Predigt zum Pfingstmontag - 13.6.2011

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Textlesung: 1. Mos. 11, 1 - 9

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der HERR von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.

Liebe Gemeinde!

Eigentlich ist das ja ein ganz lächerlicher Versuch der Menschen, sich einen Namen zu machen, Größe zu erlangen und mit ihrem Turm den Himmel zu erreichen. Da ist der erste Flug zum Mond im Jahr 1969 schon etwas anderes gewesen! Und doch ist beides in den Augen Gottes gleich unbedeutend und gefährdet weder Gottes Größe noch seine Majestät!

Wenn wir genau hinhören, meinen wir sogar etwas von Gottes Lachen über die größenwahnsinnigen Menschlein zu vernehmen, die da in gigantischer Selbstüberschätzung ein Türmchen bauen, das sich kaum über die Wipfel der höchsten Bäume erhebt: Gott muss „herniederfahren" aus seiner Höhe, um das unbedeutende Bauwerk der Menschen überhaupt erkennen zu können. Und voll hintergründiger Ironie nimmt Gott die großsprecherische Redeweise der überheblichen Menschen auf, wenn er sagt: „Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!"

Nicht anders, das will uns diese uralte Geschichte lehren, ist es mit allem menschlichen Tun und Schaffen, Erfinden und Entdecken: Gottes Allmacht, seiner Majestät und Herrlichkeit tut es keinen Abbruch! Damals wie heute aber sind die Folgen des menschlichen Strebens nach eigener Größe und danach, sich selbst einen Namen zu machen die gleichen: Wir verstehen einander nicht. Statt zusammenzuarbeiten und gute Verbindung zu halten zerstreuen wir uns, laufen auseinander und zerstören die Gemeinschaft, für die wir eigentlich angelegt sind. Eins aber ist anders: Wir würden nicht Gott dafür verantwortlich machen, wenn unser überhebliches Handeln und Denken uns von den anderen Menschen trennt. Wir wissen, dass wir selbst das tun und dass wir selbst dafür verantwortlich sind!

Wie kommen wir da heraus? Und kann uns die alte Geschichte vom Turmbau dabei helfen?

Erst einmal müssen wir uns darüber klar werden, dass in der Geschichte durchaus nicht nur von Königen, Herrschern und den Mächtigen im Volk gesprochen wird. Von „aller Welt" ist die Rede, von allen Menschen, Armen und Reichen, Kleinen und Großen, denen oben und denen unten ... Und es sind auch „alle", die auf die Idee kommen, eine Stadt und einen Turm zu bauen, „dessen Spitze bis an den Himmel reiche". Wenn wir bis jetzt also an die Machthaber und Herrschenden, die Regierungen und Politiker in aller Welt und bei uns gedacht haben, dann müssen wir jetzt erkennen: Wir sind genauso gemeint. Und es ist ja wohl auch so, dass wir gern mehr sind als die anderen, mehr Ansehen und gesellschaftliche Bedeutung haben, größeren Einfluss und höheres Einkommen, mehr Macht... Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist also, wenn wir uns einmal mutig auf sie einlassen, durchaus unsere Geschichte! - Aber was sagt sie uns?

Hier ist das erste, was sie uns sagen will: Gott weist uns in unsere Grenzen oder besser: Er möchte uns gern in unsere Grenzen weisen.

Er tut das beileibe nicht, weil er um die eigene Macht und Größe bangen müsste. Nein, auch noch heute muss Gott himmel- und weltenweit hinabsteigen, um unser Treiben überhaupt zu erkennen. (Und selbst wenn wir den Mond erreichen und vielleicht bald Mars oder Jupiter, berühren wir damit nicht im Geringsten Gottes Majestät!)

Gott will, dass wir um unserer selbst willen unsere Grenzen akzeptieren. Wir wissen es doch, wie das immer wieder weiter geht: Ist der Mond betreten, dann wird die Reise zu einem Planeten vorbereitet. Ist einer Schriftführer im Verein geworden, dann strebt er bald den Vorsitz an. Erst der Kleinwagen, dann die Mittelklasse und dann muss es bald die Premiumklasse sein. Und wenn es nicht überall in angemessener Frist weitergeht und wir an Besitz, Einfluss und Ansehen gewinnen, dann ist es für uns „schlecht gelaufen", dann fühlen wir uns klein und unbedeutend und wie Versager. Die andere Seite aber ist, dass alles, was wir an Eigentum, Geld, Ansehen und Einfluss hinzugewinnen, uns immer ein Stück mehr von den anderen Menschen trennt. Je höher der Turm unseres Lebens wächst, um so kälter wird es um uns und um so einsamer sind wir. Das versuchen wir dann damit wett zu machen, dass wir uns mit Sachen umgeben, die wir uns früher nicht leisten konnten. Aber die Dinge, die wir haben und die andere nicht haben können, schenken keine wirkliche Freude. Sie wecken nur immer wieder weitere Wünsche in uns, die wir uns dann erfüllen müssen. Und wir lassen Menschen für uns arbeiten, die wir für das bezahlen, was sie für uns tun. Und wir bilden uns dann ein, dass sie das, was sie tun, ja auch wirklich für uns tun. Aber so ist es nicht und wir wissen es insgeheim auch. Wirkliche Freunde sind etwas anderes und sie sind nicht mit Geld und nicht mit Macht oder Einfluss zu haben.

Und das führt uns zum Zweiten, was uns die Turmbaugeschichte sagen möchte: Unser Gott hat uns für die Gemeinschaft miteinander geschaffen. Und einen ganz wunderbaren Ausdruck hat dieser Wille unseres Schöpfers schon im ersten Satz der alten Geschichte gefunden: „Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache." Wenn Menschen mit derselben Sprache sprechen, dann leben sie in guter Beziehung miteinander, dann ist zwischen ihnen Zuneigung und Liebe, zumindest gegenseitige Achtung und Verständnis. So soll es sein. So kann jeder auch zufrieden und glücklich leben. Wenn einer beginnt, mehr sein zu wollen als andere, reicher, bedeutender und angesehener, dann ist es vorbei mit der Harmonie. Dann prägt sich Ehrgeiz aus, Karrieresucht und Habgier und auf der anderen Seite, bei denen, die nicht so mitkommen im Streben nach oben, wird sich Neid und Missgunst melden und umso stärker werden, je mehr Einzelne aus der Beziehung und der Gemeinschaft mit den anderen hinausdrängen.

Liebe Gemeinde, wir haben wohl alle in uns starke Widerstände gegen das, was uns die Turmbaugeschichte sagen will. Vor allem dachten schon die Menschen damals und denken wir auch heute immer wieder, Gott wolle uns aus Argwohn oder gar um uns klein zu halten, nicht nach oben kommen und unseren Turm nicht allzu hoch bauen lassen. Aber so ist es nicht.

Nehmen wir von heute mit, dass es Gott schon damals und auch heute um das Glück seiner Menschen ging und geht, um ihre Zufriedenheit und ihre gute Gemeinschaft. Es ist wohl leider menschlich, dass wir nach oben wollen, mehr sein und mehr gelten wollen als unsere Mitmenschen. Aber es ist nicht gut so und es ist nicht Gottes Wille. Hören wir es noch einmal, wie es im Anfang war: „Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache."

Die Sprachverwirrung unserer Tage, wie sie zwischen denVölkern, den Religionen, in der Gesellschaft, der Politik, der Nachbarschaft und oft sogar in den Familien herrscht, ist allemal ein Zeichen dafür, dass wir uns weit, sehr weit von dem entfernt haben, wie Gott seine Welt und das Miteinander seiner Geschöpfe gedacht hat. Bitten wir Gott, dass er uns zu diesem Pfingstfest seinen Heiligen Geist sendet, dass er uns hilft, wenigstens in unserem Lebensbereich die gemeinsame Sprache wiederzufinden, die Sprache, die verbindet, nicht trennt, die Sprache, die uns zur Gemeinschaft zusammenschließt und sie nicht gefährdet. Gottes Heiliger Geist schenke uns dazu die Bereitschaft, das in Gedanken, Worten und Taten zu suchen, was der Verständigung, der guten Beziehung untereinander, dem Glück und der Zufriedenheit aller dient. AMEN