Predigt zum 2. Sonnt. nach Epiphanias - 14.1.2007

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Textlesung: Mk. 2, 18 - 22

Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten viel; und es kamen einige, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, und deine Jünger fasten nicht? Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, an jenem Tage. Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab, und der Riss wird ärger. Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche, und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man soll neu- en Wein in neue Schläuche füllen.

Liebe Gemeinde!

Auf den ersten Blick erscheinen uns diese Verse sehr weit weg von unserem heutigen Leben, zumal als evangelische Christen. Das „Fasten", so wie es hier gemeint ist, also aus religiösen Gründen, kennen wir eigentlich nur noch aus Geschichten, Romanen oder Filmen aus älterer Zeit oder aus manchmal fragwürdigen Witzen, wie sie über streng katholische Menschen oder dem Weltgenuss zugewandte Klosterleute und ihre Probleme mit der Passionszeit erzählt werden. Wir denken bei „Fasten" eher an unsere (meist erfolglosen) Versuche mit bestimmten Diäten oder an die Vorbereitung einer Untersuchung beim Internisten. Können wir also mit den Worten, die ich eben vorgelesen habe, gar nichts mehr anfangen?

Nun, vielleicht ist das ja ein Zugang zu diesen Versen: Jesus nennt sich selbst hier den Bräutigam. Er meint damit, dass er keinen Anlass zum Fasten bietet, also zum Verzicht und vielleicht zur Qual durch den Entzug von Nahrung, sondern einen Grund zur ausgelassenen Freude! Mit ihm beginnt etwas Neues, das Reich Gottes! Er ist der Bräutigam der ewigen Hochzeit, die Gott ihm und allen Menschen als Gästen ausrichtet. Wo Jesus ist, da ist nicht Fasten, Trauern und sich quälen - wo er ist, da hat man einen Anlass zum Feiern, zum Fröhlichsein und zum Fest. Junger, neuer, brausender Wein gehört nicht in alte spröde Schläuche. Sonst werden sie reißen und der gute Wein ist verloren.

Ja, das ist schon eine Botschaft, die sich hören lässt. Da können wir etwas davon behalten, mitnehmen und in unserem Christenleben beherzigen: Jesus Christus passt nicht zu Trauer, zum Jammern und Klagen, so wie in einen Festsaal keine Gäste in Lumpen und mit bitteren Mienen passen.

Aber es liegt noch mehr in diesen Worten vom Fasten oder Feiern, vom Alten und vom Neuen ... Ich will ihnen die Verse, die wir vorhin gehört haben, einmal sozusagen im neuen Kleid vortragen. Und ich lasse sie in unseren Tagen spielen, ich glaube, dann sprechen sie deutlicher zu uns:

In einer christlichen Gemeinde ganz in unserer Nähe gab es Leute, die nahmen es sehr ernst, dass sie Christen waren. War ein Angehöriger gestorben, dann hielten sie genau das Trauerjahr ein. Die Taufe und die Konfirmation nahmen sie mehr als Aufgabe, denn als Gabe und Hilfe Gottes zum Leben. Überhaupt waren ihnen die Jahre in dieser Welt eher von Pflicht bestimmt, eine Bewährung - und weniger eine Freude oder ein Geschenk. Aber es gab in der selben Gemeinde auch andere: Glauben zu können, von Jesus Christus zu wissen und ihn zum Bruder zu haben, war für sie das größte und schönste Geschenk Gottes. Wenn ein lieber Mensch heimgegangen war, dann weinten sie wohl auch, aber nach einiger - meist kurzer - Zeit, setzte sich bei ihnen doch der Gedanke durch: Diese Menschen sind jetzt bei Gott! Sie haben ein neues, herrliches Leben in seiner ewigen Welt. Und wir werden uns ja einmal wiedersehen! Und wenn dieser Gedanke sich bei ihnen durchgesetzt hatte, legten sie die Trauerkleider ab, gleich ob nun erst ein paar Wochen oder Monate nach dem Abschied vergangen waren. Wenn sie ihre Kinder zur Taufe brachten, dann war ihr Herz davon erfüllt, dass ihr Kind nun zu Gott gehörte, sein Kind war und unter seinem Segen sein Leben führen durfte. Die Konfirmation verstanden sie als die Feier, in der sie ihre Töchter und Söhne ganz in die Hände Jesu Christi legten, sie ihm anvertrauten und sich selbst gar keine Sorgen mehr um sie machen mussten. Dass sie Christen waren, sein durften, bedeutete für diese Menschen in erster Linie eine große Gnade Gottes und nichts, was ihnen wie ein Last auf der Schulter lag.

Eines Tages aber fragten die eher ernsthaften Christen die anderen: Warum haltet ihr die Trauerzeit nicht ein? Warum könnt ihr nach euren Taufen und Konfirmationen ausgelassen feiern und seht anscheinend gar nicht, worum es bei diesen Anlässen eigentlich geht? Ja, wie kommt es, dass ihr überhaupt so leichtlebig seid, so wenig ernsthaft um ein gottgefälliges Leben bemüht und so gar nicht die Schwere und Verantwortung erkennt, die uns als Christi Nachfolger aufgebürdet ist?

Liebe Gemeinde, ich will auch jetzt nicht passen, wenn es heißt: „Und Jesus sprach zu ihnen ..." Ich will niemand kränken und niemanden schulmeistern, der sich doch gewiss um ein christliches Leben bemüht. Andererseits kann und darf ich nicht anders sprechen. Denn es ist mein Auftrag das Evangelium zu verkündigen, wie ich es in diesen Versen erkenne. Darum geht die Sache, übertragen in unsere Zeit, jetzt so weiter:

Jesus, wenn er heute zu den ernsthaften Christen dieser Gemeinde käme, würde vielleicht so sprechen: Wie können Christen, die an mich glauben, die Trauer bei einem Abschied so lange durchhalten? Wissen sie denn nicht, dass ich für alle Menschen gestorben und auferstanden bin? Wissen sie denn nicht, dass der Tod besiegt ist in Ewigkeit? Wissen sie denn nicht, dass ihre Lieben jetzt in einem neuen, wunderbaren Leben bei Gott, unserem Vater, sind? Gewiss dürfen sie traurig sein, wenn ihnen in den ersten Wochen nach dem Tod eines lieben Menschen alles fehlt, was dieser Mensch für sie gewesen ist. Und gewiss ist es schwer, die Einsamkeit und die Leere dieser ersten Zeit allein zu ertragen. Aber irgendwann - und nicht erst nach einem Jahr - muss sich doch die Freude durchsetzen: Dieser liebe Mensch ist jetzt zu Hause, da, wo er hingehört und wo er eine ewige Wohnung hat. Und eure Taufen und Konfirmationen? Ihr Gewicht liegt nicht in ihrem Ernst, nicht in der Erfüllung von Pflicht oder der Übernahme der Last eines Lebens an der Hand unseres himmlischen Vaters. Der Segen ist das Wesentliche! Das Geschenk des Vaters an seine Kinder. Sein Wort an seine Menschen: Ihr gehört zu mir! Niemand kann euch je aus meiner Hand reißen, nicht Leid, nicht Krankheit, nicht Tod ... Alles ist schon entschieden: Eure Zukunft in Ewigkeit ist das Leben!

Euer ganzes Christentum ist so schwer, so gewichtig, so wenig fröhlich, so unerlöst ... Wie ist das denn, wenn ihr eine neue Wohnung bezieht, kauft ihr dann nicht auch - wenn es irgend geht - neue Möbel? Und wenn euch zuerst das Geld fehlt, tauscht ihr dann nicht nach und nach den Schrank, die Sessel, die alten Tische gegen neue aus? Einfach deshalb, weil alte Möbel nicht in eine neue Wohnung passen. Oder wenn ihr an einer neuen Arbeitsstelle beginnt, erwartet ihr dann, dass alles genauso läuft wie in der alten Firma? Werdet ihr euch nicht vielmehr damit zurückhalten, gleich allen zu sagen, wie ihr dieses oder jenes früher gemacht habt und stattdessen lieben sehen, hinschauen und in euch aufnehmen, wie es am neuen Ort ist und wie die Arbeit dort vonstatten geht?

Liebe Gemeinde, bleiben wir in diesen Bildern: Wir Christen leben allemal schon heute in einer neuen Wohnung! Und wir haben, um es so zu sagen, einen Hausgenossen und einen Hausherrn, der uns ein ewiges Bleiberecht versprochen hat. Wie sollte denn diese ewige Wohnung auch schon in dieser Zeit nicht voller Lobgesang und Freude sein? Wie soll hier denn nur immer der Ernst regieren und die Trauer über das, was wir hatten und was nicht mehr ist? Es gibt keinen wirklichen Grund für Traurigkeit und böse Erwartung. Wir müssen uns ein für allemal nicht mehr sorgen: Alles ist schon gewonnen durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Und wir arbeiten als Christen auch alle an einer Stelle, die uns engagiertes und fröhliches Arbeiten ermöglicht! Wir dürfen hier auch Zeit für die Mitmenschen aufwenden. Keiner wird uns ermahnen, dass wir eine bestimmte Leistung erbringen müssten. Der „Arbeits"-platz wird uns auch von niemandem streitig gemacht und wir können ihn nicht verlieren, weil es der Firma vielleicht schlecht geht. Unser Betrieb wird in Ewigkeit nicht Konkurs machen! Und der Lohn, den wir erhalten, wird sofort ausgezahlt, noch am selben Tag, zur selben Stunde: In der Freude, die es macht, mit anderen Menschen als Schwestern und Brüder Jesu Christi zu leben und zu arbeiten, in der Dankbarkeit, die zurückkommt, wenn wir mit unseren Gaben und Kräften anderen Menschen helfen, im Wissen, dass für uns im Leben und im Tod gesorgt ist.

Wahrhaftig: Menschen wir wir, Christen in der Nachfolge Jesu, seine Geschwister und Miterben der Ewigkeit können nicht immer ernst, immer wie belastete und bedrückte Menschen leben. Ihre Freude muss hinaus in die Welt, hinaus in die Herzen der Nächsten und der Fernen, hinaus in Wort und Gesang, in Lob und Dankbarkeit gegenüber unserem Vater im Himmel! Alles alte, Schwere und durch unseren Herrn Überholte passt nicht zu der neuen Zeit, die für uns schon angebrochen ist! AMEN