Predigt zum 4. Sonntag nach Trinitatis - 9.7.2006

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Textlesung: 1. Petr. 3, 8 - 17

Endlich aber seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, daß ihr den Segen ererbt. Denn "wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun" (Psalm 34,13-17). Und wer ist's, der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert? Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht; heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht, und habt ein gutes Gewissen, damit die, die euch verleumden, zuschanden werden, wenn sie euren guten Wandel in Christus schmähen. Denn es ist besser, wenn es Gottes Wille ist, daß ihr um guter Taten willen leidet als um böser Taten willen.

Liebe Gemeinde!

Ein Satz aus diesen Versen des Petrusbriefes ist in meiner Bibel fett gedruckt - und in Ihrer wahrscheinlich auch: "Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist". Dieser Satz war den Lesern der Bibel anscheinend immer besonders wichtig. Aber warum? Und ist er das auch für uns?

Gewiss, werden Sie sagen, dieser Gedanke ist für uns Christinnen und Christen heute auch sehr wesentlich: Dass wir jederzeit jedem Menschen, der uns fragt, klare Auskunft geben können, woran wir glauben und worauf wir hoffen. Und ich denke, dass sie mit mir einig sind, dass die vielen anderen guten Gedanken, von denen Petrus in diesem Abschnitt seines Briefes schreibt, dahinter einmal zurücktreten können - wenigstens für diese Predigt.

Denken wir also darüber nach, was denn die Rechenschaft sein könnte, wenn einer nach dem Grund christlicher Hoffnung fragt. Und stellen wir diese Frage auch ganz persönlich: Was würden wir antworten, wenn einer von uns wissen wollte, warum wir an Jesus Christus glauben und auf die Auferstehung und das Leben in Gottes neuer Welt hoffen?

Wir merken da ganz schnell, dass es noch einigermaßen leicht fällt, etwas zur allgemeinen Begründung des Glaubens und der Hoffnung zusammenzubringen - vielleicht so: Warum wir Christen Glauben und Hoffnung haben? Weil Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat, dass er den Willen seines himmlischen Vaters verkündigt, für unsere Schuld leidet und stirbt und uns durch sein Opfer am Kreuz die Auferstehung und das Ewige Leben verdient. Vielleicht würden uns auch ein paar passende Bibelverse einfallen - solche zum Beispiel: "Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben!" (Jh. 14,19) Oder: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt." (Jh. 11,25)

Schwieriger ist es da schon, etwas Persönliches zu formulieren, Gedanken, die aus unserem Herzen kommen und das wiedergeben, was uns im Innersten berührt und bewegt und uns Halt gibt - im Leben und im Sterben. Vielleicht meinen wir jetzt ja auch, wir könnten das eigentlich überhaupt nicht mit Worten ausdrücken. Oder wir würden sogar sagen: Was ich tief drinnen in meinem Herzen glaube und hoffe, geht niemanden etwas an. Das ist eine Sache zwischen meinem Gott und mir und sonst keinem!

Liebe Gemeinde, ich denke, Petrus hätte akzeptiert, wenn wir nur schwer oder vielleicht auch gar nicht über diese Dinge reden können, weil uns die Worte und Ausdrucksmöglichkeiten fehlen. Dass es aber niemanden etwas anginge, das hätte er nicht akzeptiert, denn dieser Vers sagt genau das Gegenteil: "Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist". Außerdem: Wenn die Christen der ersten Zeit und aller Zeit nicht von ihrem Glauben und Hoffen gesprochen und gezeugt hätten, dann hätte auch uns niemand das Evangelium von Jesus Christus verkündigt und wo heute unsere Kirche steht, stünde - wahrscheinlich - eine Moschee! Den Missionsbefehl Jesu: "Geht hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker ...", hätten die Christen vor uns auch nicht befolgt und auch wir würden ihn nicht erfüllen! - Wie kommen wir hier weiter? Wie kann man über etwas sprechen, über das man nicht sprechen kann? - Man kann es üben!

Schauen wir doch einmal, wie Jesus und große Vorbilder des Glaubens von dem gesprochen haben, was ihre Hoffnung war und woran sie glaubten. Und fangen wir bei Jesus an:

Immer wieder malt er uns in seinen Gleichnissen Bilder vor die Augen, Sprachbilder, die aber ganz nah an der Wirklichkeit sind, wie sie die Menschen (damals) umgibt: Vom Sämann erzählt er, von einem Weinbergbesitzer, vom Sauerteig und vom Senfkorn, von Tagelöhnern, die auf dem Markt auf einen Arbeitgeber warten, der sie einstellt ... Und obwohl diese Bilder und Beispiele aus der Welt der Menschen stammen, scheut er sich nicht, sie immer wieder mit diesen Worten bei seinen Hörern einzuführen: "Das Himmelreich ist gleich ... einem Bauern, der einen Schatz in seinem Acker findet ... einem Kaufmann, der teure Perlen suchte ... einem König, der die Hochzeit seines Sohnes ausrichten wollte ... einer Frau, die einen Groschen verloren hatte ..." Wenn Christen in späteren Zeiten vom "Himmelreich" gesprochen haben oder von dem, was ihr Glaube und ihre Hoffnung ist, dann haben sie's immer wieder genauso gemacht wie Jesus: Sie haben die Bilder und Gleichnisse, die er zuerst gefunden hat, um damit den Glauben zu beschreiben, in ihr Leben übertragen und haben damit ausgedrückt, was in ihrem Herzen ist. Und so halten wir Predigerinnen und Prediger des Evangeliums es bis heute. Dabei wird ein Weingärtner in einem Land, das keinen Weinbau kennt vielleicht zu einem Apfelzüchter oder Plantagenbesitzer. In der Stadt passt das Bild vom Kaufmann, der eine edle Perle findet, sicher besser, als die Geschichte vom Schatz im Acker. Statt von einem Senfkorn spricht die Mitarbeiterin im Kindergottesdienst heute von einem Sonnenblumenkern, der erst ganz klein ist und dann zu einer großen Blume heranwächst. Immer aber geht es um dasselbe: Auszudrücken, was wir glauben und hoffen und das so zu tun, dass die anderen Menschen in unserer Nähe es verstehen, ja, begreifen können! Und begreifen können wir nur etwas, was sich in unserer Lebenswelt auch sehen, anfassen und vielleicht riechen und schmecken lässt. Der Vergleich der Dinge aus unserer Welt mit dem, was wir unserem Glauben nach einmal in Gottes Welt sehen werden, ist also keine Notlösung, weil uns nichts anderes einfällt. Es ist seit Jesus über unsere Erde ging die einzige Möglichkeit von dem zu sprechen, was unseren Augen noch verborgen, unseren Ohren noch unhörbar und unserer Hoffnung noch nicht erfahrbar - was uns durch Jesus Christus aber von Gott versprochen ist.

Aber noch ein anderes Anliegen ist immer beteiligt, wenn Menschen Rechenschaft von ihrem Glauben ablegen oder von ihrer Hoffnung erzählen - und davon müssen wir auch noch reden: Es ist der Wunsch, dass andere Menschen auch von dem erfahren, was uns wichtig ist, was uns getröstet hat, unserem Leben Halt gibt und unseren Tagen Sinn. Und noch mehr: Es ist der Wille, dass andere Menschen auch zu Jesus Christus finden, an den wir glauben und auf den wir hoffen.

Und genau hier, liebe Gemeinde, verbietet sich der Gedanke, der Glaube wäre unsere Privatsache und was ich persönlich hoffe, ginge niemanden etwas an. So kann nämlich niemand sein: Dass er nicht einmal seinen liebsten Menschen Rechenschaft über seinen Glauben gibt. Denken sie doch jetzt einmal an einen oder einige dieser "liebsten Menschen", die sie haben. - - - (Pause - vielleicht 30 Sek.) Wer ist ihnen eingefallen? Ihre Tochter, ihr Vater, ihr Enkelkind ...? Ist es, wenn sie an diese Menschen denken, nicht so, dass sie ihnen nur zu gern auch zu einem Glauben und einer Hoffnung helfen würden, wie sie in ihrem Herzen ist? Wenn sie nur wüssten, wie man das macht, wann und wie man anfängt ...

Liebe Gemeinde, ich glaube fest, es gibt immer wieder Gelegenheiten, dass man die Sprache auf diese Dinge bringt. Vielleicht sollten wir besser sagen: ... dass wir von diesen Dingen zu erzählen beginnen. Und glauben sie doch nur nicht, die anderen Menschen in ihrer Nähe würden nicht gern etwas von dem hören, woran sie glauben! Sie warten gewiss schon darauf! Gerade die Kinder sind sehr interessiert, davon zu hören, was eigentlich nach dem Tod kommt. Vielleicht ist ein Gang zum Grab des Opas oder eines anderen Angehörigen der richtige Augenblick, dass wir einmal so zu unserem Kind oder Enkel sprechen: "Ich bin immer wieder traurig, wenn ich zum Grab gehe, aber ich hoffe fest, dass der liebe Gott uns einmal wieder zusammenführt - in einem anderen Leben." Ich bin auch sicher, dass das Kind jetzt eigene Fragen stellen wird - für uns Gelegenheiten für persönliche Antworten!

Auch mit anderen lieben Menschen ergeben sich gewiss Stunden, deren Atmosphäre geeignet ist, dass wir uns einmal öffnen können und die Gedanken ansprechen, die wir sonst meist in uns verschließen. Eine Familienfeier hat oft solche Stunden. Ein Ehejubiläum oder der eigene Geburtstag schenkt uns anlässlich einer Tischrede Minuten, in denen uns selbstverständlich erlaubt ist, auch einmal von unserer Hoffnung zu reden.

Wie gesagt: Das muss und das kann auch geübt werden. Dem einen wird es schwerer, dem anderen leichter fallen. Aber darüber schweigen dürfen wir nicht. Halten wir uns vor Augen, was unserem Leben fehlen würde, wenn andere nicht vor uns über ihren Glauben und ihre Hoffnung gesprochen hätten! Und hören wir auf das klare Wort des Petrus: "Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist".