Predigt zum 1. Sonntag nach Trinitatis - 18.6.2006

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Textlesung: Jer. 23,16 - 29
So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN. Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohlgehen -, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen. Aber wer hat im Rat des HERRN gestanden, daß er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört? Siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen. Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen. Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie. Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren. Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? Meinst du, daß sich jemand so heimlich verbergen könne, daß ich ihn nicht sehe? spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? spricht der HERR. Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt. Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen und wollen, daß mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, wie auch ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal? Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR. Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?

Liebe Gemeinde!

Vielleicht haben sie es auch an sich selbst gemerkt eben, als ich diese Worte des Propheten Jeremia vorgelesen habe: Man zieht beim Hören unwillkürlich den Kopf ein - und nicht nur an der Stelle, an der es heißt, dass ein schreckliches Ungewitter über die Gottlosen niedergehen wird. Dieser ganze Abschnitt aus dem Jeremia-Buch ist wenig erbaulich, eigentlich nur bedrohlich und beängstigend.

Vor allem stellt man sich am Ende gleich einige Fragen, die uns nicht beantwortet werden: Wer sind die Propheten, von denen hier die Rede ist; gibt es die auch in unserer Zeit? Wie können wir solche Propheten, die nur ihre Träume predigen, von denen unterscheiden, die Gott gesandt hat? Hat das alles überhaupt etwas mit uns heute zu tun; wollen diese scharfen Worte also auch uns zurechtweisen und vielleicht zurecht bringen?

Wir müssen hier verständlicherweise die letzte Frage zuerst beantworten, sonst hätte ja alles weitere Predigen keinen Sinn: Ich glaube, biblische Texte haben immer mit uns und unserer Zeit zu tun! Die Bibel ist Gottes Wort, darum geht uns auch das an, was uns heute doch sehr ernst und wie eine Drohung vorkommt. Aber - und auch das glaube ich von allen Texten der Bibel - sie wollen uns nicht zerstören oder verdammen, sondern sie haben immer unser Bestes und unsere Besserung im Sinn. Ganz grob gesprochen wollen sie uns dahin führen und uns dazu helfen, dass wir so werden wie Gott uns gemeint hat.

Aber kommen wir zur ersten Frage: Wer sind die Propheten, von denen Jeremia spricht, in unserer Zeit? - Da muss ich jetzt keine Namen nennen und auch kein bestimmtes Amt. Propheten sind alle, die auf irgend eine Weise den Willen Gottes verkündigen, ihn anderen auslegen, weitersagen oder ihnen auf andere Art vermitteln, was Gott will. Ein Prophet, eine Prophetin ist also eine Frau oder ein Mann, die ein Pfarramt innehaben, genau so wie unser Mitchrist in der Gemeinde, der uns von der Bibel her einen Rat oder einen Trost gibt. Propheten sind die Männer und Frauen in der Kirchenleitung, den Propsteien, den Dekanats- und Kirchenvorständen nicht mehr aber auch nicht weniger als jedes andere "kleine" Gemeindeglied, wenn sie sich auf Jesus Christus berufen und auf das, was er gesagt und getan hat. Mit anderen, ganz einfachen Worten: Propheten stehen uns mit ihrem Denken, ihrem Rede und ihrem Verhalten für die Wahrheit des Wortes Gottes. Also sind wir selbst auch Propheten, wenn wir von unserer biblisch begründeten Überzeugung vor den Leuten sprechen. Und noch mehr: Wir sind es auch schon dann, wenn wir den Anspruch erheben, Christinnen und Christen zu sein, denn vor diesem Anspruch werden die Menschen unser Handeln und das, was wir sagen, prüfen und beurteilen.

Wenn wir das Prophetenamt so erklären, dann wird auch deutlich, wie groß die Verantwortung dieses Amtes ist! Wenn ein Kirchenpräsident oder sonst ein Kirchenführer also seine "Träume" predigt und nicht Gottes Wort, dann wird er dafür gerade stehen müssen vor seinem Gott! Und wenn die kleine Christin, die am Sonntag immer hinten in der letzten Kirchenbank sitzt, ausspricht, was der Wille Gottes ist, dann tut sie das in seinem Auftrag. Wenn die Vorsitzende des Kirchenvorstands einen Lebenswandel hat, der nicht mit Gottes Wort zu reimen ist, dann muss sie das vor ihrem Schöpfer verantworten. Und schon der Konfirmand am Anfang der Konfirmandenzeit hat uns anderen vielleicht ein Vorbild dafür abzugeben, wie echte sich Christen sich verhalten.

Sicher beschäftigt auch sie jetzt die Frage: Aber wie sollen wir denn unterscheiden? Es kann ja wohl auch genau umgekehrt sein, dass also der Kirchenpräsident das wahre Wort Gottes verkündigt und der Konfirmand handelt, wie es Gott ein Gräuel ist. Ja, liebe Gemeinde, so kann es auch sein. Aber auch hier lässt uns Jeremia nicht allein: "Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen."

Ganz gleich, wie die "Propheten" tun und predigen - am Ende wird das geschehen, was Gott will! Anders gesagt: Gottes Wort lässt sich niemals durch Menschenwort oder -tat vereinnahmen. Es bleibt frei und tut, wozu Gott es gesandt hat.

Da kommt nun gewiss gleich die nächste Frage: Aber wie "erkennen" wir denn dann "klar", was nun die Verkündigung oder das Handeln im Sinne Gottes ist? Gibt es denn keine deutlichen Kennzeichen, dass wir nicht falscher Predigt oder falschem Verhalten aufsitzen?

Lassen wir noch einmal Jeremia zu Wort kommen: "Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN. Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohlgehen -, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen. Aber ... siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen."

Zugegeben: Besonders deutlich ist das nicht, so dass wir jetzt sagen könnten: Darauf wollen wir zukünftig achten, wenn uns jemand darüber belehrt, was Gott will oder was er wollte, dass wir es tun. - Und doch liegt eine Hilfe in diesen Worten:

Unsere Erfahrung sagt uns, wenn wir ehrlich sind, dass die Menschen - und eben auch wir - von Natur aus die größere Neigung dazu haben, das zu tun, was sie nicht tun sollen und so zu reden, wie es Gott nicht gefällt. Umgekehrt ist es nun auch sicher so, dass die Worte, die Gott uns zu sagen hat, uns nicht gleich gefallen! (Martin Luther hat deshalb einmal gewarnt, den Predigern des Evangeliums nicht zu glauben, die so sprechen, dass es "die Ohren jücket", uns also schmeichelt und in unserer Kirchenbank wachsen lässt!) Jetzt wirklich deutlich gesprochen, heißt das: Gottes Wort und die, aus deren Mund wir es hören, erkennen wir daran, dass es uns zurechtweist, uns auch einmal hart unsere Schuld und unser Versagen vorhält. Und ein Handeln in Gottes Sinn wird bei uns wohl meist Anstoß erregen und uns in Frage stellen und wir sollten vorsichtig bei denen sein, deren Taten und deren Handeln uns gleich wohl gefällt.

Fest steht jedenfalls, dass sich das, was in Gottes Auftrag gepredigt und getan wird, am Schluss durchsetzt - kein Mensch kann es hindern, wohl aber können wir es befördern:

Wir tun gut daran, die Geister zu prüfen und die Worte der "Propheten", also die Worte aller Mitchristen, auf die Waage zu legen. Und genau so gut tun wir daran, auch uns selbst in all unserem Reden und Handeln an dem zu orientieren, was Gottes Wille für uns und unsere Mitmenschen ist. Dabei kann uns helfen, wenn wir wahrnehmen, was uns bei der Antwort auf eine Frage oder bei einer Entscheidung, die wir treffen sollen, besser gefiele ... Dann sollten wir nicht das, sondern lieber das andere tun.

"Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR. Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?"