Predigt zur Jahreslosung 2007 - 1.1.2007

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Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? - Jesaja 43,19a

Liebe Gemeinde!

Bei diesem schönen Losungswort gehen die Gedanken ja wie von selbst dahin ... Ich sehe Bilder vor Augen ... ein Gärtner, der vielleicht mitten im Winter seinen Garten für den Frühling vorbereitet: Er gräbt an einigen Plätzen den Boden um, lockert die Erde für neue Bäume und Sträucher ... hier und da bringt er Samen von Pflanzen aus ... an anderen Stellen steckt er Blumenzwiebeln ... Schneeglöckchen ... Krokusse ... Hyazinthen ... Aber er tut das nicht unbedacht und planlos. Er pflanzt, sät und steckt so wie er sich das schon lange vorgenommen hat. Sein Garten ist sein Alles! Er soll schön aussehen, die Pflanzen sollen gedeihen, genug Sonne bekommen und keimen, wachsen und blühen ... in allen Farben des Regenbogens. Und ich denke mir, der Gärtner will keinen Ertrag! In seinem Garten geht es nicht darum, welche Früchte er am Ende erntet oder wie dick sie sind. Ihm geht es um die Bäume, die Blumen, die Gräser und die Sträucher selbst: Es soll ihnen gut gehen. Weder an Nährstoffen noch Licht, weder an Luft noch Wasser soll es ihnen fehlen. Alles soll gut gedeihen. Sein Garten soll wie das Paradies sein. Und - ja - er will sich freuen an ihm, ein wenig Freude will er schon aus seiner Arbeit an seinem Garten ziehen.

Es ist klar: Dieser Gärtner ist Gott. Er, der Schöpfer aller Dinge, muss nicht von seinem Garten leben. Es ist umgekehrt: Der Garten lebt von ihm! Und es ist, wie der Psalmist es ausdrückt: „Gott, du säst Menschen aus von Jahr zu Jahr ..." (Ps. 90,5) Und es ist mit uns Menschen, wie ich es eben beschrieben habe: Unser Platz im Garten der Welt entspricht dem Plan Gottes. Der ewige Gärtner hat alles getan, dass wir wachsen und gedeihen können. Der Boden ist gut. Sonne und Regen wechseln wie es sein muss. Es fehlt uns nicht an Nahrung und Luft. Und auch das ist wie im Bild, das ich vorhin beschrieben habe: Gott braucht nicht irgendeinen Ertrag unseres Lebens. Er sieht nicht um seinetwillen nach den Früchten unserer Arbeit und unserer Jahre. Alles was er will ist Freude, die Freude, die es macht, wenn ein Garten ein schönes, buntes und harmonisches Bild abgibt. Alles, was Gott will, ist dies: Dass seine Menschenkinder in seiner Welt fröhlich und miteinander freundlich zusammenleben und jeder sein Lebensrecht hat und jeder sein Auskommen.

Ja, liebe Gemeinde, der Garten der Welt entspricht dem nicht - er ist an vielen Stellen zerstört. Statt Harmonie herrscht Krieg. Wo alle gut leben sollen, haben sich einige ein Vielfaches von dem gesichert, was ihnen zusteht ... Und so ist es wohl schon seit den Schöpfungstagen. Und nur hier und dort kann sich der große Gärtner an dem erfreuen, was er gesät und gepflanzt hat: Ein kräftiger Baum mit ausladenden Ästen, in dem die Vögel des Himmels singen. Ein Rosenbeet, das mit prächtigem Gelb fast die Augen blendet. Eine herrliche Sommerwiese mit Stiefmütterchen und Pusteblumen darin ...

Wir wollen nun nicht fragen, was wir in Gottes Garten sind. Wir wollen schon gar nicht einander auf unsere Früchte prüfen oder einer dem anderen vorhalten, wie gerade wir doch gewachsen sind. Wir wollen noch einmal auf die Worte der Jahreslosung für die kommenden 12 Monate hören und dann ein weiteres Bild betrachten, das ich auch in diesen Worten erkenne: Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?

Ich denke mir, nicht nur Gottes Welt, auch unser persönliches Leben ist wie so ein Garten. Auch mit uns hat der „Gärtner" seinen Plan. Auch den Boden unseres Lebens gräbt er immer wieder um, auch bei uns setzt er die Pflanzen, sät die Blumen und Gräser. Und er sorgt dafür, dass es wachsen kann, dass es keimt und treibt und schließlich die Frucht der Blüte folgt. Und auch mit uns hält Gott es so: Er will die Früchte nicht für sich! Wir sollen sie vielmehr mit den anderen Menschen, denen in der Nähe und in der Ferne teilen. Was er will ist, dass er Freude an uns haben kann.

So ist im Garten unseres Lebens vieles ähnlich wie im großen Garten der Welt. Eines aber ist anders. Ich meine das, was wir persönlich tun können, was wir beitragen können dafür, dass wir gut wachsen, zur rechten Zeit blühen, Früchte für andere bringen und so unserem Gott Freude machen. Im Garten der Welt hat jede einzelne Pflanze nur geringe Bedeutung. Im Garten unseres Lebens liegt zwar manches an der Pflege und den Bedingungen, die uns der Gärtner schafft, viel aber liegt auch an uns selbst: Denn wir können uns die Hand des Gärtners gefallen lassen oder uns ihr entziehen. Wir können mit dem Auskommen, das Gott uns schenkt, zufrieden sein oder das beanspruchen, was anderen gehört und was sie zum Leben brauchen. Und wir können schließlich unser Leben auf der Behauptung aufbauen, wir verdankten alles, Licht, Luft, Wachstum, Blüte und Frucht uns selbst. So und mit noch anderen Gedanken, mit Eigensinn und Selbstsucht verderben wir unserem Gärtner, unserem Gott, die Freude.

Heute aber, an diesem Punkt unseres Lebenslaufs, wie unsere Jahre bisher auch immer gewesen sein mögen, hören wir dieses Wort Gottes - und es will uns und unserem Leben einen neuen Anfang setzen: Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?

Es ist heute, wie wenn der Gärtner mit einem Baum, einem Beet, einer Ecke des Gartens noch einmal einen ganz neuen Anfang macht. Bei der einen gibt er noch ein wenig mehr Liebe hinein. Beim anderen weckt er den schlafenden Keim des Glaubens. Einer dritten stärkt er die Hoffnung. Bei einem vierten lässt er die Knospe der Treue oder der Geborgenheit hervorbrechen. Auch das tut er im Sinne seines großen Plans mit seinen Menschen und so, dass sie noch einmal kräftigeren Wuchs, schönere Farben und größere Früchte bekommen: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf! Es wird an uns liegen, ob wir uns Gottes liebevolle Pflege im begonnenen Jahr gefallen lassen. Und es wird auf unsere Augen, Ohren und unser Herz ankommen, ob wir das, was seine gütigen Hände mit uns tun, überhaupt wahrnehmen. Denn unser Gott ist leise, arbeitet an uns in der Stille und tut selbst seine Wunder an uns vorsichtig und ohne uns fest anzupacken. Ob er wohl deshalb am Ende dieses Losungsworts fragt: Erkennt ihr's denn nicht?

Wir müssen schon genau hinsehen, feinfühlig werden und selbst Wunder für möglich halten: Wenn ein Krokus durchbricht durch harten Boden, dann sehen unsere Augen, wenn sie nur deutlich hinschauen, schon vorher feine Sprünge in der Erdkruste. So ist das auch mit der Liebe, die Gott uns in diesem Jahr - vielleicht durch andere Menschen - schenken will! Gehen wir behutsam mit den ersten Zeichen der Liebe um, dass wir nichts zerstören, was wachsen will! Und wenn zwischen anderen Pflanzen der zarte Stengel einer besonders schönen Blume zum Licht treibt, dann müssen wir auf die Farbe achten und die feine, andere Blüte, die dort ihr Köpfchen nach oben streckt. So ist es mit dem Glauben genauso! Sehr zart ist er am Anfang. Aber doch schon deutlich und wunderbar anders gefärbt. Geben wir ihm Zeit und Raum, dass er sich entwickeln kann und seinen herrlichen Blütenkelch entfaltet und später die besten Früchte treiben kann.

Auch die Hoffnung, die Treue, die Geborgenheit in ihm will Gott im Garten unseres Lebens pflanzen und vielleicht wieder neu säen oder durch seine Arbeit an uns neu aus dunkler Erde hervorholen. Lassen wir's geschehen! Es ist der gute Gott, der unser Bestes will: Gesunden aufrechten Wuchs, Blühen und Frucht, Farbe und Schönheit. Wehren wir uns doch nicht gegen seine Hände! Lassen wir uns seinen Plan gefallen. Dann kann dieses Jahr das Jahr werden, in dem der Garten unseres Lebens reichlich Früchte trägt, die wir an unsere Nächsten weiterschenken können. Ein Jahr der Freude für Gott, den Gärtner der Welt und unseres Lebens. Ein Jahr der Dankbarkeit auch an den, der uns geschaffen hat und uns alle Gaben und die Verheißung eines Lebens gegeben hat, das in Ewigkeit nicht endet.

Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Vielleicht denken Sie in der kommenden Zeit immer wieder einmal an das Bild vom Garten und an den Gärtner, der ihr persönliches Leben mit viel Liebe und unendlicher Fürsorge und Geduld gestalten und begleiten will!?

Ich wünsche Ihnen für das Jahr 2007 Gottes Segen! AMEN