Predigt zum 6. So. nach "Trinitatis" - 3.7.2005

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Textlesung: 5. Mos. 7, 6 - 12

Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, daß der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, daß du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

Liebe Gemeinde!

Gewiss, diese Worte waren an Israel gerichtet - und das vor rund 3 1/2 Tausend Jahren. Und auch das ist richtig: Es geht hier zuerst um den Bund Gottes mit seinem auserwählten Volk. Und doch können auch wir Christen heute eine ganze Menge aus diesen Versen entnehmen, was für unser Verhältnis zu Gott genauso gilt!

Da ist zunächst dieser Gedanke: Auch uns, dich und mich, hat Gott erwählt! Schon vor unserer Geburt ist das gewesen. Nicht wir haben uns ja das Leben gegeben. Auch nicht unsere Eltern. Aus Gottes Wollen und seinem Segen sind wir hervorgegangen.

Und auch einen Bund hat Gott mit uns geschlossen. Da können wir an unsere Taufe denken, oder vielleicht an die Konfirmation. Ich glaube, wenn wir im christlich geprägten Abendland aufgewachsen sind, dann können wir nicht sagen, dass uns Gott nicht irgendwann - meist schon in unserer Kindheit und Jugend - seinen Willen vorgelegt und das Angebot seines Bundes gemacht hätte!

Wir kennen die 10 Gebote. Wir haben von Jesus gehört und dass er für uns ans Kreuz gegangen ist. Wir haben durch ihn erfahren und er hat es uns erworben, dass Gott nicht ein unbarmherziger Richter, sondern ein gütiger Vater ist. Und damit wissen wir genug. Damit kennen wir die Bedingungen des Bundes, den Gott mit uns schließen will.

Auch das trifft zu, ich bin ganz sicher, für jede und jeden hier: Gott hat uns "herausgeführt und erlöst". Für Israel war es damals die Knechtschaft in Ägypten - bei uns mag es eine schwere Zeit, eine Not oder Krankheit gewesen sein. Für Gottes Volk bedeutete es den Beginn des Lebens in einem neuen schönen Land, das Gott verheißen hatte - wir wurden zum Glauben an Jesus Christus und die Gnade Gottes befreit.

Und wie Gott Israel seine Treue versprochen und gehalten hat, so wird er es auch mit uns tun. Was er dafür von uns erwartet, ist dasselbe, was er damals von seinem Volk haben wollte: Wir sollen ihn lieben und seine Gesetze halten.

Liebe Gemeinde, wenn wir das so hören, klingt es alles doch sehr vernünftig. Wir haben keine Einwände. Und fast kommt es uns da doch unangemessen hart vor, wenn wir nun erfahren, was die Menschen riskieren, wenn sie Gottes Bund brechen: "Er vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen."

Aber wir wissen es ja: Es hat damals nur sehr kurz gewährt, da hat das auserwählte Volk andere Götter angebetet; auch wollten sie wie andere Völker einen König haben. Und später haben sich gerade die Könige Israels immer wieder von Gott abgewandt und sind vom rechten Glauben abgefallen. So ist auch die Strafe für den Bruch des Bundes nicht ausgeblieben: Immer wieder sind Feinde über Israel hergefallen, haben es unterjocht, die Menschen getötet, das Land verwüstet und den Rest des Volkes in die Gefangenschaft geführt. Wahrhaftig, es ist eingetreten: Gott hat vergolten, er hat das Volk bestraft, dass von ihm abgefallen ist und seine Führer sind oft übel umgekommen. Und wir können es doch auch verstehen - selbst da, wo es uns immer noch sehr hart erscheint und schlecht mit der Güte des "Vaters" zu reimen.

Aber bevor wir nun nach dem Bund Gottes mit uns sehen und wie es mit diesem Bund auf der einen und anderen Seite steht, wollen wir noch drei wichtige Gedanken bedenken:

- Gott ist nicht nur der Vater seiner Menschen, er ist auch der Schöpfer! Um es ganz deutlich zu sagen: Er ist der Töpfer, der uns geformt hat und wir sind nur der Ton in seiner Hand! Die Menschen haben das immer wieder vergessen! Dann haben sie sich aufgespielt, so als hätten sie sich selbst das Leben gegeben. Oder im Töpferbild gesprochen: Als hätte sich der Ton selbst zum Gefäß gemacht!

- Das zweite ist dies: Niemals hat Gott ohne vorherige Mahnung und Warnung seine Strafe über das Volk gebracht! Immer wieder hat er seine Propheten gesandt, dass sie die Menschen heimrufen zu Gott, an den Bund erinnern und ihnen sagen, was der rechte Glaube wäre. Ganz so hart wie wir vielleicht zuerst dachten, ist Gott also nie gewesen.

- Und hier ist der dritte Gedanke, vielleicht der wichtigste, sicher aber der tröstlichste: Selbst nach der schlimmsten Strafe gab es immer wieder einen Neuanfang! Ein König musste sterben - sein Sohn aber erbte das Reich und die Macht und durfte von Gott gesegnet regieren. Das Volk musste in die Verbannung - ein Rest aber kehrte zurück und baute den Tempel Gottes wieder auf und lebte viele Jahrzehnte unter Gottes Gnade. Niemals also war die Strafe für immer, niemand ist ganz aus dem Bund Gottes gefallen. Seine Treue war größer als alle Bosheit, aller Hass und alle Auflehnung der Menschen.

Liebe Gemeinde, jetzt wollen wir nach uns selbst schauen. Wie ist es um Gottes Bund mit uns bestellt? Oder noch deutlicher: Wo stehen wir in unserer Beziehung zu Gott? - - -

Eine sehr persönliche Frage. Jede und jeder muss sie selbst beantworten. Aber ein paar Hilfen, um zu dieser persönlichen Antwort zu gelangen, können wir schon aus den Versen entnehmen, die wir heute gehört und was wir dazu bedacht haben:

Auch wir sind aus Gottes Schöpferhand hervorgegangen. Nichts sind und haben wir aus uns selbst. Und mit unserem Kopf wissen wir das ja auch. Aber wir kennen das genau wie das Volk Israel und die Menschen vor 3 1/2 Tausend Jahren: Schnell sind wir dabei, uns selbst zum Töpfer aufzuschwingen. Das hört sich so an: "Ich habe etwas aus mir gemacht." Oder so: "Wenn es mir heute gut geht, dann ist das allein mein Verdienst; ich habe schließlich auch hart gearbeitet. "Oder auch so: "Der ist doch selber schuld, wenn er's zu nichts bringt in dieser Welt!" Dabei wissen wir es doch und wir sagen es auch: An Gottes Segen ist alles gelegen! Und: Gott bestimmt unser Schicksal, alles ist seine Gnade!

Auch Propheten, die uns mahnen oder warnen, hat Gott uns immer wieder geschickt: Vielleicht haben sie uns ehrlich gesagt, was sie von unserem Hochmut halten, wenn wir immer wieder betont haben, dass uns alles, was wir sind und besitzen, "unserer Hände Arbeit" erworben hat. Oder sie haben uns mit ihrer eigenen Dankbarkeit für alle guten Gaben Gottes daran erinnert, dass ja auch wir alles nur aus der reichen Gnade Gottes empfangen haben.

Und manchmal kommt ja auch von Gott selbst ein Ruf oder ein Wink zur Umkehr: Wenn er uns mit einem Leid oder einer Krankheit an die Grenze führt und manchmal darüber hinaus - sodass wir nicht mehr sagen können, dass wir unseres Glückes Schmied und die Gestalter unseres Schicksals wären. Wie gut, wenn wir durch ein solches Geschick vielleicht wieder zur Demut und zur Einsicht finden, wer unser Leben in der Hand hält!

In jedem Fall aber hat Gott uns einen Weg zurück offen gehalten oder neu geöffnet! Nachdem er uns an den Bund, den wir mit ihm haben, gemahnt hat, war er uns doch weiter treu und hat uns Gelegenheit gegeben, auch ihm neu die Treue zu halten. Aus Gottes Segen können wir nicht fallen, es sei denn, wir entfernen uns selbst von ihm.

Wie gesagt: Jede und jeder muss selbst auf die Frage antworten, wie es um den Bund mit Gott bei ihr oder ihm steht. Wir sollten das ganz ehrlich tun und nicht von der möglichen Strafe her kommen, sondern von Gottes guter Verheißung: "So sollst du nun wissen, daß der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten ..."