Predigt zum 9. So. nach "Trinitatis" - 24.7.2005

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Textlesung: Mt. 7, 24 - 27

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Liebe Gemeinde!

Einleuchtender geht's ja wohl nicht: Ein Haus, auf einen Felsen gegründet, hält Wind und Wetter stand. Wenn ein Haus auf Sand steht, dann fällt es beim ersten Sturm und Platzregen um. Wirklich: Das kann jeder verstehen und es gibt wohl niemanden, der hier widersprechen würde. - Warum wird dann aber doch so häufig nicht auf den Felsen, sondern auf Sand gebaut? Warum hören dann doch nur so wenige Menschen darauf, was Jesus ihnen sagen will?

Das muss daran liegen, dass sein Wort oft nicht als Fels erkannt wird, auf den wir unser Lebenshaus bauen können. Und es liegt daran, dass so viele andere Worte sich als fester Halt und verlässlicher Grund ausgeben, auf dem wir sicher wohnen. Dass es oft nicht so ist, wissen wir. Wie aber können wir hier unterscheiden? Wie vermeiden wir es, unser Leben auf den Sand falscher Versprechen und eigensüchtiger Ziele zu gründen?

Schauen wir uns einmal an, welcher "Baugrund" uns heute so angeboten wird, wenn wir das Haus unseres Lebens errichten wollen:

Ein solches Angebot erreicht uns meist schon ganz früh in unserem Leben. Ich will es einmal den "Konsum" nennen. Es ist auf der einen Seite sehr vielfältig, auf der anderen aber ziemlich eintönig, das merkt man aber meist erst, wenn man schon darauf eingegangen ist. Dieses Angebot hat diesen oder einen ähnlichen Text: Dein Leben ist bunt, voller Kurzweil und Abwechslung, wenn du immer versuchst, alles zu haben und mitzunehmen, was du nur kriegen kannst. Die modernste Wohnung mit allem Komfort, das größte, schnellste Auto, den teuersten Urlaub - und möglichst weit weg, schicke Kleidung, makelloses Make-up, und der Körper wird im Fitnessstudio getrimmt und um Gottes Willen: Keinen Trend verschlafen! - Es ist ein sehr äußerliches Leben, das die Menschen führen, wenn sie dem Konsum huldigen. Die Beziehungen zu anderen werden oft nach denselben Maßstäben ausgesucht, wie man die neuen Designer-Schuhe auswählt: Passen müssen sie uns und gefällig müssen sie sein und so, dass man sich in ihnen wohl fühlt. Echte Freunde, die uns auch einmal sagen, was ihnen an uns nicht passt und nicht gefällt, sind hier selten. So entsteht ein mit Sachen, mit Terminen und Vergnügen reich gefülltes Leben, das auf der anderen Seite aber erschreckend leer ist. Es gibt wenig Tiefe in einem solchen Leben. Wenig, was wirklich wichtig wäre, woran man sich reiben und vielleicht wachsen könnte. Alles ist seicht und oberflächlich. Und es macht auf die Dauer einfach nicht zufrieden.

Ein anderes Angebot, sein Leben zu gestalten, ist auf den ersten Blick sehr vernünftig, es geht dabei um "Sicherheit" und dass wir alles im Griff haben und behalten. Menschen, die dieses Angebot annehmen, tun nichts unbedacht. Sie prüfen und wägen ab, sie haben ein "gesundes" Misstrauen gegenüber aller Veränderung, sie überschlafen alle Entscheidungen lieber zweimal, ehe sie dies oder das tun. Wie gesagt: Das sieht sehr vernünftig aus! Die Kehrseite allerdings ist, dass diese Menschen oft keinen rechten Zugang zum Glauben der Christen finden. Vertrauen in eine Macht aufzubringen, die sie nicht sehen können, fällt ihnen schwer. Da ist eine gute Lebensversicherung doch eine andere Sache als dieses Glauben ins Blaue hinein ... dass Jesus Christus immer bei uns ist, sein Wort uns tröstet und stark macht und sein Wille für uns der beste ist. Das ist alles so wenig greifbar, so ungewiss. Lieber setzt man da doch auf das, was man mit dem eigenen Kopf planen und den eigenen Händen gestalten kann. Da ist man doch auf der sicheren Seite, meint man. - Schade ist nur, dass diese Menschen nie das Staunen kennen lernen, das einem überkommt, wenn wir uns in schweren Lebenszeiten der Führung Gottes anvertraut haben und hinterher nur sagen können: Wir sind nicht nur hindurchgekommen, sondern an Leib und Seele gestärkt aus dem Leid oder der Krankheit hervorgegangen. Menschen, denen die Sicherheit über alles geht, werden das Schwere und alles Leidvolle ihres Lebens immer als eigenes Versagen verstehen und nicht als Chance, Gottes Macht über uns zu erfahren.

Noch einige andere Baugründe für unser Lebenshaus sind im Angebot: Der blanke "Egoismus" zählt dazu, die "Esoterik" mit ihren Rezepten mit Zutaten aus allen möglichen westlichen und fernöstlichen Religionen, aber auch der "sportliche Lebensentwurf", der sich bemüht, allen Schwierigkeiten die auftreten können und später dem Alter einfach davonzulaufen oder seine Auswirkungen wegzutrainieren, wobei Wellness und Schweiß gleichermaßen beteiligt sind.

Aber wir wollen jetzt sehen, was Jesus uns dagegen anbieten will: Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

Liebe Gemeinde, "hören" und "tun", darum geht es für uns Christen, wenn wir unser Leben auf Christus gründen wollen. Und es ist eben nicht umgekehrt, dass wir erst selbst etwas "tun" sollen, um dann zu "hören", was ER von uns will. So aber sind eigentlich alle anderen Baugründe für unser Lebenshaus beschaffen: Wir tun etwas! Und hören ist gar nicht gefragt. Mal ist es der Konsum, mal das, was unsere Sicherheit fördert. Mal mühen wir uns um alles, was unserem eigenen Ich, der geistigen Erleuchtung oder der körperlichen Fitness dient. Immer sind dabei wir es, die handeln, die den Weg und das Ziel des Lebens bestimmen. - Christus will zuerst unser Hören. Und was hat er uns zu sagen?

Erst einmal dies: Du musst und du kannst dein Leben nicht allein machen! Wir haben einen Vater im Himmel, der hält dich in seiner guten Hand! Der weiß auch viel besser als du, was du brauchst und was dir wirklich nötig ist. Du bist ja doch sein Kind! Er hat dich geschaffen und gewollt; er liebt dich!

Aber wir hören noch mehr: Ich will der Herr deines Lebens werden - und bleiben. Dazu habe ich am Kreuz von Golgatha dein Leben in Ordnung gebracht. Alle Schuld ist vergeben. Alle Strafe habe ich für dich getragen. Du darfst dich darüber freuen und musst jetzt nur noch sagen: Ja, Herr, geh du mit mir und bleib' bei mir. Wenn ich traurig bin, dann tröste mich. Wenn mir die Kraft ausgeht, dann stärke mich. Wenn ich zweifle, mach' mein Herz wieder fest. Wenn ich fröhliche Stunden erlebe, schenke mir Dankbarkeit.

Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Machen wir uns nichts vor, wir können uns nicht dagegen schützen, dass auch in unser Leben das Unverhoffte, Unerwartete und eben auch Unglück und schweres Geschick einbrechen. Keine und keiner von uns kann und wird dem entgehen. Und wir müssen das nicht so buchstäblich nehmen: Das "Wasser", von dem hier die Rede ist, können auch Missgeschick und Schicksalsschläge sein die wie eine Flut allen Glauben, alles Gottvertrauen, das ich mir noch bewahrt hatte, hinwegspülen. Und wie ein "Wind", manchmal sogar wie ein Sturm können in Krankheits- und Krisenzeiten meiner Tage die Sinnlosigkeit und die Frage nach dem Warum aller Leiden an meinem Lebenshaus rütteln. Und manchmal kommt uns dann unser ganzes bisheriges Leben mit dem, was es war und dem was es doch hätte sein sollen wie ein Platzregen vor, wie eine Naturgewalt, die uns in unseren Grundfesten erschüttert und die Angst mit sich bringt, wir hätten bisher alles falsch gemacht und unser ganzes Leben verfehlt.

Da bietet Jesus Christus, wenn wir auf ihn und sein Wort hören, doch etwas anderes an: nicht dass uns Anfechtungen und schweres Geschick weniger treffen und heimsuchen. Das nicht! Aber wenn die Flut der Angst und der bösen Erwartungen über uns kommt, dann wird ER an unserer Seite sein und uns helfen, die nächsten Schritte zu machen, solange, bis wir wieder alleine laufen können! Und wenn der Sturm des Lebens an allem zerrt, was bisher doch klar und fest erschien, dann wird ER vielleicht im Gebet oder eine Erfahrung, die er mir dann schickt, zu mir sprechen - und ich werde meinen Glauben und mein Vertrauen festhalten können. Wenn schließlich der Sinn meines Lebens auf dem Spiel steht, alles, woran ich bisher geglaubt habe, wenn alles, was mir immer wichtig und wertvoll war, eingestürzt ist, dann wird ER da sein und mir neu die Hand hinstrecken, wird mir sein Wort sagen und mich an den Beginn eines neuen Weges mit ihm stellen. Dann werde ich wissen, was Vergebung und Neuanfang heißt. Dann erlebe ich, dass es wahr ist: Wer meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.

Liebe Gemeinde, der Baugrund "Jesus Christus" ist noch zu haben. Näheres erfahren wir in der Heiligen Schrift, besonders im Neuen Testament. Und das Beste ist: Er wird kostenlos angeboten.