Predigt zum Altjahrsabend - 31.12.2005

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Liebe Gemeinde!

Die härtesten Menschen werden heute Abend weich. Nie fließen so viele Tränen, wie heute Nacht - außer an den Weihnachtstagen vielleicht. Dieser Übergang ins neue Jahr ist eine richtige Krise: mit großen Ängsten besetzt, mit Unsicherheit und Zweifel. Keiner weiß, was kommt. In der Welt nicht und auch persönlich. Wird uns der Wohlstand und wird mir der Arbeitsplatz erhalten bleiben? Werde ich den ersehnten Abschluss schaffen? Werde ich das Ende des nächsten Jahres überhaupt noch erleben? Und auch der Abschied vom alten Jahr ist schwer. Wir sollen die Schwelle zum neuen überschreiten und so vieles hängt noch an uns, wie bleierne Gewichte: Die schlimmen Erfahrungen, die gescheiterten Versuche, die zerplatzten Hoffnungen ... Wieder war es bei den meisten von uns nicht das Jahr, das uns dem wirklichen Leben, das wir ersehnen, näher gebracht hat. Und betrachten wir doch die Bräuche, die den Jahreswechsel begleiten: Das Bleigießen - geboren aus der Angst vor dem Unbekannten; vielleicht bekommen wir ja doch einen kleinen Hinweis, was die nächsten 12 Monate bringen werden? Der Alkohol, der in dieser Nacht in Strömen fließt - ist er wirklich Ausdruck unserer Freude, dass ein neues Jahr beginnt? - ist er nicht vielmehr Betäubung unserer Furcht? Mancher wird sich in dieser Nacht sinnlos betrinken, so wissen es die Leute von der Polizei und den Rettungsdiensten - und das tut einer dann vor lauter Freude? Schließlich die Knallerei um 12. Mit Raketen und Kanonenschlägen begrüßen wir das neue Jahr - voll froher Erwartung auf das, was kommt? Ich muss bei dem Lärm immer wieder an Kinder denken, die im dunklen Wald - vor Angst - laut pfeifen.

Etwas Gutes hat dieser Abend jedenfalls: Die Menschen sind heute ehrlicher als sonst. Sie sind bereiter, sich so zu sehen, wie sie halt sind. Und sie sind empfänglicher, Fehler einzugestehen und sich etwas Neues, Besseres vorzunehmen. Ich will das heute Abend einmal schamlos für die gute Sache Gottes ausnutzen:

Ich denke mir einmal, da raucht einer von ihnen seit Jahren, ja, seit seiner Jugend schon. Er möchte es gern lassen; er weiß, er zerstört seine Gesundheit damit. Außerdem: was das kostet! Tausende jedes Jahr. In der Hauptsache aber ist es Angst, was dahintersteht. Die Angst vor dem Krebs, dem langsamen Zerfressenwerden, und am Ende dem Sterben am zerstörerischen Laster. Heute nun, macht man sich einmal nichts vor - keinen blauen Dunst. Heute nimmt man einmal seine Zuflucht nicht zu den Sprüchen: „Ist ja eine ganz milde Marke. - Früher habe ich noch viel mehr geraucht!" Einer von uns, so stelle ich mir vor, will heute aufhören. Er fasst einen Entschluss: Ab Morgen rauche ich nicht mehr!

Ich nehme noch dazu einmal an, der Mensch unter uns, der diesen Vorsatz fasst, tut es zum ersten Mal. Er ist nicht einer von denen, die sich jedes Jahr neu irgendetwas vornehmen, ohne noch selbst daran zu glauben, dass sie's schaffen. Nein, dieser Entschluss ist ernst zu nehmen!

Was erwartet den, der ihn fasst? - Alle möglichen Versuchungen: Die Gewohnheit: Nach dem Essen, bei dieser oder jener Gelegenheit hat er doch immer eine geraucht Das Beispiel der Freunde und Kollegen: So viele haben ja dieses Laster! Und es scheint so selbstverständlich dazuzugehören. Und schließlich: die eigene Schwäche! „Nur eine einzige ... Das kann doch nicht schaden. Dann bin ich auch bestimmt wieder eisern! - Sie wissen alle, wie das weitergeht?! Vielleicht aus eigener Erfahrung? Es wäre gut, wenn hier einer helfen würde. Immer wieder einmal Mut machen: „Du schaffst das, bleib standhaft, bald bist du durch!" Wie schön wird das sein, wenn er über den Berg ist! Frei von einem Laster, das ihn Jahrzehnte im Griff hatte. Wenn erst aus dem Vorsatz Wirklichkeit geworden ist, eine mit Härte und starkem Willen erkämpfte Wirklichkeit, dann kann man sich freuen. Hinterher weiß ich: Es hat sich gelohnt!

Liebe Gemeinde, wir wollen jetzt den Predigttext für diesen Altjahrsabend hören:

Textlesung: 2. Mose 13, 20 - 22

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Ahnen sie jetzt, worauf ich heute hinaus will, liebe Gemeinde? Ich würde dem, der von einem Laster loskommen möchte, das so gern zusagen, so dass er's von heute wirklich mitnehmen und glauben kann: Du bist nicht allein bei deinem Aufbruch in die so schwierige Zeit voller Versuchungen und voll Angst, wieder hinter den Vorsatz zurückzufallen. Gott ist bei dir Tag und Nacht. Du kannst ihn rufen, er ist dir nah und er hilft dir.

Aber das ist nur das eine, was ich gern von heute mitgeben würde. Nicht alle von uns hängen ja an irgend einem Laster oder einer schlechten Angewohnheit. Es gibt auch solche unter uns, die haben vielleicht vor, ab Morgen mit Gott neu oder endlich richtig zu beginnen? Könnte doch sein! Ich meine gar nicht nur die äußeren Dinge, die dazugehören: Zum Gottesdienst gehen, sich zur Gemeinde halten, in Gottes Wort lesen ... Ich meine, was ein guter Freund von mir immer so bezeichnet: „mit Gott arbeiten." Und ich verstehe das so: Alles was mir geschieht, meine Arbeit, meine Freizeit, was mir Spaß macht und was mir schwer ist, meine Freude und meinen Ärger ..., eben alles von Gott her begreifen, vor ihm im Gebet ausbreiten und bedenken, mich von ihm leiten lassen, seinen Willen tun und in all meinen Beziehungen zu den Mitmenschen leben. Ich denke mir also, heute fasst einer oder eine den Entschluss, „mit Gott zu arbeiten" und so ernst zu machen mit diesem Wort: Und der HERR zog vor ihnen her ... um sie den rechten Weg zu führen. Da will also eine oder einer Gott sein lassen, was er ist: Der Herr unseres ganzen Lebens, der Ursprung, der Weg und das Ziel, der Schöpfer, der uns gemacht hat und einmal - unser Richter! „Mit Gott arbeiten" - ich stelle mir vor, der Mensch, der sich das heute vornimmt, hat es einfach satt, nur in der Gemeindekartei zu stehen, getauft und konfirmiert zu sein und natürlich kirchlich getraut. Es ist ihm auch zu wenig, bloß an Heiligabend, Silvester oder Ostern im Gottesdienst aufzutauchen, und er mag sich auch nicht mehr zu den Sprüchen flüchten: „Der Kirchgang macht schließlich nicht den Christen", oder: „Es gibt sicher viel größere Sünder als mich!" Alles das findet er inzwischen abgeschmackt und billig. Er möchte heute neu anfangen, ernsthaft! Was erwartet den, der diesen Vorsatz fasst?

Alle möglichen Versuchungen: Die Gewohnheit z.B., wann hat er früher gefragt, ist dieses oder jenes mit meinem Christentum vereinbar? Er hat einfach getan, wonach er Lust hatte, was ihm so in den Sinn kam, wo das meiste rauszuspringen schien. Jetzt wird er etwas anderes beachten müssen bei allem, was er tut: Kann das vor Gott bestehen und besonders, wird das dem Gebot gerecht: Du sollst deinen Nächsten lieben? Er wird sich also fragen müssen, warum handle ich so oder so, steckt die Liebe zum Mitmenschen dahinter oder die ... zum eigenen Bauch?

Und die andere Versuchung: Das Beispiel der Freunde! Das darf man nicht unterschätzen! Es kostet schon was - auch in unserem Dorf (unserer Gemeinde) - über die bloß äußerliche Christlichkeit hinauszukommen. Wer kann sich das vorstellen?: Einer sagt bei seinen Freunden oder Arbeitskollegen, ich kann dieses Verhalten nicht mitmachen, weil ich versuche, ein Christ zu sein! Oder, wo hätte einer schon einmal so etwas gehört: Was ihr da tun wollt ist gemein und verletzend und Gott will das nicht! Es ist bestimmt einfacher, bei allem, was gerade so in ist, mitzuziehen, in der Masse mitzuschwimmen. Man fällt dann weniger auf und niemand stellt peinliche Fragen. Und noch eine Versuchung - nicht die kleinste: die eigene Schwäche. Das klingt so: Ob sich das überhaupt lohnt - mit Gott arbeiten - auf das verzichten, was er nicht gutheißen würde? Was mir da alles entgeht! Ich mühe mich, die andern machen das Rennen, kommen weiter, haben den Spaß und verdienen das Geld ... Und sie lachen noch über mich! Ob ich da nicht noch ein paar Jährchen warte mit dem christlichen Leben? Bis ich's geschafft, bis ich mir etwas aufgebaut habe? - Sie wissen, wie das weitergeht! Vielleicht aus eigener Erfahrung?

Und der HERR zog vor ihnen her ..., um sie den rechten Weg zu führen, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich er von ihnen, weder bei Tag noch bei Nacht. Es wäre gut, wenn wir uns von Gott begleiten und wenn sich der, der heute neu anfangen will, helfen ließe: Da gibt es Einiges: Die Schrift kann uns jeden Tag neu Mut machen, auf dem Weg mit Gott zu bleiben. Der Gottesdienst will uns jeden Sonntag neu Kraft geben, nicht von der guten Sache abzuirren. Die Gemeinschaft mit andern, die vielleicht schon länger „mit Gott arbeiten", möchte uns stärken, gegen den Strom zu schwimmen.

Es ist schwer, die Vorsätze des heutigen Abends wahr zu machen. Aber wie schön wird es sein, wenn du über den Berg bist, frei, das zu tun, was gut für dich ist und was Gott will - und eben nicht das, was dir ein Laster gebietet und nicht das, was alle tun. Wenn erst dein Vorsatz Wirklichkeit geworden ist, eine mit Härte und starkem Willen erkämpfte Wirklichkeit - dann kannst du dich freuen. Hinterher weißt du: Es hat sich gelohnt!

Das darfst du heute Abend wissen: Der HERR ist mit dir auf dem Weg! Er wird dich bei Tag und Nacht nicht verlassen und dir helfen.