Predigt zum Sonntag „Quasimodogeniti" - 23.4.2006

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Textlesung: Kol. 2, 12 - 15

Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.

Liebe Gemeinde!

So kurz nach Ostern haben wir ja auch die Passionsgeschichte unseres Herrn noch im Kopf und in den Ohren. Wie sagen sie zu Petrus, als der im Hof des Palastes des Hohenpriesters am Feuer steht und leugnet, Jesus auch nur zu kennen: „Deine Sprache verrät dich. Du hast auch zu diesem Jesus von Nazareth gehört!"

Wie ich darauf komme? Vielen Christen geht es mit ihrem Glauben genau so. Ihre Sprache verrät sie! So hören wir z.B. von Menschen, die nicht so sehr auf ihr Verhältnis zu Gott und dem Glauben festgelegt werden wollen, wie sie vom „Herrgott" sprechen. Das spürt man doch: „Der Herrgott" ist etwas anderes als „Gott" oder gar „mein Gott". Der „Herrgott im Himmel" ist weit weg und sehr unpersönlich. Der geht mir nicht nah. Und was er sagt, ist unverbindlich. Seine Gebote, sein Wille gelten nicht absolut.

Vergleichbares gibt es auch in einer Sprache, die ganz ohne Worte auskommt. Ich meine das Handeln. Wie viele Menschen, die doch eigentlich sagen, sie wären Christen, verhalten sich ganz und gar so, als spiele Jesus Christus nicht die geringste Rolle in ihrem Leben. Wir sehen sie nicht in die Kirche gehen. Wir erleben nicht, dass sie einmal widersprechen, wenn die Sache des Glaubens in den Dreck gezogen wird. Und sie treten auch nicht für die Schwachen und Zukurzgekommenen ein, wenn deren Lebensbedingungen immer schlechter werden in unserer Gesellschaft.

Und was haben diese Gedanken nun mit den Worten des Paulus zu tun, die wir vorhin gehört haben? - Es ist die Sache mit der Auferstehung Jesu, die in unserer Gesellschaft sowieso, aber auch in unserer Kirchengemeinde so etwas ist, woran man eigentlich doch glaubt, was man aber nicht mehr klar ansprechen und wovon man in seinem Leben nicht so deutlich ausgehen will. Hören wir es uns noch einmal an: „Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten."

Liebe Gemeinde, das ist nicht so eine Bemerkung des Apostels, die mehr an den Rand unseres christlichen Glaubens gehört. Das ist sein Kern, die Mitte, das Zentrum! Wenn wir davon nicht mehr reden, uns dazu nicht mehr bekennen, dafür nicht mehr vor unseren Mitmenschen zeugen, dann gleichen wir denen, die nur vom „Herrgott" sprechen und denen, deren Leben wir nichts mehr ansehen und abspüren können, wer der Herr ist.

Aber schauen wir einmal hinein in dieses Leben, mitten hinein in den Alltag von ein paar Menschen unserer Tage:

Da spricht eine ihre Nachbarin an, kondoliert ihr zum Verlust ihres Mannes oder Vaters vielleicht. Sie erkundigt sich, wie es denn zuletzt gewesen ist, ob er sehr hat leiden müssen. Dann spricht sie die hohen Kosten an, die heute bei einer Beerdigung entstehen und fragt, ob man denn zufrieden gewesen wäre mit dem Lokal, in dem man nach der Bestattung noch Kaffee getrunken hätte. - Nur davon, dass Jesus Christus, unser Herr, auferstanden ist von den Toten, dass auch wir auferstehen sollen und der Verstorbene - also der Mann oder Vater - uns in die Ewigkeit vorausgegangen ist, davon spricht man nicht.

Da sitzen ein paar Männer beim Stammtisch zusammen. Und - wieder einmal - geht es um die Kirche, um die Frauen, die doch „viel zu oft" zum Gottesdienst rennen und von dem Pfarrern, der doch wegen seines Sprachfehlers die Sache „nicht so rüberbringen" kann ... Und kein Einziger steht einmal auf und sagt ein Wort dazu, dass ihm der Glaube an Jesus Christus zu wichtig ist, als dass man ihn auf solche Weise verhackstückt und dass die „Sache" immerhin nicht mehr oder weniger ist als die Verheißung des Ewigen Lebens, die mit oder ohne Sprachfehler verkündigt werden muss und für den Glauben das Wichtigste ist.

Da sitzen wir - manchmal ja täglich - vor dem Fernseher und wundern uns eigentlich gar nicht mehr darüber, dass in den meisten Filmen der Tod nur noch als Ende eines Lebens gesehen wird, als Fall für einen Kommissar, als Anlass für Erbstreitigkeiten oder Schuldgefühle der Hinterbliebenen. Dass die Filme im christlichen Abendland spielen, dass die dargestellten Personen (wie man an der Begleitung der Beerdigung durch einen Geistlichen sieht) doch auch Christen sind, das scheint nicht durch. Filme mit solchem Hintergrund, Filme, in denen auch einmal der Glaube an Jesu Auferstehung und unsere Auferweckung von den Toten anklingt, haben ihren Sendeplatz allenfalls einmal am Totensonntag oder dem Karfreitag.

Nun wird man sagen: Das ist doch auch eine sehr persönliche Angelegenheit, dieser Glaube. Oder man vertritt den Standpunkt, das gehöre in unserer multikulturellen Gesellschaft nicht mehr in die Öffentlichkeit und schon die christliche Toleranz verbiete das Reden von Christi Auferstehung vor Muslimen oder etwa Buddhisten.

Ich halte das für vorgeschoben und ich halte es für eine falsch verstandene Toleranz. Was mir wirklich wichtig ist, was mich im Innersten bewegt und getröstet hat, das werde ich auch nach außen sagen und zeigen. Ja, das muss geradezu hinaus! Darum ist es für mich kein tolerantes Verhalten, wenn ich das Kreuz aus öffentlichen Gebäuden entferne und es ist nicht angemessene Zurückhaltung in religiösen Dingen, wenn ich nicht mehr von meinem Herrn und seiner Auferstehung spreche, sondern ein Zeichen religiöser Verarmung, ein klarer Hinweis auf Glaubens- und Bekenntnisschwäche und einfach Feigheit mich zu dem zu stellen, was ich doch angeblich im Herzen habe.

Merkwürdig genug, dass etwa Muslime oder Buddhisten (die meisten anderen Religionen auch!) nicht die kleinsten Hemmungen haben, ihren Glauben öffentlich zu zeigen und zu leben! Was uns eigentlich ermuntern müsste, es mit unserem Christentum genau so zu halten, macht uns aber befangen und ängstlich. Warum ist das nur so?

„Gott hat euch mit Jesus Christus lebendig gemacht, die ihr tot wart ... und hat uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet."

Liebe Gemeinde!

Was ist das doch für eine wunderbare Botschaft! Hier hat Gott über unsere Ewigkeit entschieden. Und er hat gesagt: Ihr sollt leben! Euer Schuldbrief hängt am Kreuz. Das Ende ist für euch nicht der Tod! Ihr dürft in meine Nähe kommen und für alle Zeiten in meiner Nähe bleiben. - Können sie sich größere, ja, gewaltigere Worte und Verheißungen vorstellen? Ich kann es nicht.

Was würde ich uns das wünschen, dass dieses gewaltige Versprechen Gottes, dass wir auferstehen und ewig leben sollen, wieder eine Rolle in unseren Alltagsgesprächen spielen möchte. Gerade in denen, die vom Tod und vom Abschied reden. Wie viel Trost könnten wir da verschenken und wie viel Bestärkung unseres eigenen Vertrauens könnten wir empfangen!?

Was würde ich uns das wünschen, dass wir auch mehr für unseren Glauben aufstehen, vielleicht auch einmal in eine Auseinandersetzung hinein gehen, weil die Sache Gottes mit uns doch einfach nichts ist, über das man spotten sollte oder das man der Lächerlichkeit preisgeben dürfte. Wie viel Staunen, das nachdenken lässt, wie viel vielleicht heilsamen Ärger würden wir anderen bereiten!?

Was würde ich uns das wünschen, dass wir endlich auch Schluss machten mit einer Toleranz, die im Grunde nur noch die Gleichgültigkeit und die mangelnde Würdigung des eigenen Glaubens offenbaren. Uns ist von Gott, dem Vater Jesu Christi - und eben nicht von einem „Herrgott im Himmel" - die beste, wichtigste und befreiendste Botschaft der Welt anvertraut. Nicht damit wir sie ängstlich in unserem Herzen verschließen und mit unseren Lippen verschweigen, sondern dass wir hingehen unter die Menschen, in alle Welt, an jeden Ort und zu jeder Zeit und dafür stehen, davon reden und dafür zeugen - ohne jede Scham, Scheu und falsche Toleranz: Mit Christus sind wir begraben worden durch die Taufe; mit ihm sind wir auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und er hat uns mit ihm lebendig gemacht, die wir tot waren in den Sünden und in der Unbeschnittenheit unseres Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.

Wenn wir von heute an ein wenig mehr mit unserem Leben und Reden ausstrahlen und sagen, was die Mitte unseres Glaubens ist, dann würden wir auch wahr machen und wären auf dem Weg dazu, was der Name des heutigen Sonntags meint: „Quasimodogeniti" - „Wie die Neugeborenen!"