Predigt zum 1. Sonntag nach Epiphanias - 7.1.2007

[Alternative Predigt zu dieser hier] [Predigten, Texte, Gedichte...] [Heiter verreimter Ertrag aus 25 Jahren] [Mein Klingelbeutel] [Liturgieentwurf zur akt. Predigt]

Mein besonderes Angebot: die aktuellen Predigten auf meinen Seiten zwei, bei Dike meist drei Wochen im Voraus! 
Für jede aktuelle Predigt bitte ich Sie um eine Klingelbeutelspende von 0,50 €! Für die Liturgie, die in der aktuellen Woche spätestens Mittwoch erscheint, bitte ich um 0,30 €. Alle weiteren Tarife hier.

Textlesung: Jh. 1, 29 - 34

Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser. Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.

Liebe Gemeinde!

Es geht um viel in dieser Geschichte von der Begegnung Jesu mit Johannes: Um die Sünde der Welt, die Jesus trägt, um die Taufe mit der Johannes und dann Jesus tauft: Der eine mit Wasser, der andere mit dem Heiligen Geist. Und es geht um das Zeugnis über das, was Johannes an Jesus gesehen und erfahren hat und was er jetzt weiß: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Dieser ist Gottes Sohn!

Aber es geht um noch mehr - und das in einem anderen, persönlichen Sinn: Es geht darum, ob die Juden damals dem Zeugnis des Täufers glauben und ob wir das heute tun und von Herzen einstimmen können in diese Worte: Ja, dieser Jesus Christus ist Gottes Sohn!

Nun wissen wir ja: Den Glauben an dieses Lamm Gottes, das der Welt und unsre Sünde trägt, kann niemand uns vermitteln oder geben, so wie man einen mathematischen Lehrsatz vermittelt oder einen klaren Beleg für eine Wahrheit weitergibt. Glaube ist und bleibt immer ein Geschenk. Wichtig und wahr ist und bleibt aber auch, dass es Menschen gibt, die uns wie der Täufer damals dafür den Glauben einstehen und Zeugnis ablegen. Und - vielleicht das wichtigste überhaupt dabei - glauben zu können oder nicht kann über Leben oder Tod entscheiden. „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht", sagt schon der Prophet Jesaja (Jes.7,9). Und bei Matthäus steht: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, dann könntet ihr Berge versetzen" (Mt. 17,20)! Und schließlich sagen wir es auch im Glaubensbekenntnis, dass wir den Glauben für stärker halten als der Tod: „Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben."

Wenn also der Glaube ein Geschenk ist, auf der anderen Seite aber so viel von ihm abhängt, dann müssten wir vielleicht einfach wieder mehr auf die Zeugen hören, die uns ihren Glauben in Worten und Taten zeigen und bekräftigen. Beim Glauben an Jesus Christus war einer der ersten Zeugen wohl eben dieser Johannes, den wir den Täufer nennen. Und wie ist es ihm ergangen? (- und da meine ich nicht sein persönliches Schicksal, das war nicht schön, vielmehr gewaltsam und schrecklich.) Er hat wenig Gehör gefunden bei den Juden, besonders bei denen, die sich für fromm und untadelig hielten. Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben den Glauben an Jesus Christus nicht angenommen. Und die Taufe der Buße und der Vorbereitung auf dieses „Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt", haben sie nicht an sich geschehen lassen. Wie ist es ihnen ergangen? Mussten sie das spüren: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht?" Wir wissen es nicht, jedenfalls nicht für die frommen Juden im Einzelnen und persönlich.

Was wir aber wissen: Wir - jede und jeder von uns - stehen heute in unserem Leben wieder vor der selben Entscheidung. Fassen wir Glauben an diesen Herrn? Lassen wir uns das Zeugnis des Täufers sagen, vertrauen wir dem, was er uns nahebringen will: „Dieser ist Gottes Sohn!"?

Aber es gibt ja noch viele andere, die uns genauso für den Glauben an Jesus Christus einstehen: Menschen aus unserer Familie vielleicht, unser Großvater, die Mutter, die Schwester oder unsere Tochter. Diese Menschen haben in ihrem Leben zum Glauben gefunden und können das bezeugen: Dieser ist Gottes Sohn!

Aber es gibt auch noch andere in unserer Nähe und Umgebung, die sprechen auch an bestimmten Lebensstationen vom Glauben und dass sie ihn im Herzen haben: Die Pfarrerin, die uns konfirmiert hat, der Religionslehrer in der Grundschule, der Jugendleiter im Bibelgesprächskreis, in dem wir eine Zeitlang waren, der Arzt, der uns vor der Operation mitgeteilt hat, dass er sein Bestes tun wird, dass aber ein anderer Gelingen und Heilung schenken muss ...

Wenn also der Glaube Geschenk ist und von ihm viel, ja, alles abhängt, dann sollten wir an dieser Stelle eintreten in den Kreis des Glaubens: Dort wo er uns bezeugt wird, dort wo die Menschen, die schon glauben, uns davon sprechen, wer und was Jesus Christus für sie ist. Ich denke, an dieser Stelle können wir wirklich selbst etwas mithelfen, das Glaubensgeschenk von Gott zu erhalten. Er, der unser Vater ist, möchte vielleicht wie ein irdischer Vater unseren Wunsch hören, seinem Sohn glauben zu können. Würden wir nicht auch lieber dem unserer Kinder die Gabe geben, von dem wir wissen, dass es sich nach dieser Gabe sehnt und sie dann auch nutzt und in Ehren hält?

Ich möchte ihnen noch eine Geschichte dazu vortragen, zugegeben eine sehr drastische Geschichte. Aber vielleicht macht sie uns deutlich, was da auf dem Spiel steht, wenn wir dem Glaubenszeugnis für Jesus Christus kein Vertrauen entgegenbringen:

Die Eule

Eine Eule verirrte sich in der Kirche. Durch die Pforte war sie hinein geflogen, doch dann hatte jemand die Türe verschlossen. „Wo ein Eingang ist, muss auch ein Ausgang sein", sagte sie sich immerzu vor und flatterte dorthin, wo es am hellsten war. Sie prallte gegen ein Fenster und stieß sich gehörig den Kopf. „Wo nichts zu sehen ist, kann auch nichts sein!" - wiederholte sie einen Lehrsatz aus einem der schlauen Bücher, die sie studiert hatte. Und dann flog sie wieder gegen die Scheibe, die sie für nichts hielt. Immer wieder stieß sie sich den Kopf an dem Unsichtbaren.

An einer Wand war die Arche Noah gemalt. Die Taube aus der Arche hatte das törichte Benehmen der Eule beobachtet. Sie lachte die Eule sehr freundlich an und sprach: „Ich möchte dir sagen: Rechne mit dem Unsichtbaren, sonst holst du dir den Tod." Die Eule aber spottete: „Was willst du mich schon lehren?" Noch dreimal stieß sie in vollem Flug gegen die Scheibe. Dann sank sie mit gebrochenen Flügeln an der Fensterwand herunter und starb.

Hätte sie die Worte der Taube für wahr genommen, sie hätte sich an ihrem Unglauben nicht den Tod geholt. (Heinz Gerlach: Salz zum Würzen 1983)

Wie gesagt: sehr drastisch. Aber haben sie nicht auch in den Gedanken der Eule das erkannt, was viele Zeitgenossen heute sagen - am Ende gar wir selbst!? „Wo nichts zu sehen ist, kann auch nichts sein." Vielleicht hört sich das auch so an: „Ich glaube nur, dass ein Viertelpfund Rindfleisch eine gute Suppe gibt!" Oder so: „Ob es noch mehr gibt als dieses Leben und diese Welt weiß ich nicht, es ist noch niemand zurückgekommen!"

Die Taube aus der Arche, die hier als Zeugin für den Glauben auftritt, wusste es besser: „Rechne mit dem Unsichtbaren!" Aber die Eule reagiert so, wie wir es auch aus unseren Tagen und unserem Leben kennen: „Was willst du mich schon lehren?" Und auch das wird manchmal in andere Worte gekleidet: „Was will denn der, der ist doch nicht von hier, der hat doch auch nicht mehr Ahnung, der hat doch nicht einmal Mittlere Reife, der kann doch seine Familie kaum ernähren ... In jedem Fall wird etwas gesucht, was den Menschen, der uns einen vielleicht sehr guten, ja lebenswichtigen Rat geben wollte, herabzuziehen und das was er sagt, als unbedeutend abzutun. Warum die Menschen das tun? Ich glaube, um sich nur ja nicht mit dem beschäftigen zu müssen, was der Mensch ihnen sagen wollte: Weil es mühsam ist, weil es eine Veränderung verlangt, weil es bequemer ist, wenn alles so bleibt wie es ist ...

Das drastische Beispiel von der Eule, die ja doch ein besonders kluger Vogel ist!, zeigt deutlich, was das kosten kann, alles immer wieder abzutun, was uns zum Beherzigen vorgelegt wird. Hätte sie die Worte der Taube für wahr genommen, sie hätte sich an ihrem Unglauben nicht den Tod geholt."

Liebe Gemeinde, zurück zu Johannes dem Täufer und den anderen Zeugen, die am Weg unseres Lebens stehen und gestanden haben: Bedenken wir, was sie uns sagen und beschäftigen wir uns mit ihren Worten. Es kann unser Leben davon abhängen - übrigens nicht erst das Leben in Gottes neuer Welt, auch dieses Leben hier und heute: „Siehe, Jesus Christus ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn." AMEN