hinreißen ließe, Zeichen zu tun oder sogar Tote aufzuerwecken. Und wenn er uns auch gebieten würde, nichts davon weiterzuerzählen und wenn er uns auch bedrohte, es würde nichts nützen! Wir hätten nichts Eiligeres zu tun, als überall hinauszuposaunen, was wir an Wunderbarem gesehen oder miterlebt hätten. Und, liebe Gemeinde, das wundert Sie jetzt vielleicht, aber ich finde das überhaupt nicht schlimm, vielmehr sehr verständlich, wenn wir solche Dinge nicht für uns behalten könnten!

Wie lang wird der Aussätzige in der Geschichte schon von der Lepra geplagt und gebrandmarkt gewesen sein? Viele Jahre? Von Kindheit an? Da sollte er jetzt nicht jubeln und den loben und preisen und seinen Namen bekannt machen, der diese schreckliche Krankheit von ihm genommen hat? Wie soll das denn gehen? Das muss doch hinaus, er wäre ja sonst schier geplatzt vor Freude!

Und wenn Jesus irgendwann unser Gebet erhörte, die Geisel einer schweren Behinderung von uns nähme oder an uns das Wunder geschehen ließe, auf das wir unser Leben lang gewartet haben... Wie sollten wir denn davon schweigen können? Ja, würde es auch nur einen Menschen geben, der uns begegnete, dem wir nicht davon reden und vor dem wir nicht von unserer Dankbarkeit sprechen, die wir unserem Herrn gegenüber empfinden?

Nein, den Vorsatz, über all das Gute zu schweigen, mit dem unser Herr uns beschenkt, wollen und müssen wir nicht fassen. Und gar das für uns zu behalten, was Jesus an Zeichen und Wundern für uns tut, kann und wird uns nicht gelingen. Aber es gibt ein paar andere Dinge, die wir uns heute vor dem Hintergrund dieser Geschichte vornehmen wollen. Einmal dies: Dass wir niemals aus den Augen verlieren, wofür Jesus Christus in die Welt kam, was sein Auftrag war und welche Zukunft er unserem Glauben durch sein Opfer am Kreuz geschenkt hat: Das Leben in Gottes Herrlichkeit, frei von aller Schuld unserer Jahre in dieser Welt, versöhnt mit Gott in Ewigkeit. Wichtiger als das kann kein Zeichen, kann kein Wunder sein, das unser Herr uns tut.

Damit verbunden ist der Verzicht darauf, Jesus Christus je als den zu sehen und danach zu beurteilen, ob er uns das schenkt, was wir von ihm erhoffen, ob er uns unsere Wünsche erfüllt und die Wunder geschehen lässt, die wir von ihm fordern.

Vielleicht haben wir ihn bisher ja übersehen, aber es gibt noch einen weiteren Gedanken, der ist ganz wichtig in dieser Geschichte, so wichtig, dass wir ihn unbedingt auch von heute mitnehmen und gut in unserem Herzen bewahren sollten: Einen Menschen vom Aussatz zu heilen, war zur Zeit, als Jesus über diese Erde ging, durchaus keine leichte Übung, wie wir das mit unserem heutigen Wissen über diese Krankheit vermuten könnten. Die Heilung eines Aussätzigen galt in Kreisen der jüdischen Lehrer als genauso schwierig, wie die Erweckung eines Toten! So gesehen war es schon ein gewaltiger Glaube, den der Kranke hier aufbringt, wenn er diesem Jesus von Nazareth zutraut, dass er ihn gesund machen kann.

Und noch etwas ist ganz erstaunlich: Dass der Aussätzige nicht die vom Gesetz vorgeschriebene Entfernung zu Jesus, also zu einem gesunden Menschen einhält, sondern ihm so nahe kommt, dass er ihn um seine Heilung bitten kann. Was für ein Beweis für seinen großen, unerschütterlichen Glauben ist auch das!

Aber trotzdem - und hier bekommt die Geschichte von der Heilung des Aussätzigen einen Zug, der uns im Herzen anrühren kann - trotzdem ist nicht das leiseste Drängen in dem, wie sich der Kranke verhält und was er sagt, nur ein schier grenzenloses Vertrauen: „Willst du, so kannst du mich reinigen." Wir können das verstehen, wenn es nun heißt: Es jammerte Jesus. Und es wundert uns gar nicht mehr, wenn unser Herr jetzt das Wort spricht, das den Kranken vom Aussatz erlöst: „...er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will's tun; sei rein!"

Liebe Gemeinde, ich wünsche uns von Herzen, dass wir es dem Beispiel dieses Aussätzigen gleich tun können: Dass wir Jesus nicht bedrängen, wenn wir etwas von ihm erbitten, dass wir voll Vertrauen unser Geschick in seine Hand legen und alles von ihm erwarten. Ich wünsche uns aber auch, dass wir nie vergessen, dass noch das größte Wunder, das Jesus uns tut, nur Beiwerk ist, gemessen an dem, was er am Kreuz für uns getan hat. Schließlich wollen wir auch dankbar sein und unseren Herrn loben und preisen - auch wenn wir dabei seine Mahnung missachten, nur ja niemandem von dem zu reden, was er an Zeichen und Wundern an uns geschehen lässt. AMEN