Predigt zu "Christi Himmelfahrt"   -   25.5.2006

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Textlesung: Offb. 1, 4 - 8

Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit sei- nem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Ge- schlechter der Erde. Ja, Amen. Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

Liebe Gemeinde am Himmelfahrtstag!

Es fällt uns ja schon schwer genug, uns vorzustellen, dass unser Herr damals wirklich mit einer Wolke "aufgefahren" ist "in den Himmel", wie wir es in unserem Glaubensbekenntnis sagen. Der Seher Johannes mutet uns hier aber noch mehr zu: "Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen ..." Wir wollen das heute einmal ganz ehrlich aussprechen: Die Christen der ersten Zeit mögen noch von einer solchen Wiederkunft des Herrn auf den Wolken ausgegangen sein, wir aber erwarten das eigentlich nicht mehr. Und ich füge hier noch etwas hinzu, was einfach auch einmal gesagt werden muss: Wir müssen uns auch nicht selbst quälen, diesen Glauben aufzubringen. Es liegt nicht mehr viel daran, wie wir das nun erwarten und wie wir uns das vorstellen: Jesu Wiederkunft am Ende aller Tage, auf einer Wolke, begleitet von Engeln, Posaunenklang in der Luft und was wir noch alles dazu in der Bibel lesen können.

Warum liegt nichts daran? Weil es hier - wie auch schon bei der Himmelfahrtsgeschichte - eigentlich um etwas anderes geht, als das, was und wie wir es uns in unserem Kopf denken und bildlich ausmalen.

Wie heißt das in der Geschichte der Auffahrt Jesu in den Himmel (Apg. 1,9): "Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg." Gewiss darf nun jeder Christ davon ausgehen, dass es genau so gewesen ist und anzusehen war. Aber wir dürfen auch niemandem Unglauben vorwerfen, der mit dieser Beschreibung nichts anfangen kann und bezweifelt, dass es genau so zugegangen ist. Das teilt die Himmelfahrtsgeschichte mit so vielen anderen Erzählungen der Heiligen Schrift alten und neuen Testaments: Dass wir zu ihren Bildern geteilter Meinung sein können und dürfen: Denken sie doch nur an die Sache mit der Rippe Adams, aus der Gott die Eva macht. Oder denken sie an die Speisung der 5000 und die fünf Brote und zwei Fische, mit denen Jesus so viele Menschen sättigt. Immer müssen wir die verwendeten Bilder von dem unterscheiden, was gesagt werden soll. Oder anders: Wir müssen die erzählte Wirklichkeit und die Wahrheit der Geschichten auseinander halten. Aber konkret:

Was soll denn gesagt werden, wenn wir von Adams Rippe lesen, aus der die Eva wird? - Das sagt im tiefsten Grund: Der Mensch ist nicht Mann oder Frau. Der Mensch - das ist Frau und Mann zusammen. Sie sind ein Fleisch, sie gehören einer zum anderen. Und sie sind gleichen Rechts und gleicher Liebe und Fürsorge vor Gott!

Und was ist die Wahrheit hinter der Speisung der 5000? - Dass wir bei Jesus satt werden. Dass er uns nicht weggehen lässt, ohne uns sein veränderndes Wort zu sagen und auch das sollen wir begreifen: Dass wir zu Jesus nicht irgend etwas mitbringen müssen, was uns ernährt und erhält, weil wir bei und von ihm alles bekommen, was für unser Leben nötig ist.

Und wie ist das bei der Himmelfahrtsgeschichte? - Mir sagt sie: Jesus ist nun wieder beim Vater, also dort, wo er als sein Sohn (und unser Bruder!) hingehört. Seine und unsere Auferstehung führt nicht irgendwo hin, in eine andere, fremde Welt, fern von hier, sondern sie führt uns zum Vater, zu unserem Schöpfer und Gott! Die Wolke und die Posaunen sind mir dabei - ganz offen gesagt - ziemlich gleichgültig!

Ja und genau so ist es nun auch bei dem, was wir heute von dem Seher Johannes hören: "Siehe, er (Jesus) kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen ..." So entspricht es halt dem damaligen, einem längst nicht mehr gültigen Weltbild. Zur Zeit des Johannes kam alles, was mit Gott zu tun hatte, von oben, vom Himmel. Dieses oben und unten können wir heute nicht mehr nachvollziehen. Aber etwas anderes dürfen und sollen wir glauben und wir können es aus dieser alten Vorstellung von der Wiederkunft unseres Herrn herauslesen: Die Geschichte der Welt, der Menschen, der Völker und die Geschichte des christlichen und unseres persönlichen Glaubens läuft auf ein Ende zu. Dieses Ende heißt nicht globale Erwärmung und Anstieg des Meeresspiegels, nicht Atomschlag, nicht Pandemie nach der Infektion mit Vogelgrippe oder sonst einer Krankheit. Das Ende ist auch nicht unser persönliches Sterben. Das Ende setzt dieser Welt unser Gott und Schöpfer. Es wird so etwas wie ein Gericht geben und der Richter heißt Jesus Christus. Und die Maßstäbe, nach denen dann geurteilt wird, die hat er uns bekannt gemacht: In seinem Wort, in der Art, wie er gelebt hat, damals, als er über diese Erde ging. Aber auch in unserem Herzen, unserem Gewissen, das in uns ist und uns oft genug hereinspricht in das, was wir reden und tun. Und er sagt uns seinen Willen auch in unserem Gebet und oft auch in dem, was uns widerfährt. - Alles das hat für mich Platz in diesem Gedanken, dass Jesus am Ende aller Zeit wiederkommen wird.

Und noch etwas wird hier angesprochen: "Jesus Christus, welcher ist der ... Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Er liebt uns und hat uns erlöst von unsern Sünden mit seinem Blut." Der Richter am Ende aller Tage ist also zugleich auch das Opfer für unsere Schuld! Deshalb liegt schließlich auch das noch in diesen Worten: Der Glaube an Jesus Christus rettet uns im Gericht. Der Glaube ist der Weg, der auch für uns zum Vater führt.

Wenn sie jetzt denken, das alles ist aber viel Auslegung und Interpretation dieses alten Textes und seiner Bilder, dann gebe ich ihnen Recht. Aber das machen wir immer so, wir Menschen - und nicht nur im religiösen Bereich. Und noch mehr: Wir müssen das tun! Anders würden wir die Welt nicht verstehen! Anders wäre auch das Leben in ihr nicht auszuhalten.

Nehmen wir doch zum Beispiel die böse Bemerkung unseres Nachbarn neulich. Wenn wir sie wörtlich genommen hätten, dann würden wir in aller Zukunft nicht mehr mit ihm sprechen. Denn es war ein hartes Wort, dass er gesagt hat und es hat uns schwer gekränkt. Aber wir haben es ausgelegt, was er gesagt hat. Wir haben gedacht: er hat heute nicht seinen besten Tag! Er ist mit dem falschen Bein aufgestanden. Er hat sich über irgend etwas geärgert - vielleicht an uns. Und wir haben interpretiert: Er ist ja ein an sich ganz netter Mensch, der Nachbar, also hat er das sicher nicht so gemeint. Das Wort ist ihm halt einfach so herausgerutscht.

Aber auch bei dem, was wir sagen und tun legen wir aus und interpretieren - und unseren himmlischen Vater nehmen wir dabei auch gleich mit in Anspruch. Das hört und sieht sich vielleicht so an: Wenn wir ja auch, offen gestanden, sehr wenig Gebrauch davon machen, dass wir Christen sind, so zeigt unser Kirchgang hie und da, unsere Entscheidung vor Tagen, einem Mitmenschen zu helfen oder unsere Brot-für-die-Welt-Spende an Heiligabend doch ganz deutlich, dass wir unseren Christennamen mit Recht tragen. Gott wird gewiss das Wenige für unser ehrliches Bemühen und den guten Willen oft für die gute Tat nehmen.

Liebe Gemeinde, ich kann nur hoffen - auch für mich selbst - dass Gott es wirklich so hält mit unserer Unzulänglichkeit. Eines aber weiß ich sicher: Unser Herr Jesus Christus ist von ihm, unserem Vater, hergekommen. Er war in der Welt, um uns mit seinem Leben und Reden, seinem Tun und Lassen, seiner Liebe und seiner Vergebung und am Ende mit seinem Leiden und Sterben zu Gott zu führen und für dieses und ein ewiges Leben an die Hand des Vaters zu bringen. Und dieser Herr wird "wieder kommen", vielleicht für die ganze Welt auf einmal, vielleicht aber auch am Ende meines persönlichen Lebens nur für mich. Und er wird mein Richter sein, der mich fragt, wie ich es mit dem Glauben gehalten habe, den er in diese Welt und in mein Herz gebracht hat.

Er nämlich ist "das A und das O", er ist der Herr, der Sohn Gottes, "der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige."

Die Wolken, die Engel, die Posaunen und manches mehr, ist nur Beiwerk, das uns nicht von der Entscheidung für IHN ablenken soll, denn er ist der "Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Er liebt uns und hat uns erlöst von unsern Sünden mit seinem Blut.".