Predigt zu Christi Himmelfahrt - 2.6.2011

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Textlesung: 1. Kön. 8, 22 - 24. 26 - 28

Und Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage. Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast.

Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörest das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir.

Liebe Gemeinde!

„Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?", fragt König Salomo bei der Einweihung des Tempels Gottes in Jerusalem. Und Sie und ich haben auch schon oft so oder ähnlich gefragt. Vielleicht hat sich das so angehört: „Wo war Gott, als mein Mann so früh und so schrecklich hat sterben müssen?" - „Hat Gott wirklich mein Leid gesehen, als ich vor Jahren so krank gewesen bin? Und sieht er heute, wie schlecht es mir immer noch geht?" - „Wie konnte Gott das zulassen, dass ich meinen Arbeitsplatz verloren habe und jetzt so lange schon ohne Arbeit bin? Ist er wirklich immer in meiner Nähe?"

Und ich will auch einmal selbst ganz offen sprechen und vielleicht nicht so, wie Sie es von einem Mann / einer Frau der Kirche erwarten: Angesichts der Naturkatastrophen dieses Jahres und der politischen Umwälzungen in vielen arabischen Staaten kommen auch mir viele Fragen nach Gott, etwa diese: Ob er die Erdbeben, Überschwemmungen, Tornados und Vulkanausbrüche vielleicht schickt und ob sie eine Strafe sein sollen (- nur für was)? Ob Gott sie wohl auch verhindern könnte, wenn er wollte? Wenn wir von Gott doch als dem Allmächtigen reden, dann ist für mich die Tatsache schwierig, dass es immer wieder gerade die Ärmsten der Armen trifft.

Und wenn ich sehe, wie viel Blut unschuldiger Menschen das kostet, um z.B. in Syrien oder Libyen die grausamen Machthaber zu beseitigen, die jahrzehntelang ihr Volk ausgebeutet und geknechtet haben, dann frage ich mich auch: Wo ist Gott dabei? Und wie soll ich das mit seiner Güte und Liebe reimen, die uns nicht nur das Volk Israel, sondern auch Jesus bezeugt hat?
Am Ende dieser Gedanken jedenfalls steht für mich die eine große Frage, die auch Salomo stellt: Wohnt Gott wirklich auf Erden? Hat Gott die Welt nicht vielmehr sich selbst überlassen oder dem blinden Schicksal, den Launen der Mächtigen und der unberechenbaren Gewalt der Natur?

Über alledem fällt uns jedenfalls das Lob Gottes oft schwer und wir können nicht fröhlichen Herzens einstimmen, wenn Salomo und die Gemeinde Israels rühmt: „HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen ..."

Vor Gott „wandeln von ganzem Herzen" ... Wenn wir in der Welt und unserem persönlichen Leben so viele schreckliche und beängstigende Dinge erleben, wenn sich gerade in diesem Jahr so ganz offensichtlich die Naturkatastrophen häufen, liegt das nicht am Ende doch daran, dass wir eben nicht „vor Gott" wandeln, also nach ihm fragen und auf seinen Willen hören? Und dass wir mit und von „ganzem Herzen" bei der Sache Gottes wären, das können wir nun wirklich nicht behaupten! - Aber kommen wir, wenn wir hier konsequent weiterdenken, nicht unweigerlich zu einem Bild von Gott, das nicht dem entspricht, das Jesus Christus uns vor die Augen und Herzen gestellt hat? Wäre das nicht eher das Bild eines unbarmherzigen, strafenden Gottes, eines kleinlichen Richters, eines Rechenmeisters, der jedem Menschen seine Schuld anrechnet, ihm mit gleicher Münze vergilt und ihm jede Bosheit heimzahlt. - Und sagen wir es ruhig: So einen Gott möchten wir nicht haben! Und solch einen Gott hat uns Jesus auch nicht bekannt gemacht.

Wie kommen wir heraus aus diesem Denken? - und das wollen wir, denn an einen solchen Gott können und wollen wir nicht glauben, zu einem solchen Gott können wir kein Vertrauen haben! Schließlich hat uns Jesus Christus doch den Glauben und das Vertrauen zu Gott als unserem „Vater" vermittelt!

Liebe Gemeinde, hören wir noch einmal auf die Worte, die König Salomo bei der Tempeleinweihung betet: „Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?" Ich glaube, hier liegt der Schlüssel, der uns trotz all unserer Fragen und auch wenn sie unbeantwortet bleiben die Tür zum Glauben an einen barmherzigen Gott und zum Vertrauen zu ihm aufschließen kann: Nein, der Tempel, den Salomo gebaut hat, konnte Gott nicht fassen. Und nein, auch das Gotteshaus, in dem wir jetzt sitzen und Gottesdienst feiern, kann Gott nicht fassen. Aber auch unser Verstand ist viel zu gering, als könnte er Gottes Denken nachvollziehen. Und auch unser Herz ist viel zu klein, um hinter den Taten Gottes ihren tieferen Sinn zu erkennen. Wir sehen nur die Ereignisse, die uns treffen. Die frohen und schönen Dinge nehmen wir meist frag- und danklos hin. Die schlechten ziehen uns herunter, stürzen uns in Kummer und Sorgen, lassen uns jammern und zweifeln. Den großen Zusammenhang, in dem diese Dinge geschehen, sehen wir nicht. Das Leid, selbst das größte, hat aber oft auch eine ganz andere Seite - oft sogar eine gute. Nur: wir können sie mit unserem kleinen Verstand nicht erkennen und selbst wenn das Leid einmal wieder vorbei ist, sehen wir nicht oder wollen wir nicht sehen, was auch an Gutem darin lag und wie es uns doch auch weiter gebracht hat.

Was wir heute aber erkennen können, ist dies: Das ist so, weil Gott so viel größer ist als unsere Tempel und Kirchen. Weil seine Weisheit, seine Güte, seine Liebe und seine Barmherzigkeit schon gar nicht in unseren kleinen Verstand hineinpassen und unser kleines Herz sie nicht begreifen, ja, wohl nicht einmal erahnen kann! Denn es ist, wie Salomo sagt: Nicht einmal „der Himmel und aller Himmel Himmel können Gott fassen!" Aber noch einmal: Wir können erkennen, dass es so ist! Und dann können wir aufhören, immer wieder neu, wenn in unserem Leben oder in der Welt etwas geschieht, was uns Leid und Kummer bringt, Gottes Weisheit, Güte, Liebe und Barmherzigkeit in Zweifel zu ziehen. Und dann werden die Ereignisse, so schwer sie auch sein mögen, auch nicht mehr unseren Glauben in Frage stellen!

Nun weiß ich schon, dass sich das einfacher anhört, als es ist. Aber das Gebet Salomos nennt noch eine wichtige Hilfe, die er hatte und die wir auch haben. Von dieser Hilfe spricht er mit diesen Worten: „Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörest das Flehen und Gebet deines Knechts ... vor dir." Bei aller Größe und Majestät Gottes ist das eben sein wunderbares und eigentlich kaum glaubliches Geschenk an seine Menschenkinder: Dass er doch hört, wenn sie zu ihm flehen, dass er seine Augen und Ohren auf die Beter richtet und immer wieder auch erfüllt, was sie von ihm erbitten.

Vielleicht ist das in einer Zeit, in der menschliche Forschung immer tiefer in die Geheimnisse des Lebens eindringt, die Gene entschlüsselt und den Ursachen der Krankheiten auf die Spur kommt, ja schwieriger geworden, anzunehmen und zu bejahen, dass Gott immer noch viel größer ist und bleibt als unser Verstand. Und vielleicht wirkt es ja angesichts der scheinbaren Machbarkeit aller Dinge, der mit Riesenschritten fortschreitenden Entwicklungen mit immer mehr Möglichkeiten in der Kommunikation, der Technik und der Wissenschaft fast ein wenig lächerlich, wenn uns das Gebet des Salomo auf das Bitten und Flehen zu Gott weist. Aber im Gebet liegt trotz allen vermeintlichen Fortschritts und der nur eingebildeten Größe des Menschen die wichtigste Macht, die der große Gott uns in die Hand gegeben hat. Nicht den Machern, sondern den Betern ist es verheißen, das Herz des Vaters zu erreichen!

Geben wir uns damit zufrieden zu erkennen, dass wir Gottes unermessliche Größe niemals fassen können. Fangen wir an, das Gebet als die Macht zu entdecken, die Gott uns geschenkt hat, ihm zu sagen, was uns quält und freut, was wir erbitten und wofür wir danken. - „HERR, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen ..." AMEN