Predigt zum 2. Christtag - 26.12.2005

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Textlesung: Offb. 7, 9 - 17

Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

Liebe Gemeinde!

Ist der Prophet uns auch zuerst ganz fern in der Vision, die er beschreibt, so kommt er uns doch am Ende seiner Worte ganz nah: Haben wir gewiss auch alle ganz unterschiedliche Vorstellungen, wenn wir von der großen Schar hören, die vor dem Thron des Lamms steht mit den Engeln rings herum. Fällt es uns auch schwer, zu begreifen, dass ein in Blut gewaschenes Kleid am Ende hell, ja, weiß sein soll. Und überfordert uns auch das Bild eines Lamms, das Menschen leitet und zu den Quellen des lebendigen Wassers führt, so wissen wir doch sehr wohl was das heißt und wie sich das anfühlt, wenn uns Gott alle Tränen von unseren Augen abwischen wird.

Immer sind es ja die kleinen Dinge, die einfachen, alltäglichen Bilder, die unsere Sinne ansprechen, unsere Gefühle wecken und uns dazu führen, dass wir verstehen: Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen! Wie ein Vater oder eine Mutter, so wird Gott auch uns in den Arm nehmen, unsere Tränen trocknen, uns mit einem Blick voller Liebe ansehen und uns zusagen: Jetzt ist alles gut. Du hast allen Schmerz, alle Lasten, alle Krankheit und alle Behinderung deines Lebens überstanden. Nichts davon wird dich je noch quälen. Und deine Fragen will ich dir beantworten. Alle Rätsel, alles, was du nie verstanden hast und auch das, wo du gemeint hast, ich wäre ungerecht, will ich dir erklären. Du sollst bei mir für immer zu Hause sein, nie wieder wirst du weinen müssen, nie mehr Angst haben, ewig ...

Wenn wir das so hören, dann denken wir gewiss: Das alles wird ja doch erst später, nach unserem Tod sein. So ist es vielleicht, wenn die Zukunft, das Leben in Gottes neuer Welt für uns beginnt. Und dann werden wir sie empfinden, die Sehnsucht ... Warum kann das nicht alles schon heute sein? Warum müssen wir noch warten. Warum noch das Leid tragen, all das Schwere bestehen und durch Alter und vielleicht Jahre des Siechtums hindurch gehen müssen? Und dann: Wer sagt uns denn, dass es alles wahr ist? Wer steht uns dafür ein, dass wir uns diese künftige Herrlichkeit nicht nur wünschen? - Ob sie aber je wirklich sein wird?

Liebe Gemeinde, wir feiern in diesen Weihnachtstagen, dass Gott selbst in seine, in unsere Welt gekommen ist. Und wir haben eigentlich keine Schwierigkeiten, uns das vorzustellen: Gott legt sich als Kind in eine Krippe, um von Anfang an das Leben eines Menschen zu erfahren. Ja, sagen wir dazu, so ist das gewesen vor rund 2000 Jahren.

Aber denken wir uns doch einmal, wir wüssten nichts von dieser Geschichte Gottes in der Welt. Wir wären nicht schon als Kinder in diese jährlich wiederkehrende Folge der Tage von Heiligabend bis zum 2. Christtag hineingeboren worden und dann hineingewachsen. Und denken wir uns noch, wir hätten nie die Süße dieser schönen Zeit geschmeckt, nie ihren Duft geatmet, das Geheimnis um die verschlossene Weihnachtsstube nie gespürt und keine Geschenke empfangen. Und schließlich - was wir uns wohl am schwersten vorstellen können! - niemand hätte uns je davon erzählt, was der Grund aller Weihnachtsfreude ist: Die Geburt des Heilands in einem Stall, Gottes Sohn in einer Futterkrippe, ja, Gott selbst in ihm: ein Mensch wie wir, einer von uns, einer für und mit uns ... Ich weiß, das sind ganz schwierige Gedanken, aber versuchen wir's ... - - -

Dann aber würde uns heute jemand das sagen, was wir Gott sei Dank seit unserer Kindheit wissen und mit Leib, Herz und Seele all die Jahre erfahren haben. - - -

Liebe Gemeinde, wir könnten das alles nicht glauben! Wir würden uns fühlen, wie ein Mensch sich fühlt, der irgendwo weitab von jeder menschlichen Zivilisation in der Wildnis aufgewachsen ist und als Erwachsener zum ersten Mal die Geschichten um das Christfest hört. Alles wäre uns fremd und bliebe uns wohl auch fremd. Uns fehlte die Beziehung dazu, uns fehlten auch die Eindrücke, die Weihnachten schon seit der Kindheit in unseren Herzen, unseren Seelen und - besonders! - in unseren Sinnen hinterlassen hat. Wir könnten Weihnachten nicht begreifen und schon gar nicht seine tiefste Botschaft glauben, dass Gott Mensch wird!

Liebe Gemeinde, jetzt sind wir soweit: So, genau so, geht es uns auch, wenn uns der Seher Johannes diese Zukunftsbilder vor unsere inneren Augen malt: Von der großen Schar, die vor dem Thron des Lamms mit den Engeln steht; von dem in Blut gewaschenen Kleid, dem Lamm, das Menschen zu den Quellen des lebendigen Wassers führt ... Wir haben das nicht erfahren! Uns fehlen die Gefühle, die wir einmal haben werden, die Erlebnisse damit, die sich in unser Inneres einprägen ..., darum haben wir es mit dem Glauben daran - noch - schwer!

Eins aber haben wir dem Menschen, der in der Wildnis aufgewachsen ist, doch auch hier voraus: Weihnachten haben wir erlebt, schon oft und immer wieder! An diesem wunderbaren Fest haben wir die Größe Gottes und die eigentlich unglaubliche Botschaft von Stall und Krippe und der armen Geburt des Heilands erfahren, erfühlen und begreifen dürfen. Und wie wir hier schon zum Glauben und zur Freude der Weihnacht gekommen sind, so kann es uns auch angesichts der Bilder gelingen, die uns der Seher heute vor Augen stellt. Lassen wir dabei dieses so tröstlliche und so zu Herzen gehende Bild das Tor sein, durch das wir die Visionen des Johannes betreten: Gott wird abwischen alle Tränen von euren Augen ... Alles Leid dieser Welt wird dann vorbei sein. Die Mühsal unseres Lebens, alle Krankheit, alle Behinderungen werden von uns abfallen wie ein altes, aufgebrauchtes Kleidungsstück. Hunger und Durst wird es nicht mehr geben. Hitze oder Kälte werden uns nicht mehr beschweren. Die Ewigkeit bricht an. Eine Zeit ohne Ende. Eine Herrlichkeit ohnegleichen.

Und Gott, in dessen Armen wir drüben beginnen, wird uns ein neues Kleid überstreifen, ein unbeflecktes, weißes ... Und wir werden wissen, wem wir dieses Kleid verdanken: Jesus Christus, an den wir hier geglaubt haben, zu dem wir hier Vertrauen gefasst und auf dessen Sterben für unsere Schuld wir uns verlassen haben. Und es wird uns ganz selbstverständlich sein, was dann geschieht: Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an ...

Und was sie sprechen, wird uns so vertraut sein, wie heute vielleicht das Vaterunser: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Gott wird abwischen alle Tränen von unseren Augen ... Dieses Gefühl der unendlichen Geborgenheit wird uns nie mehr verlassen. Sorgen werden wir nicht mehr kennen, denn es ist für uns gesorgt. Kummer wird sich uns nie mehr nahen, denn Gott selbst wird sich um uns kümmern. Keine Last beschwert mehr unseren Rücken, denn das Lamm Jesus Christus hat sie uns abgenommen.

Liebe Gemeinde, mit dem Glanz von Weihnachten im Gesicht hören wir heute diese Worte. Wir erinnern uns an all die milden Christtage, die wir im Laufe unseres Lebens erfahren haben. Wir riechen den Duft von Weihnachten. Wir hören die Botschaft der Geburt Gottes in der Welt. Wir begreifen daran, wie nah er uns sein will und wie sehr er uns liebt ... Und dann schauen wir hin zu den Bildern, die uns der Seher beschreibt. Und sie sind uns nicht mehr gar so fremd. Wie uns Weihnachten heute in diesem Leben beglückt, so wird es Gottes ewige Nähe auch einmal tun: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.