Andacht zum Wochenspruch Wochenspruch zur Woche nach dem 6. So. n. d. Trinitatisfest: So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen ge- rufen; du bist mein! (Jes.43,1) Sie wissen wahrscheinlich, wie sehr dieser Vers mit der Taufe ver- bunden ist: »Ich habe dich bei deinem Namen gerufen...« Bei keinem Taufgottesdienst darf das fehlen: »Du bist mein!« Wann, liebe Zuhö- rerIn, ist ihnen das zuletzt wichtig gewesen: Daß sie bei Gott einen Namen haben? Daß er sie ganz persönlich anspricht: Du bist mein!? Vielleicht liegt das in dieser Zeit? Bloße Worte gelten nicht viel. Was einer kann, was er »bringt« ist wichtig! Wie eine Ware werden wir geprüft, gewogen, begutachtet, gebraucht oder weggeworfen. Oder wir bekommen erst gar keine Chance, finden nicht hinein in die Ge- sellschaft, in den Arbeitsprozeß, fahren vom Start weg den anderen hinterher, kommen »auf keinen grünen Zweig«. -Was bedeutet da, daß wir von Gott beim Namen gerufen werden? Oder wir sind »drin« in Arbeit und Brot, haben unser Auskommen und einen bescheidenen Wohlstand erworben, das Haus steht, die Be- lastungen sind erträglich - da verlieren wir den Arbeitsplatz und fin- den keinen neuen mehr. »Sie sind schwer vermittelbar«, sagen sie uns auf dem Arbeitsamt. Oder: »Strukturschwacher Raum, sie müssen einfach Geduld haben!« Und das müssen wir wirklich! Was wollen wir auch sonst tun? Aber das Haus pfänden sie uns doch weg! Und die Belastungen fressen uns jetzt auf! Was sagt mir das dann: »Du bist mein!«? Und ein drittes Beispiel: Einer hat ein persönlich schweres Schicksal. Er ist vielleicht unheilbar krank, behindert, er hat ein seelisches Lei- den, das ihn kaputtmacht... Die Ehe ist am Ende, das Kind geht eige- ne - falsche - Wege, Selbstvorwürfe zermartern einen... Noch so viel Leid gibt es! Jedes Häuschen hat sein Kreuzchen, jedes Dach sein Ach«, so sagen die Leute. Und mit Recht! Was gilt uns das, wenn Gott uns so anspricht: »Ich habe dich erlöst!«? Irgendwie meinen wir doch immer: Das kann gar nicht stimmen, das mit Gottes Segen und so, daß er uns wirklich seit der Taufe begleitet, daß er über und um uns ist mit seinem guten Geist... Ist es nicht so? Wir kriegen das irgendwo nicht zusammen mit Gottes Güte, wenn es uns dreckig geht, wenn wir Sorgen haben und in allen möglichen Nö- ten stecken. Von wegen: »erlöst«! Wir meinen immer, Gottes Geleit müßte vor den Schwierigkeiten und schlimmen Erfahrungen beschüt- zen. Dabei ist er doch mit uns mitten drin; er bewahrt uns in den Nö- ten, ist neben uns während wir leiden und stärkt uns bei unseren Pro- blemen! Gott steht eben nicht vor der Tür zum verbotenen Raum; er wehrt uns nicht ab, wenn wir Fehler begehen und die verkehrten We- ge einschlagen - wir ließen uns das auch gar nicht gefallen! Wir wol- len ja unseren Willen haben! Aber dennoch sind wir dann nicht allein; wenn wir den falschen Schritt gegangen sind. Gott ist nicht voll ge- kränkten Stolzes, wenn wir Fehler machen: »Hättest du doch auf mich gehört!« Gott tut weh, was uns weh tut! Und noch mehr, wenn wir unverschuldet leiden müssen! Er ist mit dabei, wenn wir Schmerz empfinden und legt uns die Hand auf, wenn wir nicht mehr weiter- können. Und er sagt uns dann, im Leid, in den Problemen und Sor- gen, in den Nöten und Schwierigkeiten: »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!« Dann dürfen wir an unsere Taufe denken und wissen: Mir kann nichts geschehen! Mag sein, daß sich unsere Sorgen so schnell nicht auflösen, mag sein, daß wir lange Zeit ganz unten sind, mag sein, daß alle uns glauben machen wollen, wir könnten nichts und wären nichts... Wir sind getauft! Gott ist mit uns! Er beschützt uns nicht immer vor Leid und Gefahr, aber er geht mit hinein! Sagen sie sich das immer wieder einmal, nicht erst, wenn die Not da ist!