Predigt zum Sonntag "Laetare" - 26.3.2006

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Textlesung: Phil. 1, 15 - 21

Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, daß ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut's aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, daß mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, daß ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern daß frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.

Liebe Gemeinde!

Ich will nicht das Christentum mit anderen Religionen vergleichen. Ich will auch nicht die Vorzüge hervorheben, eine Christin, ein Christ zu sein, statt ein Muslim vielleicht, ein Buddhist oder ein Jude. Es genügt ja doch, einmal ganz deutlich wahrzunehmen, wie wunderbar das für uns hier in unserem Land und Kulturkreis ist, von Jesus Christus zu wissen und ganz selbstverständlich Christ sein zu dürfen und zu können. Unangefochten, nicht verfolgt, ohne Angst haben zu müssen, den Glauben auch öffentlich zu bekennen und zu leben.

Wie ich darauf komme? Durch diese Worte des Paulus: "Ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, daß mir dies zum Heil ausgehen wird!" Und wirklich, das ist eine so gewaltige Botschaft, die uns Christen gesagt und zum Weitersagen anvertraut ist: Eigentlich ist es ganz gleichgültig, was wir in dieser Welt für eine Karriere machen, wie viel Ansehen wir haben, wie viel Einfluss und Macht, wie groß unser Einkommen und wie dick unser Bankkonto ist. Am Ende wird alles "zum Heil ausgehen". Wir sind durch Jesus Christus erlöst! Durch sein Opfer am Kreuz sind wir durch Hölle und Tod gegangen und auferstanden. Schon heute.

Jetzt könnten wir denken: Ja, der Paulus. Der war halt glaubensstark. Der hat ja auch nur Gutes mit Christus erfahren und den Gemeinden, die er gegründet hat, sind die Menschen ja nur so zugelaufen ... Aber so ist das gar nicht. Wie hieß das vorhin: "Sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft." Paulus saß im Kerker, als er so gesprochen hat: "Ich hoffe, daß ... Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod." Müssten wir da - in Freiheit und unbehelligt durch Zwang und Verfolgung - unseren Glauben nicht wirklich fröhlicher, freier, lauter und überzeugender bekennen können?

Gewiss, es gibt auch anderes, was uns bedrückt, auch wenn wir als Christen keine Furcht vor äußerer Verfolgung haben müssen: Wie viele Menschen machen sich berechtigte Sorgen um ihre Zukunft. Die Jungen, die schon keine Ausbildungsstelle bekommen und befürchten müssen, dass ihnen der Zugang zur Arbeitswelt, zu Verdienst und Lebensunterhalt lange, vielleicht für immer, versperrt sein wird. Junge Menschen, die sozusagen vom Start weg - ohne eigenes Verschulden - auf der Strecke bleiben.
Dann die in den mittleren Jahren, die sich Gedanken um ihre Kinder machen oder auch um das eigene Leben, das Häuschen vielleicht, das man sich gebaut hat, den bescheidenen Luxus, den man genießen kann ... Aber alles das wird bald vielleicht bei stetig steigenden Kosten einfach nicht mehr zu finanzieren sein. Und dann die Angst um den Arbeitsplatz, die ja heute wirklich alle Berufsgruppen betrifft, kleine wie große Angestellte, Ungelernte wie Facharbeiter, Studierte und sogar Promovierte. Wie belastend sind doch auch die seelischen und körperlichen Leiden, die im Gefolge der Angst auftreten: Depression, Schlafstörungen, Zweifel an sich selbst und ein angeschlagenes Selbstwertgefühl.

Und schließlich die älteren und die alten Leute, die sich fragen: Wie lange Zeit werde ich noch mit meinem Partner zusammen haben, wie lange selbständig sein und in der eigenen Wohnung bleiben können. Wann reicht wohl die Rente einfach nicht mehr und ich muss Sozialhilfe beantragen? Werde ich gesund bleiben, wenigstens so, dass ich meine täglichen Gänge erledigen und mir kochen und putzen kann? Und dann noch die anderen quälenden Fragen nach der allerletzten Lebensstrecke und dem Abschied: Ob es wohl einmal rasch gehen wird, über Nacht, im Schlaf ... Oder ob ich noch Monate oder Jahre des Leids und des Siechtums bestehen muss?

Ich spüre das jetzt auch, dass sich die Worte des Paulus vor dem Hintergrund solcher Gedanken doch sehr nach billigem Trost anhören und wohl nicht die Kraft haben, uns wirklich zu stärken und in unserem Glauben fest zu machen: "Ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, daß mir dies zum Heil ausgehen wird!" Und auch dieses Wort erreicht uns nur sehr schwer: "Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn."

Und doch, liebe Gemeinde, ist das die Grundhaltung der Christen, die allein Ängste stillen, Sorgen in Hoffnung und unsere trüben Gedanken in Vertrauen verwandeln kann!

Was sollte uns denn sonst helfen?

Hilft es dem Jugendlichen, der eine Lehrstelle sucht, denn wirklich, wenn er von uns und vielen in seiner Umgebung hört: Kopf hoch, das wird schon irgendwann? Oder: Du musst dich halt mehr anstrengen! Das hat er doch lang schon getan. Aber er hat doch nichts gefunden. - Vertrauen zu Gott, der trotz all unserer vergeblichen Mühen noch Möglichkeiten hat, kann wirklich weiter führen.

Und ändert das die Situation der Menschen in der Mitte des Lebens, wenn ihnen etwa die Politik einredet, es wird doch bald alles besser und die Wirtschaft würde noch in diesem Jahr wieder "anspringen". Sie haben es doch schließlich viele Jahre schon erfahren und wieder erfahren, dass nichts besser, sondern dass alles immer schwieriger geworden ist. Und unsere seelischen Probleme lassen sich durch die Sonntagsreden derer, die doch meist nur Wählerstimmen fangen wollen, auch nicht auflösen. - Der feste Glaube an Gott aber, sieht auch da noch Wege, wo Menschen nichts mehr machen können und die Politik nichts mehr ausrichten kann.

Und auch den Alten kann der Hinweis auf die Pflegeversicherung nicht helfen, wenn sie sich fürchten, alt und hinfällig zu werden. Wer kann denn auch angesichts der gegenwärtigen Lage unseres "Sozialstaats" und des Sparzwangs im Gesundheitswesen, der immer wieder neue dunkle Blüten treibt, noch fröhlich an seinen Lebensabend denken und an das, was einem vielleicht noch bevorsteht? - Die Gewissheit, dass uns Gottes Wille durch alles, was dieses Leben bringt und bringen kann, zu seinem ewigen Ziel führt, ist mehr als alle Versicherungen, mehr als alle Versprechungen von Krankenkassen oder Pflegediensten.

Nur: Wie gewinnt man dieses Vertrauen in Gott, wie wird unser Glaube so fest? Wie können wir das wirklich ehrlich mitsprechen: "... denn ich weiß, daß mir dies zum Heil ausgehen wird ... denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn."

Einmal hilft uns dabei, dass wir wahrnehmen: Es gab solche Menschen, die haben in diesem Glauben gestanden. Paulus z.B. war ein solcher Mensch. Aber nicht nur er. Die ganze Geschichte der Kirche und der Welt ist voll von Beispielen, die uns zeigen, dass ein solches Gottvertrauen möglich ist: Martin Luther fällt mir ein, Maximilian Kolbe, der sein Leben für das eines Mitgefangenen im KZ gab, Dietrich Bonhoeffer, der noch mit dem Tod vor Augen die schönsten Vertrauensverse gedichtet hat: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag ...

Aber wir müssen gar nicht nur an diese prominenten Glaubenden denken. Ich bin überzeugt, dass jede und jeder von uns im Leben mindestens einem solchen Menschen begegnet ist, der diesen festen, durch Krankheit und Leid, Not und Tod nicht zerstörbaren Glauben gehabt und durchgehalten hat. - - -

Das andere aber ist dies: Wie der Glaube ja überhaupt ein Geschenk ist und immer bleibt, so auch dieser Glaube, der aushalten, durchhalten kann, selbst da, wo wir nach menschlichem Ermessen keine Möglichkeiten mehr haben und allem nach, was wir bei ehrlicher Einschätzung von der Zukunft erwarten können, nur schlimme Aussichten sehen. Und Gott kann und will uns diesen Glauben schenken. Und dieses Geschenk liegt vielleicht nur ein Gebet weit für uns bereit. Denn in diesen Dingen hilft zuletzt nur beten, das eigene Gebet, aber auch das fürbittende Beten, in dem wir vor Gott aneinander denken und unsere Sorgen und Nöte vor ihn bringen. Und das sagt auch schon Paulus: "Ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, daß mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi."

Gott schenke es uns, dass wir durch das gute Beispiel anderer und durch unser Gebet und die Fürbitte einer für den anderen zu einem solchen Glauben gelangen, dass wir so wie Paulus sprechen können: Aber wir werden uns auch weiterhin freuen; denn wir wissen, dass uns dies zum Heil ausgehen wird durch unser Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie wir sehnlich warten und hoffen, dass wir in keinem Stück zuschanden werden, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an unserem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist unser Leben, und Sterben ist unser Gewinn.