Predigt am Sonntag "Pfingsten" - 23.5.1999

(weitere Predigten, Texte, Lieder, Gedichte und die Predigt zum aktuellen Sonntag der laufenden Perikopenreihe unter: http://www.predigt-eichendorf.de/ )

Liebe Gemeinde!

Heute habe ich zwei Versprechen einzulösen. Einige junge Leute aus der Gemeinde haben neulich gesagt: "Im Gottesdienst geht es wenig fröhlich zu! Die Minen der Leute strahlen meist nicht besonders viel Freude aus. Die Texte, die wir hören können, geben wenig her, was uns Spaß macht. Und die Predigt - sie ist meist auch eher für den Kopf bestimmt, und viel zu ernst! Zum Lachen gibt's eigentlich nie etwas!" Ich habe lange darüber nachgedacht und - eigentlich haben sie recht, die Jugendlichen! Es ist so, wie sie sagen, meistens jedenfalls. Weil nun Pfingsten ein im Grunde sehr fröhliches, frohmachendes Fest ist, habe ich mir für heute vorgenommen, daß es in diesem Gottesdienst und bei dieser Predigt einmal anders ist. Ich will heute einmal über die Freude predigen und es soll etwas zum Freuen, ja, sogar zum Lachen geben!

Ein zweites Versprechen habe ich (ihnen) vor Jahren (allen) gegeben, bei meiner Ordination nämlich: Daß ich immer wenn ich auf die Kanzel steige, das Wort Gottes predigen will und nicht meine eigenen Träume.

Jetzt wollen wir auf den Predigttext für heute hören, mit dem kann ich nämlich ganz gut beide Versprechen erfüllen!

Textlesung: Johannes 16, 5 - 15

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: daß sie nicht an mich glauben; über die Gerechtigkeit: daß ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.

Liebe Gemeinde, mich hat heute besonders angesprochen, daß der Heilige Geist doch ganz offensichtlich etwas mit "Freude" zu tun hat. Ich will euch einen Tröster senden, sagt Jesus. Der wird euer Herz, das jetzt voll "Trauer" ist, verwandeln. Trauer...Trost...Tröster... Der Heilige Geist macht also froh. Er hebt die Trübsal auf und vertreibt alle traurigen Empfindungen. Von daher ist es nun gar nicht mehr so weit zur Freude. Und Freude wiederum ist die Grundlage zum Lachen, wenigstens zum Lächeln. Wenn ich also jetzt eine kleine heitere Geschichte erzähle, bin ich ganz nah an dem, was der Heilige Geist bei uns tun will: Die Trauer verwandeln, die dumpfen Gefühle verscheuchen, die Angst nehmen, frohe, leichte Gedanken verbreiten, Freude machen, zum Lachen bringen...

Ein Kollege hat mir gestern abend am Telefon folgendes kleines Gespräch mit seiner Frau weitererzählt: Er war mit ihr gestern nachmittag beim Unkrautrupfen im Pfarrgarten. Sie hatten schon eine ganze Weile schweigend gearbeitet, da sagt er ihr: "Du" - sie hantiert gerade mit der Hacke im Rosenbeet ein paar Schritte entfernt - "du", ich kann doch nicht mit bloßen Händen diese hartnäckigen Pflanzen herausreißen! Ich habe morgen früh doch einen Abendmahlsgottesdienst zu halten. Ich kann doch nicht mit solchen Händen vor die Leute treten. Wenn ich den Menschen das Brot und den Wein austeile und sie mir auf meine grünen, schwieligen Finger schauen... Das geht einfach nicht!"

"Stell' dich nicht so an", sagt sie und schaut kaum von ihrer Arbeit auf. "Das ist doch überhaupt kein Problem. Du kannst doch Gummihandschuhe anziehen."

Mein Kollege scheint nun gestern nicht seinen besten Tag gehabt zu haben, denn er antwortet seiner Frau - etwas dumm, wie er zugeben mußte: "Ich kann doch nicht mit Gummihandschuhen Abendmahl feiern! Wie sieht denn das aus!"

Eine ganze Weile hat dann der mitleidige Blick seiner Frau auf ihm geruht, bis sie sagt: "Ich hatte bei den Handschuhen eigentlich mehr ans Unkrautrupfen gedacht!"

So ein bißchen wenigsten habe ich jetzt mein Versprechen erfüllt. Der eine oder andere hat gelächelt! (So richtig lachen fällt halt schwer in der Kirche!) Aber das ist natürlich jetzt nicht bloß ein Versuch gewesen, mit einem Scherz mal ein bißchen Aufmerksamkeit und ein Verziehen der Mundwinkel zu erregen. Nein, das hat durchaus mit Pfingsten zu tun und für mich mit dem Heiligen Geist und damit, wie ich ihn mir vorstelle: Sehen können wir diesen Geist ja nicht. Und hören...? Nun ja, bei uns hat es heute hier noch nicht gebraust und geweht wie damals am ersten Pfingstfest. Wir müssen den Geist Gottes also irgendwie anders erkennen können. Vielleicht mehr an seinen Folgen? Vielleicht - ja, warum denn nicht? - an seinem Widerschein auf den Gesichtern der Menschen? Es gibt ja einige Dinge, die können wir auch nicht sehen und wir wissen doch ganz genau, daß sie da sind: Die Liebe ist so etwas. Der Glaube. Die Hoffnung. Die Treue. Ob der Heilige Geist nicht auch in diese Reihe gehört?

Mir jedenfalls fällt es gar nicht schwer, mir vorzustellen: Der Geist Gottes ist da, wo Menschen lachen, befreit lachen oder einander froh und ermutigend zulächeln. Wer einen anderen anlacht, der ist ihm ja gut. Der ist von einem frohen, freundlichen Geist beseelt. Der führt nichts im Schilde gegen den Mitmenschen. Ein Mensch, der lächelt, ist nicht mehr nur trübsinnig und traurig. Ein Mensch, der lacht, ist befreit von allen dumpfen, bösen Gedanken.

Und noch etwas am Lachen paßt wunderbar zum Heiligen Geist: Es erfaßt uns doch oft ganz unvermittelt! Wie angeflogen kommt so ein fröhliches Gesicht und daß wir den Mund zu einem Lächeln verziehen müssen. - Wie vorhin vielleicht, bei meiner heiteren Geschichte. Und genau so ist ja auch der Geist Gottes. Er weht, wo er will, heißt es von ihm. Er ist mal hier, mal dort. Er kommt urplötzlich. Wir können ihm nicht befehlen. Genau wie bei der Freude, die uns lachen läßt!

Und schließlich - nicht zuletzt - Lachen steckt an! Der Heilige Geist hoffentlich auch. Wenn einer losprustet in einer Reisegesellschaft, dann lacht bald der ganze Bus. Und vielleicht weiß keiner am Ende, warum eigentlich gelacht wurde. (Wir haben das schon auf mancher Gemeindefahrt erlebt.) So kann es uns auch mit dem Geist Gottes gehen. Und das ist schön!

Ich will jetzt noch an mein zweites Versprechen denken: "Das Wort Gottes soll ich predigen", wo immer ich auf einer Kanzel stehe. - Da habe ich nun eigentlich gar keine Angst, daß es bisher schon zu Wort gekommen ist: Der Heilige Geist ist wie das Lachen... Aber ich will es noch deutlicher sagen: Wenn wir an diesem Pfingstfest "nur" das von hier mitnehmen, daß Gottes Geist mit dem Lachen und Lächeln der Menschen zu tun hat, dann ist das nicht wenig, schon gar nicht zu wenig. Denn es könnte ja nun sein, daß wir das nicht nur hören, sondern daß uns der Heilige Geist Gottes heute trifft und froh macht, wie das Lachen vorhin. Und dann kriegen wir vielleicht auch Lust und den Mut, dem Heiligen Geist bei der Arbeit zu helfen. Das geht nämlich. Und auch dazu paßt das Bild vom Lachen sehr gut: Wenn Gottes Geist erst bei mir die Trauer verbannt und die Trübsal vertrieben hat, dann kann ich auch bei anderen etwas tun, daß alle schlechten und dunklen Gedanken zurückgedrängt und in ihre Schranken gewiesen werden. Das rechte Beispiel ist auch hier: Das Lachen... Oder auch das Lächeln. - Wie ich das meine?

Wie Sie heute nach diesem Gottesdienst ja zum Beispiel die kleine Geschichte von vorhin weitererzählen und damit anderen auch ein Lächeln schenken können, so läßt sich auch manches andere, was der Heilige Geist bei uns tut, weitergeben, weitersagen und -tragen: Wenn Sie vielleicht gerade heute morgen fröhlich und vergnügt aufgewacht sind, dann zeigen Sie es doch mit Ihrem Gesicht! Wenn Ihnen heute oder morgen etwas Erfreuliches begegnet, mit dem Sie nicht gerechnet haben, dann lassen Sie das doch auch andere wissen, indem Sie's ihnen sagen oder ihnen wenigstens ein Lächeln geben. Oder wenn Ihnen überhaupt Ihr Glaube an Jesus Christus zum Leben hilft und Ihnen die Hoffnung gibt, die Sie täglich brauchen, dann sprechen Sie doch auch davon und achten Sie darauf, daß etwas davon auch in Ihrem Blick zu sehen ist.

Ich meine immer, daß es schon genug Resignation und Trauer in unseren Tagen gibt. Und die Menschen sind heute oft so mutlos und ohne Hoffnung. Zeigen wir den Leuten doch, wenigstens in unserer näheren Umgebung, daß es auch Grund zum Freuen gibt, zur Zuversicht und zum mutigen, festen Schritt nach vorn. Ein Lachen, wenigstens ein Lächeln kann der Anfang sein, den Gottes Heiliger Geist bei uns setzt. Ich wünsche uns, daß wir offen sind für sein Wirken - nicht nur heute - an jedem Tag!

Ein begeisterndes Pfingstfest und einen geistvollen Sonntag wünsche ich Ihnen, viel Freude und noch manches Lachen oder wenigstens Lächeln!