Predigt zum "Gründonnerstag" - 13.4.2006

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Textlesung: 1. Kor. 10, 16 - 17

Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist's: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Liebe Gemeinde, an diesem Abend geht es - damals wie heute - um die Gemeinschaft, aber auch die zerstörte Gemeinschaft. Es geht um den Leib unseres Herrn, aber auch den zerrissenen, den zerteilten Leib. Heute geht es um das Mahl am Tisch Jesu, aber auch darum, wer und was für Leute wir sind, die am Tisch des Herrn zusammenkommen. Und noch eins: Heute fallen viele Masken. Heute wird offenbar, was wir sonst gern verbergen. Heute muss ans Licht, wie wir zu Jesus stehen.

Aber einmal ganz deutlich gesprochen: Das sieht ja doch alles nur schön aus, wie sie da zusammensitzen und Brot essen und Wein trinken und sich verstehen ... wie Freunde... Der "Leib Christi", die Gemeinschaft Jesu mit seinen Vertrauten, die da ein letztes Mal zusammenkommt, um das Passah zu halten, ist schon nicht mehr so innig verbunden, wie es scheint. Weder untereinander noch mit ihm, der hier sagt: "Für euch vergossen, für euch gebrochen ..." Nur noch Minuten werden vergehen, dann lassen die Jünger ihren Herrn in seiner tiefsten Verlassenheit allein, schlafen, während er sich ängstet und weint, und er muss fühlen, wie wenig ihre Freundschaft wert ist. Nur eine halbe Stunde später, da verrät Judas seinen Herrn, ausgerechnet mit einem Kuss, dem Zeichen der Freundschaft und der Liebe! Und kaum eine Stunde wird vergangen sein, da leugnet Petrus, diesen Herrn je gekannt zu haben.

Und es ist sicher kein Zufall, dass alles das an diesem Abend geschieht. Denn zum ersten Mal soll die Gemeinschaft mit Jesus wirklich etwas kosten! Dagegen war alles vorher nur ein Spaziergang, ja, es lag wohl sogar so etwas wie Ehre darin, zu diesem Herrn zu gehören, sein Jünger zu sein, sein Vertrauter. Solange er noch Menschen gesund gemacht hat und heil! Solange sie noch gern auf ihn hörten, wenn er von seinem himmlischen Vater sprach und der Verheißung eines ewigen Lebens. Und er fand ja auch überall Aufnahme, und seine Leute mit ihm, ja, man riss sich geradezu um seine Gesellschaft. Und er hatte Macht, sogar über den Tod. Dem Wind und den Wellen konnte er gebieten! Und immer wieder fiel ja auch ein wenig von seinem Glanz auf die Menschen, die um ihn waren. - An diesem Abend aber gilt es: Wer hält bei ihm aus, wenn es ernst wird und gefährlich? Wer bleibt bei ihm, wenn er, der immer andere getröstet hat, selbst Trost braucht? Wer steht zu ihm, wenn es teuer werden kann, einer von seinen Leuten zu sein?

An diesem Abend fallen Masken: Petrus wird zum Verleugner. Judas zum Verräter. Die drei Schläfer im nächtlichen Garten lassen ihren Herrn in größter Not im Stich. Vor dem Hohen Rat und bei Pilatus ist keiner der Freunde mehr bei ihm. -

Wie ist das bei uns, heute? Gewiss, jetzt sind wir hier, wollen mit ihm das Mahl feiern, suchen seine Gemeinschaft, seine Nähe, nennen uns seine Gemeinde, seine Freunde ... - Und später? Heute Abend noch. Morgen ... in den nächsten Tagen? Wenn es etwas kostet, zu ihm zu gehören?

Vielleicht wird das heute noch sein, dass einer uns braucht, uns stumm bittet, dass wir bei ihm aushalten, mit ihm reden, Zeit für ihn haben. Weil er Angst hat, sich sorgt, oder einsam ist. Werden wir bei ihm bleiben? Werden wir die kleine Weile für ihn opfern, oder sind wir zu müde, zu uninteressiert, gleichgültig? - Denken wir dann an Jesus: Als er weint und sich ängstet ist keiner für ihn da. Sie schlafen und lassen ihn allein.

Oder Morgen und in den kommenden Tagen: Wenn in meinem Leben eigentlich alles genau so ist, wie bei allen anderen. Dasselbe Fragen nach dem, was es "bringt", mit diesem oder jenem eine Beziehung zu haben, befreundet zu sein, Kontakt zu halten. Die selbe Sicht wie bei den anderen: Was springt dabei für mich heraus, was gibt mir das, was habe ich davon? Und genau die gleiche Weise, den Tag zu gestalten, die Arbeit, die freien Stunden ... Wo spürt man mir und meiner Lebensart ab, dass ich zu den Vertrauten Jesu gehöre? Werde ich mich weiter so furchtbar ernst und wichtig nehmen, oder habe ich den Kopf auch einmal frei für andere, für ihre Not, ihre Sorgen, ihre Freude? Ist mein Tag geprägt davon, dass ich Christ, Christin bin? Bete ich regelmäßig? Frage ich danach, was ER denn jetzt von mir will? Lasse ich mir durch das Wort der Bibel, durch Predigt und Verkündigung, Maßstab und Richtung geben? - Denken wir dann an Petrus und wie sie ihn fragen: Du gehörst doch auch zu diesem Jesus? Und wie er antwortet: Ich habe doch nichts mit ihm zu tun, ja, ich kenne diesen Menschen gar nicht!

Und wir wollen auch das nicht aussparen: Das mag in der kommenden Zeit nach Ostern sein. Wir werden es wieder gehört haben: Der Tod ist nicht das Ende! Ja, vielleicht werden unsere Lippen am Ostermorgen so gesprochen und gesungen haben: "Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden!" Aber in unserem Leben wird vielleicht alles beim Alten sein! Der gleiche grämliche Blick, der hängende Kopf, als gäbe es keine Auferstehung, keine Zukunft, keine Hoffnung. Der selbe alte Gedanke, wenn wir auf dem Friedhof an den Gräbern unserer Liebsten stehen ... als wäre alles doch für immer vorbei. Unsere ganze Haltung, die das ohne Worte und doch so laut und so vernehmlich ausspricht: "Dieses Leben ist alles, was wir haben; es kommt nichts danach." - Denken wir dann an Judas, der seinen Herrn verrät, weil er ihm nicht glaubt, dass er mit seinem Tod die Auferstehung, den Sieg des Lebens, die Ewigkeit für uns gewinnt.

2. Textlesung: 1. Kor. 10, 16 - 17

Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist's: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Wir gehören zusammen. Wir sind Jesu Gemeinde, die Gemeinschaft seiner Vertrauten. Wir haben alle heute abend und immer teil an dem Brot, das er uns zum Leben schenkt. Es ist sein Blut, das er für uns alle vergießen wird. Ein Leib sind wir - mit ihm, durch ihn. Ob das bei uns auch alles nur schön aussieht, wie wir hier zusammensitzen und nachher Brot essen und Wein trinken und uns verstehen ... wie Freunde ... Der "Leib Christi", die Gemeinschaft Jesu mit seinen Vertrauten, die heute hier zusammenkommt, um das Mahl zu halten, ob sie eigentlich auch gar nicht mehr so innig verbunden ist, wie es scheint. Weder untereinander noch mit ihm, der hier sagt: "Für euch vergossen, für euch gebrochen ..."

Oder ob wir das auch nach diesem Abend sein und bleiben können: Leib Christi, seine Gemeinde, seine Gemeinschaft? Die Jünger damals konnten es nicht. Wir aber haben ihnen eines voraus: Wir haben den Karfreitag schon erlebt. Und auch Ostern, den Sieg über den Tod, haben wir schon gesehen! Ob wir nun treu sein können, aushalten bei denen, die weinen, unseren Trost, unsere Zuwendung, ein gutes Wort von uns brauchen? Ob wir unser Leben mehr für die Mitmenschen als von ihnen leben können; und ob man uns abspürt, dass Jesus unser Herr ist, der unser Denken bestimmt und unser Reden und Handeln beeinflusst? Und ob wir aller Welt mit unserem Lachen, unserem Mut und unserer Zuversicht sagen, dass eine unbändige Hoffnung in uns ist, dass wir nicht an die Macht des Todes glauben und etwas von Jesu Auferstehung wissen und vom neuen ewigen Leben für uns?